Der Tom macht die Musik

Heiß begehrt: Der Münchner Saxofonist Tom Reinbrecht

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München - Er kam erst recht spät zum Saxofon, doch heute reißen sich viele internationale Musikstars um Tom Reinbrecht. Wir stellen den Münchner Top-Musiker vor, der diesen Sonntag sein neuestes Werk präsentiert.

So schnell kann’s gehen: „Mogst mitspuin?“– „Ja!“ – „Dann spuist die Klarinettn!“ Als der Leiter der Blaskapelle Mühlbach dem damals zehnjährigen Tom Reinbrecht (46) die Instrumentenwahl kurzerhand abnahm, konnte er nicht ahnen, dass er den Grundstein für die Karriere eines der vielseitigsten und herausragendsten Jazz-Saxofonisten des Landes gelegt hatte. Jahre später reißen sich Stars aus allen Musik-Ecken um den gebürtigen Rosenheimer: Paul Carrack (einst Sänger von Mike and the Mechanics) verpflichtet ihn als Arrangeur und Bläser, die 2013 verstorbene US-Trompeten-Legende Al Porcino setzte ihn auf den Lead-Altisten-Stuhl seiner Bigband. Mit den local funk heroes Jacuzzi gewann Reinbrecht den Deutschen Rock & Pop Preis 2014, mit seinem Ensemble Chop Gelado serviert er Klang gewordene Caipirinhas. In eine Schublade lässt sich der Musiker, der am Gärtnerplatz sein Zuhause gefunden hat, nicht stecken. Nachzuprüfen am Sonntag (siehe unten).

Auch wenn das Saxofon quasi der metallene Cousin der Klarinette ist: Bei ihm wie auch beim Jazz landete Reinbrecht erst recht spät. Der Papa wollte nämlich, dass er „was Gscheit’s“ macht, ließ ihn eine Banklehre absolvieren und schloss einen Bausparvertrag für ihn ab. Den haute Reinbrecht mit 19 auf den Kopf und erstand – oh, süße Ironie! – sein erstes Sax. Die Kunst hatte gesiegt. Von da an gab es kein Halten mehr: Dank eines dreimonatigen Übe-Marathons durfte er schließlich, statt in einem tristen BWL-Hörsaal zu hocken, durch die heiligen Hallen des Richard-Strauss-Konservatoriums wandeln. Mittlerweile lehrt er an der Musikhochschule.

„Am liebsten würde ich nur schreiben, üben und spielen“, verrät Reinbrecht. Das klappt noch nicht ganz, immerhin ist er aber in der glücklichen Position, auch mal ein Angebot ablehnen zu können. Dienstleister will er nämlich keiner sein, er will Qualität abliefern.

Dass der kommerzielle Gedanke in der Münchner Musikszene – auch bei subventionierten Clubs – so oft im Vordergrund steht, wurmt ihn. Eins ist jedoch sicher: Mit welcher Formation und in welchem Genre auch immer – wenn er auf der Bühne steht, ist Qualität garantiert. Das bezeugt auch das aktuelle Album von Tom Reinbrecht.

Hören Sie mal

Reinbrechts Sax- Sound ist unverkennbar – und doch so wandelbar wie die unterschiedlichen Stilistiken, in denen der Musiker daheim ist. Viele davon finden sich auf dem Live-Album The Duo (Nasswetter Group, LC 20292) wieder. 14 Mal sucht er mit Eigenem und Arrangements (u. a. Jarrett, Beat­les) das intime Zwiegespräch mit ein paar seiner liebsten Weggefährten. Darunter Chris Gall und Joe Kienemann (Klavier), Chop-Gelado-Kollege Paulo Alves

(Gitarre, Gesang) und Peter Cudek (Bass). Das Ergebnis ist unheimlich spannend und tiefenentspannt zugleich. Rein­brechts Virtuosität ist nie Selbstzweck. Er will nicht beeindrucken, sondern berühren. Das gelingt hervorragend

The Duo spielen live am Sonntag (25.10., 19 Uhr) in der Kontrapunkt-Klavierwerkstatt Obermenzing. Karten-Tel. 54 81 81 81. Hier ist auch die aktuelle CD entstanden.

Haakon Nogge

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