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RTL wollte ihn zum vierten Mal fürs Dschungelcamp

Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“

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„Das ,i‘ hab ich mal weggelassen – aber Hans Kraus hat auch nix geändert“, sagt der Hansi.

München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die Geschichten, die sein Leben schreibt.

Ludwig Thomas Lausbubengeschichten sind vielleicht bis heute ­seine berühmtesten Bücher – was an den Filmen liegt. Gerade der erste Teil (Regie führte Helmut Käutner, vier Teile sollten folgen) von 1964 ist auch heute noch sehenswert – wenn auch sanfter als die Originale Thomas, deren erster Roman 1905 veröffentlicht wurde. Ludwig Thoma schrieb seine Erinnerungen an seine (in Wahrheit alles andere als lustige) Zeit als Schüler auf. Wer darauf achtet, liest heraus: Mit Lügen und Betrügen kommt man oft weiter als mit der Wahrheit. Und das hat der kleine, „echte“ Ludwig früh gelernt. Wir sprachen mit Hansi Kraus.

Zum Termin in den Hofbräukeller am Wiener Platz kommt Hansi Kraus mit dem Radl. „Geht schnell, i wohn ja glei im Lehel“, sagt der 64-Jährige. Das „i“ im Namen ist Programm – schließlich ist Hansi Kraus der ewige Lausbub in den Ludwig-Thoma-Filmen. Und verkörpert damit die (vermeintlich) lustige und menschenfreundliche Variante des Schriftstellers. Im Interview spricht Kraus – der bürgerlich Hans Krause heißt und im polnischen Gliwice zur Welt kam – über die Filme, über die Lausbubengeschichten und Geschichten, die sein Leben schreibt.

Herr Kraus, empfinden Sie die Lausbuben-Figur heute anders als mit zwölf, als Sie erstmals den Ludwig spielten?

Hansi Kraus: Nein, da hat sich bis heute nichts geändert. Ich habe damals freilich keine Ahnung gehabt – von Film, von Ludwig Thoma. Aber ich war einfach gut besetzt und ja auch in echt ein Hundskrippi.

Ihre Filmfigur ist halb Vorbild, halb Sie selbst gewesen?

Kraus: So kann man’s sagen. Ich habe am Set alle zur Weißglut getrieben.

Ein Beispiel?

Kraus: Am ersten Drehtag habe ich gleich gemerkt, dass das nicht so läuft, wie es mir nach dem Casting-Sieg schmackhaft gemacht wurde – sondern das war harte Arbeit. Ich sagte: Leckt’s mich am Arsch, da kann ich ja gleich in die Schule gehen, dann habe ich wenigstens am Nachmittag frei! Der Regisseur Helmut Käutner hat mir danach viele Freiheiten gewährt, die ich auch schamlos ausgenutzt habe.

Wie etwa?

Kraus: Indem ich selten da war, wenn ich gebraucht wurde. Das machte den Aufnahmeleiter wahnsinnig. So bin ich bei den Dreharbeiten in Beuerberg gerne mit den Kindern vom Dorf in die Loisach gehüpft. Einmal kam ich zurück und hab gestunken wie ein Iltis. Offenbar haben wir einen Abwasserkanal gekreuzt …

Wie war der große Helmut Käutner so?

Kraus: Eine Respektsperson. Väterlich, ruhig, gelassen.

Und wie war Ihre Reaktion, als Sie den ersten „Lausbuben“-Film erstmals gesehen haben?

Kraus: Entsetzt. Wirklich entsetzt. Man kann das vergleichen, wenn man erstmals seine Stimme auf Tonband hört und sich denkt: Das bin doch nicht ich! Ich fand nicht nur meine Stimme fürchterlich, sondern konnte mich auch noch agieren sehen. Das war noch schlimmer. Ich war überzeugt: Alle, die mich damals gelobt haben, waren Lügner. Pharisäer.

Und als Sie Ihre Filme später gesehen haben?

Kraus: Mit 18 habe ich die Lausbubengeschichten im Fernsehen angeschaut. Ich empfand den Buben da auf dem Schirm als eine andere Person. Das war nicht mehr ich, und dadurch ging’s in Ordnung.

Das „i“ in Ihrem Vornamen: Fluch oder Segen?

Kraus: Ich habe es mal weggelassen, aber das hat nix genutzt. „Hans Kraus“ klingt auch viel härter. Mittlerweile stört es mich nicht mehr, wenn ich der „ewige Hansi“ bin. Das „i“ hat meiner Karriere sicherlich weniger geschadet als das Image des ewigen Lausbuben. Ein Freund hatte mal für eine Rolle vorgesprochen, und als die Rede auf mich kam, sagte einer der Juroren: „Ist das nicht dieser Lausbub?“ Da war ich sofort unten durch.

