"Hammer of Doom"-Festival in Würzburg

Verliebt und zugedoomt

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Ein würdiger Headliner: While Heaven Wept mit Sänger Rain Irving und Mastermind Tom Philipps

Würzburg - Das achte "Hammer of Doom"- Festival (HOD) in Würzburg beweist einmal mehr, wie vital die Szene auch nach 30 Jahren noch ist. Die tz fühlte vor Ort den Puls.

Das gibt es selten: ein Festival beim dem ausnahmslos ALLE Bands überzeugen. Kein Ausfall, kein Durchhänger - das "Hammer of Doom" war auch in der achten Ausgabe eine rundum beglückende Veranstaltung.

Perfekt organisiert von Veranstalter Oliver Weinsheimer gaben sich in der Würzburger Posthalle alte Meister und junge Spunde die Gitarren und (Orange)-Verstärker in die Hand. Anderthalb Tage Vollprogramm von hartem Seventies-Rock über klassischen Doom- zum Epic-Metal - gipfelnd im göttlichen "Vessel" der US-Headliner While Heaven Wept. Das ist der Stoff, der die Glückshormone sprudeln lässt.

Wobei Herrn Weinsheimer der Spagat zwischen alt und neu in diesem Jahr besonders gut glückte. Dass Ashbury (im Original-Lineup der '83er "Endless Skies" LP) abräumen würden, war nach den Youtube-Eindrücken der jüngsten US-Gigs zu erwarten, bei „ Madman“ flossen Freudentränen. Auch die schwer angesagten Orchid, der große Publikumsmagnet am ersten Festivaltag, sind eine sichere Wette, ebenso While Heaven Wept, die zum 25-jährigen Bandjubiläum ganz alte Schätzchen ausgruben ("Into the Wells of Sorrow", "In Aeturnum“).

Blues Pills: Sängerin Elin Larsson

Für den Rezensenten ragten dieses Mal allerdings speziell die Newcomer heraus. Blues Pils werden mit ihrem Cream-Frumpy-Hendrix-Mix schon bald die ganz großen Bühnen entflammen, zumindest sind sie das momentan heißeste Ding der härteren Rock-Szene. Und, tja, sie haben auch das heißeste Ding: Sängerin Elin Larsson! Was die junge Schwedin an Stimmkraft und Ausdruck ins Publikum schleuderte, hätten auch Janis Joplin und Grace Slick zu ihren Glanzzeiten nicht besser hinbekommen. Tausend Frischverliebte waren das Resulat beim HOD. Mit dem Groß-Label Nuclear Blast im Rücken sollte der Durchbruch für Fräulein Larsson, ihren phänomenalen Junggitarristen Dorian Sorriaux und den Rest der Bande schon mit dem anstehenden ersten Album drin sein.

Kauzrock, der begeistert: Beelzefuzz-Effektguru Dana Ortt

Schwieriger wird's bei Beelzefuzz (gesprochen: „Bjelsefass"). Musikalisch bot das Trio aus Maryland den ungewöhnlichsten Ansatz des gesamten Festivals. Und auch optisch ist Sänger/Gitarrist/Effektguru Dana Ortt ein Kauz erster Güte. Der junge Ewald Lienen kommt einem bei diesem stechenden Blick in den Sinn, die Stimme changiert zwischen John Arch und Andrew Stockdale, dessen erste Wolfmother-Platte (zusammen mit Uriah Heep und ganz alten Purple) halbwegs als Vergleichsansatz taugt. Wer von Meister Ortt und seinen Kollegen bislang noch nichts gehört hat - unbedingt antesten! Eines der Alben des Jahres. Fazit des Wochenendes: Freundliche Menschen, inspirierende Musik, ein erlesener Plattenmarkt. Und das Beste: Mr. Weinsheimer wird es schaffen, das Ganze nächstes Jahr mindestens genauso gut hinzubekommen. Danke für Alles!

Ludwig Krammer

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