Auftritt in der Olympiahalle

Konzertkritik: Green Day rocken mit ausgestrecktem Mittelfinger Richtung Trump

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Billie Joe Armstrong gastierte mit Green Day in der Olympiahalle (Archivbild).

Green Day haben bei ihrem umjubelten Auftritt in der Olympiahalle nicht nur ihre grandiosen Live-Qualitäten im Gepäck, sondern auch eine deutliche Botschaft an ihren Präsidenten. Die Konzertkritik.

München - Billie Joe Armstrong gäbe vermutlich einen großartigen Politiker ab. Oder zumindest einen äußerst beliebten. So wie der Sänger der Punkrocker von Green Day die Menge in München mitreißt, müssten die von ihm so oft besungenen Mächtigen der Welt eigentlich kopfschüttelnd dastehen und sich fragen: Wie macht er das?

Green Day waren und sind eine politische Band, daraus machen sie keinen Hehl, eines der erfolgreichsten Alben trägt immerhin den Titel „American Idiot“ und ist eine saftige Watschn für das Amerika unter Ex-Ex-Präsident George W. Bush. Und spätestens, als Armstrong nach dem vierten Song fordert: „No racism, no sexism, no homophobia, no Donald Trump!“ (dt. „Kein Rassismus, kein Sexismus, keine Homophobie, kein Donald Trump!“), dürfte jedem klar sein, dass das Publikum in der Olympiahalle nicht um den amtierenden US-Präsidenten herumkommen kann an diesem Abend. Doch die Band hat die Fans auf ihrer Seite: In einem ohnehin lautstark umjubelten Konzert werden Sätze wie „F*** you, Trump!“ mit noch stärkerem Beifall quittiert.

Sicherheitskonzept funktioniert besser als bei Coldplay am Vortag

Es sind verrückte Zeiten, doch abgesehen davon, dass man aus Sicherheitsgründen praktisch nichts mehr mit in die Olympiahalle bringen darf, fallen die verschärften Kontrollen anders als beim Auftritt von Coldplay am Vorabend im Stadion nicht negativ auf. 

"Know your enemy", kenne Deinen Feind, aber vor allem: kenne Deine Fans: Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool brauchen nur drei Takte, und die fast ausverkaufte Halle (11.500 Besucher) singt, springt und schreit wie es Billie Joe Armstrong gefällt. Es ist das einzige Deutschland-Konzert der "Revolution Radio"-Tour abseits zweier Auftritte bei den Festivals Southside und Hurricane, und was da über das junge und etwas weniger junge Publikum hinwegrollt, ist nicht weniger als eine veritable Punkrock-Welle. 

Wilder Ritt durchs Green Day-Repertoire

Im Mittelpunkt steht trotz aller politischer Botschaften und trotz des ausgestreckten Mittelfingers Richtung Donald Trump der wilde Ritt durchs Repertoire der Band, die in München einmal mehr ihre Live-Qualitäten unter Beweis stellt, mit allen Hits von "Basket Case" und "When I come around" bis zu "Boulevard of broken dreams" und „Holiday“. Auch zeigen Green Day, dass nicht nur Coldplay Nähe zum Fan können und mit ihnen performen. Es ist schon fast eine Tradition, dass ein Fan, in diesem Fall ein weiblicher, auf die Bühne kommt, drei schnell einstudierte Akkorde spielt - und dann Armstrongs Gitarre geschenkt bekommt. Besonders eindrucksvoll aber ist der Auftritt eines jungen Mannes, der sich einigermaßen spontan bei „Welcome to Paradise“ für zwei Minuten Armstrongs Mikro und die Show schnappt.

Ja, Green Day machen eine Show. Mit Feuer, mit Knalleffekten, und zum Schluss, wenn sie traditionell und unplugged mit „Good Riddance“ Lebwohl sagen, mit einem mächtigen Konfetti-Regen. Das darf man punkfrei finden, allerdings: Wer, wenn nicht die Helden des Punkrock-Revivals der 90er dürfte den Punkrock so ungeniert demontieren? Außerdem könnten Green Day auch in die Politik gehen, statt die Hallen und Stadien dieser Welt zu rocken. Also seien wir froh, dass sie Letzteres viel lieber tun.

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