"Die Volksoper? Stand nie zur Debatte"

Gärtnerplatz: Köpplinger bleibt bis 2023 Intendant

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Beim 150. Jubiläum des Gärtnerplatz-Theaters Anfang November war sich Josef E. Köpplinger noch nicht ganz sicher, ob er bleiben will. Jetzt weiß er’s, und das Ministerium hat den Vertrag des 51-Jährigen verlängert.

München - Bessere Nachrichten hätte es für das Theater am Gärtnerplatz kaum geben können: Der Intendant Josef Köpplinger hat seinen Vertrag verlängert - und das langfristig. Wir trafen ihm zum Interview.

Glücklich ist, wer vergisst, was ja nicht zu ändern ist, heißt es in der Fledermaus. Womit wir beim doppelten Glück wären. Erstens, weil Josef E. Köpplinger (51) und sein fulminantes Gärtnerplatz-Team seit 2012 – dem Beginn der Monstersanierung des Stammhauses am Gärtnerplatz – das Unausweichliche in positive Energie und Kreativität umgewandelt haben: das ständige Hin und Her verschiedenster Spielorte. Und zweitens, weil der Intendant nun dem Haus erhalten bleibt – bis 2023 hat er verlängert. Das teilte gestern das Kunstministerium mit.

Dessen Chef Ludwig Spaen­le lobt Köpplinger in klirrender Kälte über den grünen Klee: „Hervorragend bewältigt“ habe er die stete Wanderschaft des Ensembles durch die Münchner Landschaft und zudem ein höchst umfangreiches Programm gestaltet von Oper über Operette und Musical in all seinen Facetten.

Wir sprachen den Mann mit dem Käppi zu seiner Vertragsverlängerung.

Herr Köpplinger, haben Sie bei unserem letzten Interview vor drei Wochen zum 150. des Hauses wirklich noch nicht gewusst, ob Sie verlängern?

Josef E. Köpp­linger: Ich hatte das fast entschieden. Ich befand mich am Ende meiner ganz eigenen Prüfungsphase: Habe ich die Kraft und Energie und Fantasie, um einen Vertrag zu verlängern? Die Antwort ist: ja. Ich darf eines der schönsten Opernhäuser der Welt leiten. Und: Ich habe wahnsinnig wenig von der Innenstadt gesehen. Das ändert sich hoffentlich.

Glauben Sie an den Eröffnungstermin 4.11.2016?

Köpp­linger: Wir haben die Aussage, nicht die Garantie der Politik: 4.11.2016. Wenn er nicht haltbar sein sollte, dann muss das Ministerium einen Notfallplan entwickeln. Das habe ich deutlich gemacht.

Ein Wort zum Gehalt?

Köpp­linger: Das steigt unwesentlich. Aber ich rede nicht über Geld, das ist obszön. Noch tue ich den Job, weil ich ihn liebe. Das Haus ist, das meine ich so, meine Familie.

Wird es weniger verschiedene Produktionen geben?

Köpp­linger: Eher mehr. Und weiterhin all die Genres, für die wir stehen von der Oper über die Operette bis zum Musical. Übrigens bin ich dem Publikum unglaublich dankbar, dass es unseren schwierigen Weg mitgegangen ist. Da geht es nicht um gute oder schlechte Qualität, sondern um die Wahrnehmung, wie komplex unsere Situation ist. Dass es unsere Arbeit mag, freut mich sehr. Ansonsten würde es keine Karten kaufen.

Haben Sie ein bisserl Angst, dass der Wanderschafts-Bonus dann aufgebraucht ist?

Köpp­linger: Überhaupt nicht. Man muss als Kulturschaffender immer kreativ sein, auch wenn es Hoch- und Tiefphasen gibt. Man schläft nicht. Das werden wir auch in Zukunft nicht tun, auch wenn ich meinen lieben Kollegen Max Wagner sehr vermissen werde, der Gasteig-Chef wird. Ich bin überhaupt vom Naturell her ein Getriebener und versuche gleichzeitig, strukturiert zu sein. Dieser tägliche Spagat ist eine Herausforderung und eine Chance.

Weint die Wiener Volksoper jetzt?

Köpp­linger: Die stand nie zur Debatte.

Matthias Bieber

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