Was die Singspielautoren verraten

Die glorreichen Sieben: Am Nockherberg wird scharf geschossen!

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Freuen sich auf ihren Nockherberg: Luise Kinseher (alias Mama Bavaria), umringt von Komponist Toni Weber (v. li.), Regisseur Stefan Betz, Autor Thomas Lienenlüke und Singspielautor Richard Oehmann.

Am Nockherberg rauchen heuer die Colts: „Die glorreiche 7“ heißt das Singspiel, frei nach dem Western-Klassiker. Es geht um ein bedrohtes Dorf, das von einem fulminanten Experten-Team gerettet wird.

Update vom 27. Februar 2018: Am Mittwoch 28. Februar, werden die Politiker wieder beim Starkbieranstich derbleckt. Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie den Nockherberg 2018 live im TV und Live-Stream sehen können.

München - Welche Gefahr das Dorf beim Politikerderblecken fürchten muss, das verschweigen die neuen Autoren des Nockherberg-Singspiels, Richard Oehmann und Stefan Betz, auf charmante Weise. Eine tyrannische Räuberbande vielleicht, wie im Kinoklassiker von John Sturges? „Das wäre eine Super-Idee gewesen“, antwortet Betz. „Die hatten wir leider nicht.“ Oehmann erklärt, zu Beginn seien es auch noch nicht sieben Helden, sie würden erst im Laufe des Stückes zusammengecastet. Die G7, das seien – wie im Film – allesamt Experten auf ihrem Gebiet. „Aber wir haben keinen einzigen G8-Witz im Stück – obwohl man da sehr viele böse hätte machen können.“ Betz blödelt hinterher: „Es ist unser Grundproblem, dass uns bei vielen Sachen keine Pointen einfallen.“

„Der sitzt auf dem Herrn Seehofer“

Derlei Albernheiten prägen an diesem Donnerstag die Pressekonferenz – und lassen hoffen, dass die Pointen den prominenten Gästen beim Salvatoranstich am kommenden Mittwoch (ab 19 Uhr live im Bayerischen Fernsehen) eben doch wie die blauen Bohnen um die Ohren pfeifen. Sogar Andreas Steinfatt lässt sich anstecken. Auf die Frage, wo denn Markus Söder sitzen wird, jetzt, wo er designierter Ministerpräsident ist, sagt der Paulaner-Chef augenzwinkernd: „Der sitzt auf dem Herrn Seehofer.“

Natürlich werde auch „die Mutation des Markus Söder mit diesem Singspiel erzählt“, verrät Oehmann – vom Ehrgeizling zum Landesvater. Luise Kinseher, die in diesem Jahr zum achten Mal als Landesmutter Bavaria die Fastenpredigt halten wird, will beim echten Söder bereits Anflüge einer Metamorphose festgestellt haben: „Neulich bin ich ihm begegnet, und er hat gesagt, er habe einen Heidenrespekt vor der Rede, das sei schon was ganz Besonderes, weil er jetzt aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet wird. I bin bloß dag’sessn und hab gedacht: Etz aber – der Söder!“

„Die Figuren haben enormes komödiantisches Potenzial“

Neu dabei sind diesmal die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen (Nikola Norgauer) und „Drei von der Jungen Union“ – wieder mal mit im Team ist auch „Allzweckwaffe“ Stefan Murr. Diesmal aber nicht als Politiker, sondern als Indianer. Christoph Zrenner als Horst Seehofer, Angela Ascher als Ilse Aigner, Antonia von Romanowski als Angela Merkel und Howo Habdank als Anton Hofreiter – sie alle sind wieder dabei. „Die Figuren sind gut eingeführt und haben enormes komödiantisches Potenzial“, betont Oehmann. „Es ist wie eine Serie, jedes Jahr kommen sie wieder und erleben etwas Neues.“ Es sei auch gar nicht so einfach, neue Politiker einzubinden, sagt Betz. „Natascha Kohnen etwa – was macht die aus, außer blonden Haaren und einer Brille? Im Privaten ist das super, für uns wäre es halt besser, wenn die Politiker ein bisschen mehr Marotten hätten.“

Dafür wird der Ton sowohl im Parlament als auch im Internet immer unverschämter. Luise Kinseher sieht sich deswegen bestärkt in ihrer Rolle als strenge, aber gütige Mama. „Viele wollen vielleicht, dass die Bavaria fester draufhaut – aber das gibt die Figur nicht her.“ Co-Autor Thomas Lienenlüke fügt hinzu: „Wir teilen gleichmäßig aus, da gibt es keine Tabus.“ Wobei sie natürlich insbesondere die Politiker derblecke, die auch im Saal sitzen, betont Kinseher. „Und von der AfD sitzt da ja Gott sei Dank noch niemand.“

Steinfatt zufolge hat Paulaner neben Landtagspolitikern auch die geschäftsführende Bundesregierung zum Salvatoranstich eingeladen, der Rücklauf sei besonders vonseiten der SPD noch gering. „Die haben gerade auch anderes zu tun.“ Zugesagt haben unter anderem für die Linke Sahra Wagenknecht und für die FDP Wolfgang Kubicki.

Fokus auf der Landespolitik

Die politische Dynamik der vergangenen Monate hat auch dazu geführt, dass das Singspiel-Team lange nur ein „geschäftsführendes Drehbuch“ hatte – so schnell änderten sich die Verhältnisse und das Personal. „Aber wir mussten gar nicht so viel umschreiben“, sagt Betz. Man fokussiere eh hauptsächlich auf die Landespolitik. „Wir haben uns auch sehr frühzeitig – das bitten wir aber nicht als politischen Weitblick zu interpretieren – gegen den Herrn Schulz entschieden. Weil uns zu dem einfach nichts mehr eingefallen ist.“

Es sei ihnen auch sehr viel zugearbeitet worden von den Politikern, sagt Oehmann. „Die Entscheidung über die Groko fällt nach dem Nockherberg und Seehofer wartet bis Mitte März, bis er übergibt. Das ist auch sehr nett von ihm – wobei man bestimmt unterschätzt, wie viele politische Entscheidungen eigentlich vom Nockherberg gesteuert werden. Der Herr Seehofer will wahrscheinlich seiner Frau noch einmal einen Salvator-Anstich gönnen. Nächstes Mal darf er sie nämlich nicht mehr mitbringen.“

Lesen Sie auch: Singspiel am Nockherberg: Warum „Seehofer“ 2019 vielleicht nicht dabei ist
Und: Alles muss umgeschrieben werden: So reagiert das Nockherberg-Team auf das GroKo-Chaos

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