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Gerhard Polt live: Sein neues Stück für München

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Von: Michael Schleicher

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Gerhard Polt und die Well-Brüder in den Münchner Kammerspielen.
Gerhard Polt und die Well-Brüder: Für die Münchner Kammerspiele arbeiten sie ein neues Stück. © Judith Buss Fotografie/Münchner Kammerspiele

Gerhard Polt und die Well-Brüder arbeiten an einem neuen Stück: „A scheene Leich“ wird an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Das erklärte Intendantin Barbara Mundel bei der Präsentation der Spielzeit 2022/23.

Der Kategorie „Große Worte, gelassen ausgesprochen“ entstammt dieses Zitat: „Ich verspreche Ihnen, dass auf dieser Bühne die Wände tanzen werden“, sagt Chefdramaturgin Viola Hasselberg lapidar bei der Vorstellung der Pläne der Münchner Kammerspiele für die kommende Saison. Sie kündigt gerade „A scheene Leich“ an, das neue Stück, das Gerhard Polt mit den Well-Brüdern und dem Regisseur Ruedi Häusermann für das Haus entwickelt. Der „traurig-komische, vor Musik berstende Abend über unseren Umgang mit dem Ende und das Geschäft mit dem Sterben“ wird im Januar 2023 uraufgeführt. Außer dem gerade 80 gewordenen Kabarettisten und den Wells wirkt eine frisch zusammengestellte Blaskapelle aus Münchnerinnen und Münchnern mit.

Die Intendantin und (ein Teil) ihres Teams: Barbara Mundel bei der Vorstellung der Spielzeit 2022/23.
Die Intendantin und (ein Teil) ihres Teams: Barbara Mundel bei der Vorstellung der Spielzeit 2022/23. © Judith Buss/Münchner Kammerspiele

Die Spielzeit 2022/23 ist die dritte von Barbara Mundel als Intendantin der Kammerspiele – mehr noch als ihr Vorgänger Matthias Lilienthal setzt die 63-Jährige auf den Teamgedanken: 15 Leute stellen bei der Pressekonferenz die vielfältigen Pläne vor. Die nächste Saison haben sie überschrieben mit „Die Zukünftigen“ – sie soll eine Auseinandersetzung nicht nur mit der Wirklichkeit bieten, die eine „ziemliche Zumutung zur Zeit“ sei, sagt Hasselberg. Das städtische Theater will der Weltlage auch „mutmachende Erzählungen von Menschen, darunter viele Frauen, entgegensetzen, die ihrer Zeit voraus waren“.

Münchner Kammerspiele: Joachim Meyerhoff als Platonow

Zum Auftakt gibt es am 29. September 2022 im Werkraum die Chance auf eine echte Entdeckung: „La Mer Sombre“ ermöglicht im Werkraum die Begegnung mit dem Schaffen der französischen Autorin und Fotografin Claude Cahun (1894-1954), die bei uns recht unbekannt ist. Hausregisseurin Pınar Karabulut richtet den Abend ein. Einen Tag später steht im Schauspielhaus die große Saisoneröffnung mit Ibsens „Nora“ an (Regie: Felicitas Brucker). Das Besondere: Die Kammerspiele haben die Dramatikerinnen Sivan Ben Yishai, Gerhild Steinbuch und Ivna Žic gebeten, sich mit dem Stück und seinen Figuren auseinanderzusetzen. Mit dieser Arbeit wird auch Schauspieler Thomas Schmauser ans Haus zurückkehren. Erstmals an der Maximilianstraße gastieren wird Schmausers Kollege Joachim Meyerhoff, der sich längst auch als Schriftsteller etabliert hat. Der 54-Jährige wird als Platonow zu erleben sein; Tschechows Stück feiert in der Inszenierung von Jette Steckel unter seinem Alternativtitel „Vaterlos“ im Juni 2023 Premiere.

Kammerspiele öffnen Zweigstelle in Neuperlach

„Wir möchten und müssen Zuschauer zurückholen – und neue an uns heranlassen“, lautet Barbara Mundels Devise für die kommende Spielzeit. Dies soll etwa mit dem „Theaterlabor Neuperlach“ geschehen – eine Zweigstelle der Kammerspiele zum Kennenlernen und Mitmachen im Südosten der Stadt: „Von dort kommt niemand zufällig hierher, deshalb müssen wir hin.“ Fortsetzen will das Theater zudem seine „digitale Forschung“. Dazu wird etwa Videokünstler Luis Krawen einen abendfüllenden Animationsfilm mit Avataren des Ensembles nach Leif Randts Roman „Planet Magnon“ (2015) inszenieren: Das Schauspielhaus wird dann zum Kino. Weiter geht’s auch mit dem herrlichen Konzertprogramm, bei dem im Dezember etwa der 40. Geburtstag von Optimal, Münchens wichtigstem Plattenladen, mit einer Gala gefeiert wird. Hat er also wieder mal Recht, der Polt, mit seiner Grußbotschaft: „Um alles herum ist Musik.“ Und mittendrin viel Theater. (Noch mehr Theater? Lesen Sie hier, was das Münchner Residenztheater in der Spielzeit 2022/23 plant.)

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