Am Donnerstag geht es los

Filmfest-Chefin Iljine: „Das ist die Krönung“

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Diana Iljine hat heuer ihre siebte Saison als Filmfest-Chefin

Am Donnerstag beginnt in der Landeshauptstadt zum 35. Mal das Filmfest München. Wir sprachen mit Chefin Diana Iljine über ihr persönliches Highlight - und die Zukunft des Festivals.

München - Ab Donnerstag hat München die größte Klappe Deutschlands – dann startet das Filmfest. Bis 1. Juli werden Sie Augen machen – nach dem Eröffnungsstreifen mit Claire Denis’ Bright Sunshine In mit ­Juliette Binoche gibt es insgesamt 180 Filme aus 60 Ländern zu sehen. Genau zwei Drittel davon (also 120) werden erstmals in Deutschland gezeigt, dazu 45 erstmals weltweit. Das Interview mit Chefin Diana Iljine.

Frau Iljine, haben Sie Respekt vor ­Ihrem berühmten „Verflixten 7. Jahr“ dieser filmischen Beziehung? Im gleichnamigen Kultfilm bricht sich ja die Gewohnheit langsam Bahn, bis Marilyn Monroe für Furore sorgt…

Diana Iljine: Mein verflixtes siebentes Jahr als Filmfest-Chefin wird verflixt sensationell. Ich bin jetzt schon sehr entspannt und gelassen, denn wir haben ein tolles Programm. Dass Sofia Coppola aufs Festival kommt, ist die Krönung. Ich wollte sie seit Jahren. Übrigens hat sie ihre Mutter mit dabei.

Warum das?

Iljine: Eleanor Coppola hat mit 80 Jahren ihren ersten Spielfilm gedreht, den sie bei uns vorstellt.

Fehlt nur noch ihr Gatte Francis Ford Coppola…

Iljine: Der lässt seinen Damen den Vortritt. Wenn er käme, müsste man ihn im Hintergrund halten, sonst stiehlt er als absoluter Weltstar-Regisseur natürlich allen die Show. Wobei seine Tochter Sofia längst auch ein Topstar ist.

Wie kam’s jetzt zur Zusage?

Iljine: Ich habe aus meiner Zeit als Filmeinkäuferin noch ein paar Kontakte in Hollywood. Die, kombiniert mit dem Filmverleih und der Tatsache, dass wir das zweitgrößte Festival nach Berlin sind, haben wohl den Ausschlag gegeben. Außerdem ist Sofia Coppola politisch interessiert, und auch hier bedienen wir ein breites Spektrum. Und schließlich: Sie ist ja nicht unser einziger Stargast, weitere internationale sind Bryan Cranston oder Bill Nighy.

Apropos Bryan Cranston: Sie zeigen ja einige Folgen aus „Breaking Bad“. Wird das Medium Serie, das alles ja episch breit erzählen kann, irgendwann die magischen Momente eines viel kürzeren Kinofilms gänzlich ablösen?

Iljine: Nein, das glaube ich nicht. Die magischen Momente in kürzester Zeit einzufangen – vielleicht auch nur über einen Blick des Akteurs, eines Geräuschs, einer Kameraeinstellung, wie das Kino das kann –, und eine breit angelegte Serie sind beides Kunst. Serien sind weniger Film denn die Romane des 21. Jahrhunderts. Wobei derzeit, klar, die jungen Leute bevorzugt eine Folge nach der anderen sehen und momentan vor allem Serien Gesprächsstoff sind.

Sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert im Filmgeschäft?

Iljine: Na klar, wenn sie nur etwa 20 Prozent Quote ausmachen, dann sind sie das definitiv. Man muss den Blick darauf richten und darf nicht nachlassen. Viele haben auch Angst, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die Selfmade-Frau Sheryl Sandberg, eine der reichsten der Welt, hat recht: Sie fordert Frauen auf, mehr Mut zu haben.

Unser Festival ist…

Jung und frech...

…weil wir der Münchner Jugend erklären, wie man ­Tigermilch mischt und warum das Festival auch für sie cool ist.

Szene aus Sofia Coppolas The Bling Ring (2013, OmU) mit u. a. Emma Watson (links). Am 24. und 28. Juni im Atelier 2 (City Kino), jeweils 17.30 Uhr. Tigermilch (Regie: Ute Wieland) am 23.6. um 16 Uhr im Mathäser und 26.6. Münchner Freiheit (15 Uhr).

Treffsicher...

…weil man bei uns Filme sehen kann, über die die Welt gerade spricht.

Szene aus Léa Mysius’ Ava (Frankreich, 2017, dt. Erstaufführung, OmU auf Englisch), der auf dem Filmfest in der Reihe Wettbewerb CineVision zu sehen sein wird. Die Termine: 24. Juni um 19.30 Uhr, 26. Juni um 22 Uhr jeweils im Kino Münchner Freiheit 2. Dauer 106 Minuten, Altersfreigabe ab 18 Jahren.

Prachtvoll...

…weil bei uns berühmte Frauen und schöne Männer – und natürlich auch umgekehrt – über den ­roten Teppich flanieren.

Szene aus Sofia Coppolas Marie Antoinette aus dem Jahr 2006 mit Kirsten Dunst in der Titelpartie. Das Werk wird auf Englisch gezeigt. Auf dem Festival zu sehen am 26. und 30. Juni im Film­museum, Beginn 15 Uhr, Länge 123 Minuten.

Schlagkräftig...

…weil bei uns die Regie-Schwergewichte in der ­Reihe Cinemasters ihre neuesten Filme zeigen. Und: Wir präsentieren weltweit erstmalig einen Streifen über Bud Spencer.

Szene aus Karl-Martin Polds Sie nannten ihn Spencer (Deutschland/Österreich, 2017, 122 Minuten), am 23.6. im Mathäser (21 Uhr) und 27.6. im Gasteig (17.30 Uhr, Carl-Orff-Saal).

Diese Kinos sind mit dabei

Folgende Kinos sind heuer mit von der Partie: das Festivalzentrum Ga­steig, der Rio-Filmpalast (Rosenheimer Platz), das Filmmuseum im Stadtmuseum am St.-Jakobs-Platz, das Filmtheater Sendlinger Tor, die City Kinos (Atelier, Sonnenstraße 12), der Gloria Palast am Stachus, Theatiner Film in der Theatinerstraße 32, die Hochschule für Fernsehen und Film (Bernd-Eichinger-Platz an der Gabelsbergerstraße), das Arri-Kino (Türkenstraße 91), die Kinos Münchner Freiheit in Schwabing und der Mathäser Filmpalast (Bayerstraße 3-5).

Mehr Informationen erhalten Sie im Internet unter www.filmfest-muenchen.de, telefonische Kartenreservierung unter Tel. 480 98 97 – 300.

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