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Maler Gerhard Richter wird 85

Experte Schirmer: „Richter hat die Gattung Ölmalerei gerettet“

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Der deutsche Maler Gerhard Richter gilt als der berühmteste und teuerste deutsche Maler.  

München - Gerhard Richter gilt als der berühmteste und teuerste deutsche Maler überhaupt. Im tz-Interview spricht der Verleger und Kunst-Kenner Lothar Schirmer über die Faszination Richters. 

Er ist der berühmteste und teuerste deutsche Maler, dabei ein stiller Künstler, der die obszönen Preise für Kunst oft genug anprangert. Sein Werk Abstraktes Bild (1986) kam vor knapp zwei Jahren für rund 41 Millionen Euro in London unter den Hammer. Die Richter-Hysterie nimmt kein Ende. Heute wird der gebürtige Dresdner 85 Jahre alt. Der Münchner Kunst-Experte und Verleger Lothar Schirmer (72) kennt (und verlegt) Richters Werke seit den Anfängen des Genies in den 60er-Jahren. In der tz beschreibt Schirmer die Faszination des Malers ohne Grenzen.

Herr Schirmer, was fasziniert die Menschen so an dem berühmtesten und teuersten deutschen Künstler?

Lothar Schirmer: Da ist zum einen Richters ungeheure handwerkliche Perfektion. Spöttisch könnte man das eine Mischung aus guter alter akademischer DDR-Malerschule und  Düsseldorfer Esprit bezeichnen. Und: Richter ist unglaublich wandlungsfähig, er bedient alle Genres. 

Seine erfolgreichsten Bilder sind seine abstrakten. 

Ja, weil sie einerseits modern und andererseits wirklich handgemacht sind. Sie wirken nicht wie hingetröpfelt wie etwa bei Jackson Pollock. Man spürt auch hier, dass Richter ein echter Kunst-Grübler ist. Einer, der viel über die Malerei nachdenkt, was ihn auch für die Kunsthistoriker interessant macht. Einer, der die Verbindung von Alt und Neu immer wieder ganz einzigartig und selbstverständlich umsetzt. 

Ein Chamäleon? 

Er bedient alle Stile und reflektiert die Geschichte der Malerei. Bei Richter blitzt immer wieder der Romantiker Caspar David Friedrich durch, die sächsische Malerschule des 19. Jahrhunderts. Man spürt, dass er da zu Hause ist. Zudem hat er etwa auch das Genre Geschichtsmalerei wiederbelebt - von seiner dunklen Seite - etwa mit seinen Baader-Meinhof-Bildern. Und schließlich, ein ganz wichtiger Punkt: Richter hat die Gattung Ölmalerei gerettet und damit ganz vielen Leuten aus dem Herzen gemalt. Andere wie etwa Cy Twombly machten das auch, aber der ist schwerer zu rezipieren und wurde oft als „Kindergeklecksel“ bezeichnet. Aber schließlich haben sich auch bei Twombly die Liebhaber durchgesetzt. Richter ist sicherlich nicht so verwegen, aber in seinem Metier gut aufgehoben. 

Ist Richter ein bescheidener Maler? 

Auf jeden Fall einer, den die Entwicklung ein wenig überrollt hat, was seinen Erfolg angeht. Er hätte das nie für möglich gehalten, dass er die Popart-Künstler der 60er-Jahre so überfahren würde. Die amerikanische Begeisterung ist ihm selbst unheimlich, aber er hat ja keine Möglichkeiten, diese Wahnsinns-Kunstpreise sinnvoll zu korrigieren. 

Wie ist er als Mensch? 

Sehr natürlich. Der Typ leitender Bankangestellter. 

Aber leitend… 

Natürlich leitend! Diesen Wesenszug braucht er auch zur Verwaltung seines Geldes. 

Ist Richter ein Zweifler? 

Ich glaube schon. So ganz optimistisch sind seine Bilder ja nicht. Er ist auf jeden Fall eher der Reflektierte als der Leidenschaftliche. Und phänomenal, wie er Abstraktes und Gegenständliches gleich gut beherrscht. Im Abstrakten hat er alle Stile von der Monochromie bis zu Lichtensteins Popart und De Kooning erfasst und aufbereitet. 

Ihr Fazit? 

Richter ist ein ausgezeichneter, cleaner Maler. Einer, der handwerklich abliefert, was auch ein Juwelier kaufen könnte. Er verkörpert die Erinnerung an den Arbeitswert in der Malerei. 

Richter gestaltete das Kirchenfenster für den Kölner Dom

Das Richter-Fenster im Kölner Dom

Richter arbeitete ohne Honorar, die Herstellungskosten (370 000 Euro) wurden von 1200 Spendern finanziert. Seit 2007 leuchtet das Südquerschiff des Kölner Doms im Richter-Stil. Kardinal Meisner fand das Meisterwerk nicht christlich genug. Es solle eher in eine Moschee, sagte er.

Wo gibt es die Richter-Werke zu sehen?

Insgesamt vier große Häuser zeigen heuer Richter-Ausstellungen: Das Museum Ludwig (Köln) ab heute bis 1. Mai (26 abstrakte neue Bilder) - das Museum Folkwang (Essen) vom 7.4. bis 30.7. (über 165 Werke verschiedener Genres) - das Kunstmuseum Bonn (15.6. bis 1.10. mit Frühwerken der 60er) - die Nationalgalerie Prag (26.4. bis 3.9. mit über 50 Werken aus 60 Jahren). 

Matthias Bieber

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