TZ-Interview

Hannes Ringlstetter über seinen mühsamen Aufstieg

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Kabarettist Hannes Ringlstetter im TZ-Interview.

München - Kabarettist Hannes Ringlstetter spricht im großen TZ-Interview über seinen langen Weg zum Erfolg - und erzählt, dass auch sein Vater mittlerweile stolz auf ihn ist.   

Kamen beim Schreiben viele Erinnerungen wieder hoch? 

Hannes Ringlstetter: Oh ja. Die Fremdwahrnehmung heute ist, dass die Leute denken: Da ist ein halbwegs erfolgreicher Fatzke im Fernsehen. Dass das mal viele Jahre lang völlig anders war, das kam mir jetzt erst wieder so richtig. Das Buch zu schreiben, war also auch eine Art Selbsttherapie - die Erinnerung an die 90er, wie das war, als wir von Ort zu Ort mit unserem Transporter fuhren … 

… und teils vor fast leeren Sälen spielten!

Ringlstetter: Ja. Irgendwann kommt der Punkt, wo man sich entscheiden muss: Ist es das wert? Machst du das aus Spaß? Oder langt’s dir irgendwann? Mir wurde jetzt wieder bewusst, dass wir das 15 Jahre gemacht haben. Dafür braucht man schon einen Arsch in der Hose, um den Frust, die Traurigkeit auszuhalten. 

Warum haben Sie es so lange ausgehalten? 

Ringlstetter: Erst mal hat das mit einem Defizit zu tun. Das geht nur weg - im Idealfall -, wenn die Karriere funktioniert. Manche Künstler spüren das allerdings selbst dann nicht, kennen keine Dankbarkeit. Der Körpermodus bleibt noch lange nach dem Durchbruch angespannt, so in etwa: Kann ich es mir wirklich leisten, diesen oder jenen Termin nicht wahrzunehmen? In den vergangenen beiden Jahren ist das bei mir ein bisserl besser geworden. 

Kommen wir auf das Defizit zurück: Was meinen Sie genau? 

Ringlstetter: Erstens: Ich bin in einem niederbayerischen Dorf aufgewachsen. Kreativität zeigte sich da nur etwa beim Erntedankfest-Schmuck oder bei Blumengestecken. Zweitens: Ich stamme aus einer Lehrerfamilie, es gab klassische Musik und Bücher. Aber ich wollte cool sein, und das auf meine Art. Um die erst mal zu definieren, hat es sehr lange gebraucht. 

Und sind Sie heute cool? 

Ringlstetter: Halbwegs. Jeff Brid-ges, der ist wirklich cool. Glaub’ ich. 

Coolness als Rebellion? 

Ringlstetter: In jedem schlummert die Vaterfigur als unbewusstes Vorbild. Meiner ist höchst gebildet und musikalisch. Ich hätte vier Bibliotheken lesen müssen, um so zu sein. Da dachte ich mir lieber: Lern, gscheit daherzureden, damit keiner merkt, dass ich gar nicht so gebildet bin. 

Ist Ihr Vater mittlerweile stolz auf Sie? 

Ringlstetter: Sehr. Er ist ein feiner, 86-jähriger Herr. Obwohl es passen würde, dass er auf sich noch stolzer ist als auf mich, in etwa so: Hab ich doch alles richtig gemacht (lacht). 

Haben Sie Angst, dass es mit der Karriere auch mal steil abwärts gehen könnte? 

Ringlstetter: Der Weg nach unten ist immer schwierig. Wer das verneint, lügt sich in die Tasche. Aber ich weiß, wie das Leben ohne Geld funktioniert, ich hatte das lange genug. Und: Geld interessiert mich nicht. Ich leiste mir natürlich gerne Gitarren oder schenke meinen beiden Stiefkindern - sie sind 16 und 18 - etwas, aber das eigentlich Coole am Geld ist: Man kann coole Projekte anstoßen und verwirklichen. Das fällt mir heute viel leichter, weil ich nicht mehr allein dahocke, sondern 100 Menschen auf das Projekt anspringen und mitmachen wollen. Sprich: Die Dankbarkeit über den Erfolg geht nicht weg. 

Ziemlich undankbar gehen Sie im Buch mit Lesern um, die amouröse Abenteuer nachlesen wollen … 

Ringlstetter: Ich hab im Vorwort versucht, etwas abzufedern … Um’s so zu sagen: Natürlich ist die Erfindung des Groupies eine sehr gute. Auch wenn wir als Rock’n’-Roll-Band nicht erfolgreich waren: Im Hintergrund lief doch einiges. Vielleicht, weil nur alle halbe Jahre ein cooler Typ ins Dorf kam. Und natürlich war ich damals jung und viel hübscher. 

Übrigens gibt’s so was wie Groupies bei Kabarettisten gar nicht. Warum eigentlich? 

Ringlstetter: Erstens ist das Publikum im Schnitt älter. Und zweitens wirst du als Kabarettist viel zu ernst genommen. Es gibt sehr wenig überzeugte Kleinkunst-Groupies. 

Dabei würde mir manch Ihrer Kollegen einfallen, dem ein Groupie gar nicht schaden würde … 

Ringlstetter: Mir auch! Aber ich kann da nicht weiterhelfen. Erstens habe ich keine Zeit, und zweitens ist mir das völlig egal. 

Welche Rolle spielt die Band noch, wo Sie doch solo so erfolgreich sind? 

Ringlstetter: Sie nimmt zwar nur noch rund ein Drittel meiner Auftritte ein - und ich liebe am Solo nicht nur die ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern auch, dass es nicht so laut ist. Aber die Band wird immer das Schönste sein. Man ist Mugger oder nicht. Ich bin auf alle Fälle einer.

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