Benefizauktion: Große Kunst kann man jetzt digital ersteigern

Feiern für die Kunst: Die Münchner PIN-Party steigt heuer online

PIN-Vorsitzende Dorothée Wahl vor einigen Auktions-Losen.
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PIN-Vorsitzende Dorothée Wahl vor einigen Auktions-Losen.

Normalerweise würde jetzt wieder die große PIN-Party in der Pinakothek der Moderne steigen. Promis, Mäzene, Galeristen, Sammler und Kunstfreunde ersteigern erst Kunst für den guten Zweck - und feiern dann in der Rotunde des Hauses bis in die Morgenstunden. Dieses Jahr läuft‘s etwas anders. Aber nicht minder sehenswert.

Bei Monika Baer wird der Schnaps gleich mitgeliefert. Gar nicht verkehrt in diesen Tagen. Und wie ihr Werk „CMYK“ (2016), an dem das Fläschchen Hochprozentiges angebracht ist, leuchtet! Auch das – Balsam für die Seele. Man würde gern jedem empfehlen, eiligst durchs Herbstlaub in die Pinakothek der Moderne zu stapfen und sich dieses sowie die mehr als 90 weiteren Bilder, Skulpturen und Fotografien anzuschauen, die dort auf einen neuen Besitzer warten. Und noch lieber würde man rufen: Kommt alle am Samstag in die Rotunde des Hauses und feiert mit PIN, dem Verein der Freunde der Pinakothek der Moderne, die große „PIN. For Art“-Party. Wie jedes Jahr.

Skulpturen, Bilder, Fotografien: Über 90 Arbeiten warten auf einen neuen Besitzer.

Aber nein. Nichts ist wie jedes Jahr.

Oder zumindest nicht ganz. PIN-Vorstandsvorsitzende Dorothée Wahl sowie ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben sich eine Alternative zur analogen Feier einfallen lassen. Wer Museen und Künstler unterstützen möchte, der tanze in diesem Jahr nicht mit Champagner durch das Entrée des Hauses an der Barer Straße, sondern lasse daheim die Korken knallen.

Am 21. November 2020 um 20.15 Uhr startet die Benefizauktion in der Pinakothek der Moderne, und jeder, der mag, kann online dabei sein. „Insofern sehen wir in der Krise auch eine Chance: Jeder kann sich einloggen, man muss nicht mitbieten. Die Hoffnung ist, noch mehr Menschen erreichen zu können als die 800 Förderer und Freunde, die sonst zu unseren Feiern geladen sind. Quer durch die Welt können sich Interessenten beteiligen.“

Top-Los: Neo Rauchs „Anpassung“ (2020)

Je mehr mitmachen, desto höher die Preise, die erzielt werden. Ein Glück für München und ein Glück für die Kulturszene. Denn es gilt: Die Einnahmen der Werke, die allesamt dem Verein verbundene Galerien und Künstler gespendet haben, gehen in die Förderung von Projekten der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der Staatlichen Graphischen Sammlung, der Neuen Sammlung – The Design Museum, des Architekturmuseums der TU und des Museums Brandhorst. Neu in diesem Jahr ist, dass Künstler und Galerien entscheiden können, ob sie den gesamten Erlös an PIN weitergeben, oder 50 Prozent behalten. „Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy unterstützen seit Jahren das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig – sie möchten, dass die Hälfte des Erlöses der zwei von ihnen in die Auktion gegebenen Werke dorthin geht.“ Das könnte ein großer Geldsegen werden; gerade in Rauchs Arbeit „Anpassung“ (2020) setzen die Veranstalter Hoffnungen. Ein Werk von Rauch in diesem Format (40 mal 60 Zentimeter) ist auf dem Kunstmarkt nicht leicht zu bekommen. „Wir wissen von einigen Sammlern, die mitbieten werden“, erzählt Wahl. Der Galeriepreis liegt bei 371 200 Euro, an ihm orientieren sie sich in den Auktionen. Das günstigste Los ist Maja Behrmanns „Ohne Titel (Kufu)“ (2020), Schätzpreis: 2200 Euro. Bis hin zu Top-Losen wie Georg Baselitz’ „Salzburger Grün“ (2020), Galeriepreis: 232 000 Euro.

Top-Los: Georg Baselitz’ „Salzburger Grün“ (2020)

Stolze Summen, die belegen, dass die Solidarität auch in schweren Zeiten nicht abbricht – im Gegenteil. „Wir haben diesmal noch hochpreisigere Werke bekommen als sonst. Und von unseren Mitgliedern ist in diesem Krisenjahr niemand abgesprungen. Alle haben uns die Treue gehalten“, betont Wahl. „Weiß Gott keine Selbstverständlichkeit.“

Eine Million Euro brachte die große Sause für die Kunst in den vergangenen Jahren stets ein. Vielleicht, so die Hoffnung, werden es heuer sogar 1,5 bis zwei Millionen. Abzüglich der Galerien und Künstler, die 50 Prozent des Erlöses behalten („Viele nagen am Hungertuch“) oder ihrerseits spenden, könnte es dann tatsächlich wieder die Million geben für den Verein. Weitermachen, wenn nichts mehr nach weitermachen schreit – alles andere als eine Schnapsidee.

Die Auktion kann man am 21. November ab 20.15 Uhr mitverfolgen unter www.kettererkunstlive.de. Registrierung für Bieter unter: https://www.pin-freunde.de/pin-party/pin-auktion-2020

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