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München: Elke Heidenreich begeistert auf dem Literaturfest

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Von: Katja Kraft

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Elke Heidenreich signiert nach ihrer Lesung im Gasteig in München unermüdlich Bücher für Fans
Schlange stehen für Elke Heidenreich: Geduldig signierte die Autorin im Gasteig in München jedes Buch. © kjk

Elke Heidenreich ist eine der beliebtesten Literaturkritikerinnen des Landes. Nun kam sie zum Literaturfest München und las aus ihrem Bestseller „Hier geht‘s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben“.

Ob sie wirklich die Affäre mit dem Politiker hatte? Verrät Elke Heidenreich am 19. November 2021 bei ihrer Lesung während des Münchner Literaturfests im Carl-Orff-Saal nicht. Aber erklärt mit hintersinnigem Lächeln: „Ob eine Geschichte wahr ist, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie wahrhaftig ist.“ Ihre Geschichten sind es immer. Die aus ihrem jüngsten Buch „Hier geht‘s lang“ beispielsweise. Untertitel: „Mit Büchern von Frauen durchs Leben“. Es ist Heidenreichs tief empfundene Liebeserklärung für die Werke ihrer Geschlechtsgenossinnen. Kapitelweise liest sie im so voll wie zurzeit eben möglich besetzten Saal aus dem Büchlein vor. Und wenn sie zu der Stelle kommt, an der es um Anne Golons schwülstige „Angélique“-Reihe geht, die ab 1956 in Deutschland erschien, und dann so schöne Sätze vorträgt wie: „So schrieben, so schreiben nur Frauen. Und das meine ich nicht abwertend. Dieses zuckersüße, leuchtendrot flackernde Stück Herz, dieses Buch als Torte – das kriegen die Kerle so einfach nicht hin“, da nicken sich einige Damen im Publikum lachend zu. Und die Älteren scheinen für ein paar Augenblicke gedanklich wieder in ihrer Jugend zu sein, als sie mit hochroten Wangen von der Hauptfigur der Reihe, Joffrey de Peyrac – „das war ein Mann, kein Bubi“ – lasen und träumten.

Elke Heidenreichs Buch „Hier geht‘s lang“: amüsante Spitzen gegen Machos

Apropos Männer, die blendet die Heidenreich in ihrem Buch über Frauenliteratur natürlich nicht aus. Schließlich sind die Herren selbst immer wieder Stoff für große Romane und Gedichte. „Hier geht’s lang“ ist mit reichlich amüsanten Spitzen gegen Macho-Attitüden gespickt. Die ein oder andere fügt Heidenreich im Gasteig hinzu. Wenn’s um die Aufgaben eines Literaturkritikers geht zum Beispiel. „Es geht als Kritiker nicht darum zu zeigen, was man weiß“, liest sie – und kommentiert wunderbar bös’: „Schönen Gruß an Denis Scheck.“ Dass ihre eigene Sendung „Lesen!“ trotz starker Quoten eingestellt wurde, erklärt sie dem Publikum wie immer frei Schnauze: „Sie haben es abgesetzt, weil ich das ZDF einen kulturlosen Haufen genannt habe. Dazu stehe ich immer noch, hätte ich aber etwas netter formulieren können.“

Elke Heidenreichs urkomische Geschichte über die Salzburger Festspiele

Nach knapp eineinhalb launigen Stunden gibt’s als Zugabe das Kapitel „Fesch“ aus ihrem Buch „Männer in Kamelhaarmänteln“. Eine köstliche Erinnerung ist das an Heidenreichs Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen 2008. Es lohnt sich, sie nachzulesen. Nicht nur weil sie sehr komisch ist. Sondern auch, weil sie durch und durch wahr ist. „Soll man ja eigentlich nicht verraten, tue ich aber, weil ich glaube, Sie haben mehr Spaß, wenn Sie das wissen.“ Wahrhaftig.

Das Literaturfest München geht bis 5. Dezember 2021, auch digital. Das gesamte Programm gibt es hier

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