Projekt für 450 Millionen Euro

Gasteig-Sanierung beschlossen: So geht es jetzt weiter

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Europas größtes Kulturzentrum: Wenn alles gut läuft, kann der Gasteig ab 2020 umgebaut werden. 

Der Münchner Stadtrat hat die Sanierung des Gasteig gebilligt. Außerdem wurden Gespräche mit dem Freistaat über Ausweichstandorte für Philharmonie & Co angekündigt.

München - Wie im Schulhaus muss man sich das wohl vorstellen – wenn der Direktor zum Mikrofon greift, auf dass seine Ansage in allen Klassen gehört wird. Ähnliches ist gestern im Münchner Gasteig passiert, als der neue Chef die frohe Botschaft verkündete: Die Generalsanierung des Kulturzentrums wurde nach den zuständigen Ausschüssen nun auch vom Münchner Stadtrat gebilligt. Eine kleine spontane Feier im Innenhof des Gasteig war die Folge, Wagner sprach von einem „historischen Tag“ – auch wenn die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.

Jetzt kann der Planungswettbewerb losgehen

Details wurden vom Stadtrat noch nicht beschlossen, der Geschäftsführer darf nun aber einen Planungswettbewerb auf den Weg bringen und Verhandlungen für die Interims-Spielorte führen. 14 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt. Die geschätzten Gesamtkosten für die von allen favorisierte Lösung belaufen sich bekanntlich auf 450 Millionen Euro. 25 Maßnahmen sind geplant, darunter eine akustische Ertüchtigung der Philharmonie, eine Neugestaltung des Carl-Orff-Saals und der Glashalle sowie zusätzliche Restaurant-Stationen inklusive eines Bistros auf dem Dach. Wenn alles gut geht, können 2020 die Bauarbeiten beginnen.

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Immer noch Uneinigkeit über Ausweichquartier

Alles eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Noch immer gibt es einen Dissens über den Ausweichstandort. Während Oberbürgermeister und Kulturreferat es am liebsten bequem hätten und das stadteigene Areal an der Olof-Palme-Straße in Riem bevorzugen, wehren sich die privaten Konzertveranstalter, BR-Symphonieorchester und auch Vertreter der Münchner Philharmoniker gegen diese Variante am Rande der Stadt. Publikumseinbrüche werden befürchtet, im Falle der Privaten könnte das sogar existenzgefährdend werden.

Gasteig-Chef Max Wagner. 

Der Gasteig-Chef betont, dass er zu ergebnisoffenen Verhandlungen ermächtigt wurde. „Ich freue mich, dass wir Riem haben“, sagte Max Wagner gestern unserer Zeitung. „Da wir dieses Grundstück in der Hinterhand haben, bedeutet dies, dass es keine weiteren Zeitverzögerungen gibt.“ Wagner scheint Riem allerdings eher als Notnagel zu betrachten: Es gebe noch ein paar zentrumsnahe Flächen, über die er erst kürzlich mit den Betroffenen gesprochen habe. Zum jetzigen Zeitpunkt wolle er aber darüber nicht öffentlich sprechen. Auch der Bayerische Rundfunk mit seinen Konzertsaal-Plänen müsse in diese Debatte einbezogen werden, findet Wagner. „Das Symphonieorchester ist ja auch noch bei uns im Haus.“ Zur Alternative Paketposthalle meinte Wagner, dies könnte „zeitlich knapp werden“. Der Grund: Die Post müsste zunächst eine neue Heimat für ihr Verteilzentrum finden.

Vorschlag im Stadtrat: Das Marstall-Areal

In der gestrigen Stadtrats-Sitzung regte Wolfgang Heubisch an, man solle in dieser Frage auch den Freistaat kontaktieren. Konkret schlug der FDP-Politiker das Marstall-Areal vor. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) denkt in diese Richtung: „Ich werde den Freistaat fragen, ob er den einen oder anderen Standort überdenken möchte.“ Den ehemaligen Kongresssaal auf der Isar-Insel könne er sich weiterhin als Ersatzlösung für die Philharmonie vorstellen, auch wenn es gegen diese Variante Widerstand aus dem Deutschen Museum gebe. Reiter warnte allerdings davor, Riem schlechtzureden. Auch die Kritik von den privaten Veranstaltern versuchte er abzuschwächen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die uns boykottieren.“

Kostenrahmen ist noch umstritten

Knapp 40 Millionen Euro für eine Interimsphilharmonie, das findet zumindest Wolfgang Heubisch für zu hoch kalkuliert. Max Wagner mochte sich im Anschluss an die Stadtratssitzung dieser Kritik nicht anschließen. „Wenn wir hier etwas sparen könnten, hätten wir das getan. Diese Kosten basieren jedoch auf einer Expertenstudie.“ Der Gasteig-Geschäftsführer verwies darauf, dass man mit dem Weiterverkauf des geplanten Holzbaus auch wieder Einnahmen erzielen könne. Ein übliches Vorgehen: Auch die Genfer Oper, die derzeit in einem solchen Ersatztheater spielt, hat den Bau schon nach China veräußert.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Gasteig-Sanierung - keine Luxus-Angelegenheit 

Die Philharmoniker freuen sich

Positive Reaktionen auf den gestrigen Beschluss kamen von den Münchner Philharmonikern, die derzeit in New York weilen. „Die Entscheidung ist richtig und die einzig mögliche“, sagte Intendant Paul Müller unserer Zeitung. „Jeder, der schon einmal sein eigenes Haus umgebaut hat, weiß, dass es immer Überraschungen gibt. Gerade in der Hinsicht ist Valery Gergiev für uns von extrem hoher Wichtigkeit. Man braucht jemand, der so einen Prozess steuern kann, der auch genügend strategische Erfahrung hat.“ 

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