Keep it True-Festival

Ganzkörper-Gänsehaut für Metal-Fans

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Stammgast beim Keep it True: Goldkehlchen Harry „The Tyrant“ Conklin, dieses Mal mit Jag Panzer am Start.

München - Glückseligkeit, wohin man blickte und hörte - das 17. „Keep it True“-Festival in Königshofen wurde seinem Ruf als geschmackvollstes Metal-Event des Planeten einmal mehr gerecht. Die Oberpfälzer Szene-Durchstarter von Atlantean Kodex feierten einen Triumphzug, wie ihn auch das „KIT" nicht alle Jahre erlebt.

Europa liegt sich in den Armen, feiert seine Einigkeit…

Eine naive Vision? Politisch vielleicht. In Königshofen, einem 2500 Seelen-Winzerstädtchen zwischen Würzburg und Heilbronn ist der Traum längst Wirklichkeit. Alljährlich versammeln sich hier in der Tauberfrankenhalle am letzten Aprilwochenende die Freunde des Achtzigerjahre-Heavy-Metals, um ihren Helden zu huldigen. Familiäre Atmosphäre, erlesene Bandauswahl - das sind die Markenzeichen des Festivals. Der überstrapazierte Begriff „Kult“ hat hier ausnahmsweise seine Berechtigung.

Fifth Angel, Watchtower, Mystic Force, Medieval Steel, Liege Lord - beim KIT spielen Bands, die man anderswo vergeblich sucht. Vor allem der US-Metal und die New Wave Of Britisch Heavy Metal (NWOBHM) haben es Veranstalter Oliver Weinsheimer und seinen Mitstreitern angetan. Dieses Jahr konnten die fachkundigen Fans das Comeback der Progressive-Thrasher Toxik feiern, dazu gab’s spezielle Oldschool-Gigs von Flotsam & Jetsam, Jag Panzer und Metal Church - allesamt auf höchstem technischen Niveau. Fast vergessene Szene-Vorreiter wie Vardis wurden ebenso abgefeiert wie die enthusiastischen Newcomer von Night Demon, Ranger oder Iron Kingdom. Nicht zu vergessen Atlantean Kodex aus dem oberpfälzischen Vilseck. Das seit 2005 aktive Quintett um Gitarrist/Hauptsongwriter Manuel Trummer (Doktor der Vergleichenden Kulturwissenschaft) hat sich mit seinem epischen, liebevoll ausgearbeiteten Metal längst in die Herzen der Fans und Kritiker gespielt. Das 2013 erschienene zweite Album „The White Goddess“ erntete weltweit Höchstnoten in der Fachpresse und fand auch bei überregionalen Medien in Deutschland Beachtung. Interviews und längere Stories waren u.a. bei Spiegel Online und in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Die wahre Urkraft der Band gab’s am Samstag in Königshofen zu bestaunen. Sänger Markus Becker konnte sein Glück kaum fassen, als die ganze Halle bei ausladenden Kompositionen wie "Sol Invictus", „Heresiarch" oder „Pilgrim“ mitsang. Absoluter Höhepunkt: die von einem majestätischen Twin-Gitarren-Thema getragene Europa-Hymne „Twelve Stars and an Azure Gown“. Letzte Strophe, Ganzkörper-Gänsehaut:

"There are shadows over Athens and Rome still lies in flames In these days when need is great, there's no heroes there's no saints But when the night is darkest, Prometheus' torch will burn And the goddess on a white bull - though she never left - returns“

Tja, Europa braucht mehr Metal. Fazit von Veranstalter Weinsheimer gegenüber der tz: "KIT 17 war vom Ablauf her das wohl perfekteste Festival bisher. Nette Bands, tolle Fans und eine Wahnsinnsstimmung. Zudem gab es einen Vorverkaufsrekord für 2015: Wir haben nur noch weniger als 200 Karten übrig. Wir sind darüber geschockt - positiv natürlich…"

Ludwig Krammer

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