Ihr Sängerlein, kommet!

Night of the Proms: Alle Jahre Lieder

Höhepunkt: Der italienische Sänger Zucchero, hier bei seinem Auftritt in der Olympiahalle im vergangenen Jahr.

München - Mit Stars wie Marlon Roudette sorgt die Night of the Proms in der Olympiahalle heuer für eine besonders gelungene Bescherung.

Ihr Sängerlein, kommet! Auch dieses Jahr gehört die Night of the Proms zu München wie das Blaukraut zur Gans – ein Advent ohne die kultige Klassik-Pop-Sause ist zwar möglich, aber sinnlos. Schon die gefeierte Premiere gestern Abend in der ausverkauften Olympiahalle (weitere Vorstellungen Samstag und Sonntag) zeigte: Mit Stars wie Marlon Roudette sorgen die Macher heuer für eine besonders gelungene Bescherung. Und wer wäre nicht gerührt wie ein Platzerlteig, wenn Großmeister John Miles die „Bohemian Rhapsody“ (fast) wie Freddie Mercury singt, und Gitarre spielt wie Brian May?

Mit einem gewaltigen Donnerschlag des Orchesters Il Novecento startet das diesjährige Promsen. Statt der wilden Express-Pianistin Hiromi aus dem Vorjahr entführt danach Akkordeon-Fee Ksenija Sidorova die Halle mit dem „Libertango“ nach Buenos Aires – als feurige Latin-Lettin.

Küken Madeline Juno aus Mannheim ist der erste Pop-Act – und mit 19 die erste Künstlerin in der Geschichte der Proms, die jünger ist als das Event, das in Deutschland 1994 startete. Sie glänzt mit schüchtern-hübschem Singer-Songwriterinnen-Pop. Chart-König Marlon Roudette verbindet an den Steel Drums ein Bach-Präludium mit seinem Chart-Hit „When The Beat Drops Out“. Genial! Er bringt die weihnachtliche Olympiahalle mit „Anti Hero“ zum Stehen und Tanzen – und mit dem hymnischen „New Age“ zum Träumen.

Für die zweite Hälfte waren noch zwei Superstars angekündigt: Katie Melua („The Closest Thing To Crazy“) und Zucchero, Münchens musikalischer Lieblings-Italiener. Den furiosen Zausel feierten die Zuschauer schon bei den vorherigen Proms-Stationen enthusiastisch, vor allem bei „Miserere“, das er mit Luciano Pavarotti als Duett-Partner auf der Leinwand singt. Kitschiger geht’s laut Ohrenzeugenberichten nicht mehr. Schöner auch nicht. Alle Jahre Lieder? Man hört und sieht sich 2015!

Jörg Heinrich

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