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Große Trauer um Hardy Krüger: Schauspiel-Legende ist tot

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Von: Zoran Gojic

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Porträt des Schauspielers und Schriftstellers Hardy Krüger.
Hardy Krüger, einer der wenigen echten Weltstars, die Deutschland je hatte. © Marcus Schlaf

Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler und Schriftsteller war einer der wenigen echten Weltstars, die Deutschland je hatte. Nun ist er im Alter von 93 Jahren in seiner Wahlheimat Palm Springs, Kalifornien, gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf:

Die Liste der Erfolge und Auszeichnungen ist schier endlos: Bundesfilmpreis, Star in Oscar-Filmen, Offizier der französischen Ehrenlegion, Bestseller-Autor, Träger des Großen Kreuzes des Verdienstordens. Hardy Krügers größte Leistung ist freilich etwas, was ihm bereits in sehr jungen Jahren gelingt: Er besiegt den Hass und die Dummheit, die man ihm im „Dritten Reich“ eingetrichtert hat.

Hardy Krüger sollte ein Parade-Nazi werden - und wurde glühender Antifaschist

Als Teenager wird Krüger, Sohn fanatischer Verehrer von Adolf Hitler, in ein Elite-Internat der Nationalsozialisten gesteckt. Aus dem blonden, blauäugigen Eberhard, wie er eigentlich heißt, soll ein Parade-Nazi werden. Bei den Dreharbeiten zu seinem ersten Film 1944 arbeitet Krüger mit dem Schauspieler Hans Söhnker, der den jungen Heißsporn Krüger behutsam mit der Wirklichkeit konfrontiert. Krüger wird Söhnker ein Leben lang dafür dankbar sein, seine letzte Biografie widmet er 2018 ausdrücklich dem verehrten Kollegen. Durch Söhnker und durch traumatische Erfahrungen in den letzten Kriegstagen wird Krüger glühender Antifaschist, der ein Leben lang leidenschaftlich rechte Umtriebe anprangert.

Hardy Krüger wird zum Posterboy des Nachkriegskinos

Trotzdem wird er in seiner langen Karriere – natürlich – immer wieder Nazis spielen, aber für Krüger ist das Teil der Rache an den Faschisten, die sein Land ins Elend gestürzt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg macht Krüger schnell Karriere als Posterboy des deutschen Nachkriegskinos, es sind natürlich auch immens erfolgreiche Schmonzetten dabei wie „Die Christel von der Post“ . Krüger reicht der Erfolg alleine bald nicht, Deutschland wird ihm zu klein, die Filme sind ihm zu harmlos. Zudem ist er zutiefst erschüttert als 1957 in Deutschland vermehrt Hakenkreuz-Schmierereien auftauchen. Just in dem Jahr macht Krüger mit dem britischen Kriegsdrama „Einer kam durch“ als Kampfpilot auf der Flucht Furore. Krüger kann nun in Deutschland mit den ganz großen Namen Prestigeprojekte drehen und beginnt gleichzeitig eine sensationelle internationale Karriere. Er arbeitet mit Weltstars wie Montgomery Clift, Melina Mercouri, John Wayne, Catherine Deneuve, James Stewart, Maria Schell, Sean Connery, Richard Burton und so ziemlich jedem anderem namhaften Schauspieler der Sechziger- und Siebzigerjahre. So manchem stiehlt Krüger selbstbewusst die Show.

„Potato Fritz“ ist Hardy Krügers einzig echter Reinfall

Hardy Krüger gelingt es sogar, in den zynischen Actionreißer „Die Wildgänse kommen“ (1978) etwas Substanz einzubringen. Nur beim unglückseligen deutschen Western „Potato Fritz“ (1976) steht selbst er auf verlorenem Posten. Es ist sein einziger echter Reinfall. Insbesondere Krügers französische Filme lohnen unbedingt einen Blick, der Ruhm und das Geld allerdings bringen die Hochglanzfilme aus Hollywood. Krüger kommt gut an bei den US-Amerikanern, weil er disziplinierter Profi ist und gleichzeitig offen bis zur Brutalität. Als Krüger einmal in Anspielung auf die Zeit im Nazi-Internat gefragt wird, ob er Nazi sei, antwortet er mit festem Blick „Ja“. Der Journalist entschuldigt sich daraufhin für die blöde Frage, und man führt ein vernünftiges Interview. Krüger ist keiner, der es einem zu leicht macht. Mit seinen Landsleuten ist er gerne besonders streng. Wer ihm in Deutschland irgendetwas von „Wir sind wieder wer“ oder „Man darf doch wohl noch sagen, dass ...“ kommt, der erlebt einen Mann, der einem sehr eindeutig und sehr nachdrücklich den Marsch bläst.

Hardy Krüger wurde zum „Weltenbummler“

Die Triumphe an den Kinokassen, das süße Leben als international respektierter Star lullen Krüger nie ein. Die Ereignisse seiner Jugend treiben ihn ein Leben lang um und lassen ihn auch in fortgeschrittenem Alter durch deutsche Schulklassen tingeln, wo er in offenen Worten erklärt, was er von Rassismus, Antisemitismus und Kriegsromantik hält. Da kann er durchaus penetrant und erbarmungslos werden, aber Krüger sieht bei diesen Themen keinen Millimeter Verhandlungsspielraum und sagt das auch unmissverständlich.

Krüger bleibt ein hellwacher Freigeist

Vom Filmgeschäft zieht er sich Ende der Achtzigerjahre langsam zurück. Bevor er Schrott drehe, lasse er es lieber. Dafür entführt er die Fernsehzuschauer in der sehr persönlichen Dokumentationsreihe „Weltenbummler“ in (damals) ferne Welten und beginnt, selbstverständlich mit Erfolg, Bücher zu schreiben. Bis zum Schluss bleibt er ein hellwacher, kritischer Freigeist, der trotz des schönen Lebens in der sonnigen Wahlheimat Kalifornien sein Heimatland nie aus den Augen verliert. Mit ihm geht nun einer der ganz wenigen echten Weltstars, die Deutschland je hatte, und ein großer Mann, der aufrecht durchs Leben gegangen ist. Sein Sohn Hardy Krüger jr. hat jetzt seine Trauer über den Tod seines Vaters mit bewegenden Worten zum Ausdruck gebracht

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