Würden Sie heute alles anders machen?

Kraus: Nein. Ich bin zufrieden, wie es ist. Ich mache Lesungen, bin im Ensemble der Iberl-Bühne und spiele derzeit in drei verschiedenen Produktionen, gehe auf Tournee mit dem Zweipersonenstück Love Letters – es läuft alles gut.

Man konnte lesen, dass Sie ab heuer von 600 Euro Rente über die Runden kommen müssen …

Kraus: Das ist Schmarrn. Ich komme gut über die Runden.

Sind Sie an den „Lümmel“- Filmen und „Lausbubengeschichten“ finanziell beteiligt?

Kraus: Nein. Gut, der Sohn des Produzenten Franz Seitz, Peter, hat mir mal 10.000 Euro gezahlt, als ich ihm gesagt hatte, dass ich das eine Sauerei finde. Aber im Prinzip hatten mich meine Eltern abgezockt. Und mein Bruder hatte dem die Krone aufgesetzt und mich auch noch beschissen.

Wie das?

Kraus: Mein Vater hatte eine schöne 80-Quadratmeter-Eigentumswohnung in Unterhaching. Die hat sich mein Bruder – ein Autohändler – hinter meinem Rücken vom Vater schenken lassen. Und überdies so getan, als ob er von nichts wüsste und die Wohnung nach wie vor unserem Vater gehörte.

Wenn er heute käme und sich entschuldigte?

Kraus: Dann würde ich sagen: Komm mit der Kohle rüber, dann samma wieder Freind. Aber das wird nicht passieren. Er ist so ein Ruach…

Und die Eltern?

Kraus: Die haben mir meine Filmgagen vorenthalten und für sich selbst verwendet. Das bekam ich erst alles so richtig mit, als ich selbst eine Familie gegründet und Kinder bekommen hatte – also vielmehr meine Frau. Ich fragte meine Eltern, wo mein Geld ist. Und sie sagten: Dir gehört gar nichts. Da hatten sie sich bereits ein Reihenhaus in Taufkirchen gekauft.

Wie haben Sie reagiert?

Kraus: Ich habe einen Rechtsanwalt beauftragt. Der klamüserte alles auseinander und empfahl mir zu klagen. Doch ich habe das nicht gemacht. Es waren trotz allem ja die Eltern. Im Prinzip ist es mir heute wurscht.

Zurück zum Film: Millionen Buben waren garantiert neidisch auf Sie, weil sie mit der bildschönen und blutjungen Heidelinde Weis als „Cora“ vor der Kamera standen…

Kraus: Ja, in die war ich natürlich verliebt. Das war ja die Zeit, wo die Pubertät grad so losging. In einer Szene legt sie ihre Arme um meinen Nacken – da hat es mich richtig durchschauert.

Flott voran ging’s nach Thoma mit den „Lümmel“-Filmen

Kraus: … für die ich eigentlich gar nicht vorgesehen war. Die Dreharbeiten zum ersten Film waren schon im vollen Gang, als meine Eltern einen hysterischen Anruf erhielten: Sie sollen sofort ins Büro kommen, ich soll die Hauptrolle von meinem Vorgänger übernehmen, der versagt hatte. Und so bin ich nach Baden-Baden aufgebrochen. Ich weiß noch, dass ich für den ersten Lümmel-Film die selbe Gage bekommen habe wie für den letzten Lausbuben-Film: 8000 Mark.

Beim ersten „Lümmel“-Film waren Sie…

Kraus: … 16. Mit Mädels hatte ich keine Schwierigkeiten. Die mochten mich, wie ich war. Ein Lausbub. Ich musste mich nicht verbiegen. Beim Dschungelcamp müsste ich das schon.

Wie kommen Sie jetzt auf das „Dschungelcamp“?

Kraus: Weil mich RTL schon zum vierten Mal angefragt hat. Die Gage ist sechsstellig. Aber das ist in diesem Fall wurscht.

Warum machen Sie’s nicht?

Kraus: Wenn es um sportliche Herausforderungen ginge, dann wäre ich dabei. Aber Scheißdreck fressen und Tieren den Kopf abbeißen, nur damit für die Zuschauer der Ekelfaktor steigt? Nix für mich.

Interview: Matthias Bieber

Alle Aussagen stammen von Hansi Kraus. Die Redaktion konnte nicht alle Details dazu ­recherchieren (etwa, was die Wohnung betrifft).

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