Gebäudekomplex bekommt neues Gesicht

Gasteig-Sanierung: Erste Details durchgesickert 

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Wie kann die Akustik der Philharmonie verbessert werden? Die Pläne sehen dafür ein neues riesiges Schallsegel anstelle der jetzigen Plexiglas-Elemente vor.

München - Wie soll der runderneuerte Münchner Gasteig aussehen? Darüber diskutieren derzeit die Fraktionen. Erste Details sind nun durchgesickert. Geplant ist eine akustische Ertüchtigung der Philharmonie - und ein Bistro auf dem Dach.

Die Hamburger haben ihre Plaza. Zigtausende genossen schon in 37 Metern Höhe die Aussicht von der Elbphilharmonie auf Hafen und Stadt. Doch München könnte bald mit Ähnlichem beschenkt werden, mit einem Restaurant auf dem Dach der Philharmonie. Ein Hirngespinst? Mitnichten. Ein einzigartiger Blick wäre vom Gasteig aus möglich – vorausgesetzt, diese Planung wird wahr und passiert den Stadtrat.

Am 5. April ist Stichtag, dann wird sich das Gremium mit der groß angelegten Sanierung des Kulturzentrums befassen und einen Architektenwettbewerb auf den Weg bringen. Seit einiger Zeit kursieren dafür Details und wurden auch schon diversen Entscheidungsträgern präsentiert. Von der Minimalplanung, die notdürftig nur existenziell Wichtiges wie die Sprinkleranlage oder Kabelschächte auf den neuesten Stand bringt, reicht dabei das Angebot bis zur Maximallösung: Abriss und Neubau des Kulturzentrums, das steht fest, kämen mit bis zu 700 Millionen Euro viel zu teuer.

Der Mittelweg: Eine Renovierung für 450 Millionen

Worauf die Sache derzeit hinausläuft, ist eine umfassende Renovierung, die dem Gasteig ein neues Gesicht gibt und geschätzte 450 Millionen Euro kosten würde. Wenn schon Sanierung, dann richtig, so die Meinung der damit Befassten, dann bitte mehr als nur dringend Notwendiges. Diese Lösung soll den Gasteig zu einer Herzensangelegenheit werden lassen. Das ist schließlich sein größter Malus: Mehr als 1,8 Millionen Besucher kommen jährlich dorthin, nutzen die Säle, die Bibliothek, das Angebot der Volkshochschule oder der Musikhochschule – und dies mit enormem Zuwachspotenzial. Doch wahrgenommen und empfunden wird der Klinkerbau lediglich als Funktionsgehäuse. Eine Identifikation à la Prinzregententheater, Nationaltheater oder eben Elbphilharmonie ist nicht festzustellen. Der Gasteig ist nicht sexy genug.

Dirigent Valery Gergiev holte Akustiker Toyota

Europas größtes Kulturzentrum könnte damit zum ganztägigen Erlebnisort werden. Ein Ort, an dem man sich nicht nur Kultur gönnt, sondern auch (in neu zu schaffenden Bistros) Kulinarisches. Die Einzelposten sind bislang zwar „nur“ Wunschträume, doch die haben es in sich.

Im Zentrum steht dabei das Lifting der Münchner Philharmonie. Die wurde schon von Star-Akustiker Yasuhisa Toyota unter die Lupe genommen. Dahinter steckt Valery Gergiev, Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und mit Toyota gut bekannt. Der Japaner hat unter anderem für die klangliche Ausstattung des Konzertsaales unweit des St. Petersburger Mariinsky-Theaters gesorgt. Seine Empfehlungen: eine Vergrößerung des Podiums nach vorn, ein Aufrauen und Abrunden der seitlichen Wände zur verbesserten Klangreflexion, vor allem aber ein riesiges durchgängiges Schallsegel, das bis über die ersten Reihen reicht.

Das Problem am Herzstück des Gasteig ist auch: Hinter der Holzverschalung befindet sich gesundheitsgefährdendes Material. Die Besucher müssen sich zwar zurzeit davor nicht fürchten, weil diese Stoffe vollkommen eingeschlossen sind. Doch sobald an den Wänden gearbeitet wird, wird das Material freigesetzt. Deshalb sind Renovierungen auch hier empfehlenswert, dabei könnten Toyotas Vorschläge problemlos umgesetzt werden. Alle diese Verbesserungen der Philharmonie, die um etwa hundert auf 2300 Sitze verkleinert werden würde, kosten 150 Millionen Euro.

Der Carl-Orff-Saal als Multifunktionsraum ohne Tribüne

Eigentliches Aschenputtel im Gasteig ist der Carl-Orff-Saal mit seiner Nicht-Atmosphäre. Der, so die favorisierte Planung, könnte zu einem Raum mit flexibler Bühne und variablen Zuschauerreihen umgebaut werden. Die ginge einher mit einer Erhöhung der Kapazität von 600 auf 800 Plätze. Auch hier denkt man an einschneidende akustische Maßnahmen. Am Ende könnte dabei ein attraktiver Saal für Kammermusik herauskommen, der München bislang fehlt, in dem aber genauso Kino- oder Theaternutzungen möglich wären. Oder in dem, so ein besonderer Nebeneffekt, das Münchener Kammerorchester eine richtige Heimat finden könnte.

Sogar zusätzliche Räume sind möglich

Ein Restaurant auf dem Dach der Philharmonie: Das könnte bald Wirklichkeit werden.

Für viele überraschend: Es gibt sogar noch Möglichkeiten, zusätzliche Räume zu gewinnen. Laut Baurecht und dank der statischen Voraussetzungen kann der Gasteig um ein Stockwerk erhöht werden. Büros oder Übungsräume könnten dort Platz finden. Die Planer müssen sich also nicht darum sorgen, dass sie mit ihren Vorstellungen schnell an Grenzen stoßen. Insgesamt würde man mit diesen und anderen Maßnahmen 5000 Quadratmeter Nutzfläche hinzugewinnen.

Auch die Glashalle könnte nach diesen Denkmodellen erweitert werden. Der Kassenbereich würde umgestaltet und vergrößert werden, weg von der Bahnhofshallen-Atmosphäre. Ohnehin, so die Planung, könnte man die Tageskasse für die Philharmonie gleich an den Ort der heutigen Abendkasse verlegen. Ziel ist bei alledem ein großzügigeres, attraktiveres Entrée für den gesichtslosen Klotz. Seinerzeit hatten die Planer eine große Freitreppe von der Rosenheimer Straße her geschaffen, doch die wird kaum genutzt. Stattdessen drängen sich tausende Besucher, die vom S-Bahnhof kommen, allabendlich durch den engen Gang zwischen dem Bibliothekstrakt und der Glashalle.

Immer mehr Befürworter bei der Stadt

Die Einzelmaßnahmen der Renovierung mögen nach Zukunftsmusik klingen, vielleicht sogar nach Utopie. Doch Tatsache ist: In den Stadtrats-Fraktionen mehren sich die Befürworter – auch weil man mit solchen Verschönerungsmaßnahmen gegen den neuen Konzertsaal im Werksviertel bestehen könnte. Und sei es nur wegen des Sahnehäubchens, wegen des kleinen, attraktiven Restaurants auf dem Dach. Das wäre die Gasteig-Krönung.

Lesen Sie auch: Drei Säle, bis zu 380 Millionen - Details zum neuen Konzertsaal im Werksviertel

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