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„So manche Delle in Wohnmobiltüren getreten“: Christian Tramitz erzählt von Zoff bei „Hubert ohne Staller“-Dreh

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Von: Leoni Billina

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Mann der ersten Stunde: Christian Tramitz als Franz Hubert
Mann der ersten Stunde: Christian Tramitz als Franz Hubert © ARD/TMG/Jenrick Mielke

Es gibt was zu feiern! Am Mittwoch (12.01.) um 18.50 Uhr startete die zehnte Staffel der beliebten ARD-Vorabendserie „Hubert ohne Staller“, die auch nach dem Ausstieg von Helmfried von Lüttichau – vor 2019 firmierte die Reihe noch als „Hubert und Staller“ – von Fans bayerischer Schmunzelkrimis heiß geliebt wird. Aber auch Hauptdarsteller Christian Tramitz ist sie eng ans Herz gewachsen. Warum, erzählt der 66-jährige Münchner im Gespräch.

Zehn Jahre „Hubert und/ohne Staller“ – nach so langer Zeit wächst man eng zusammen – was schätzen Sie daran am meisten?

Christian Tramitz: Da haben wir wirklich irrsinnig Glück gehabt. Es kann ja in Familien auch in die andere Richtung gehen. Mit Helmfried (von Lüttichau, spielte bis 2018 Polizeiobermeister Johannes Staller, Anm. d. Red.) bin ich schon seit der Schulzeit befreundet. Es hilft sehr, wenn man sich kennt. Pauli Sedlmeir (Polizeimeister Martin Riedl) ist mein Neffe, mit Katharina Müller-Elmau (spielt Revierleiterin Sabine Kaiser) bin ich auch schon ewig befreundet. Michi Brandner (Polizeirat Reimund Girwidz) habe ich sowieso immer geliebt, ein unheimlich lieber Kollege.

Sie haben es schon angedeutet – in einer Familie läuft es nicht immer rosig...

Christian Tramitz: Wir haben schon ordentlich gestritten. Auch mit den Produzenten und der Redaktion. Aber letztlich haben wir uns immer wieder zusammengerauft. Auf eine produktive Weise streiten ist ja was wert.

Gibt es etwas, das Sie nervt?

Christian Tramitz: Das bleibt nicht aus. Helmfried und ich zum Beispiel sind öfter mal aneinandergeraten. Dabei wurde so manche Delle in Wohnmobiltüren getreten – ich nenne sie die Lüttichau-Gedächtnis-Dellen. Es muss auch krachen. Danach mögen wir uns wieder umso lieber.

Nach zehn Jahren als Polizist Franz Hubert – wie gut kennen Sie Ihr Alter Ego?

Christian Tramitz: Eigentlich weiß ich bis heute nicht, wie er funktioniert. Ich finde, man muss den Charakter immer wieder brechen. Wie in der Folge, als die vermeintliche Tochter von Hubert auftaucht. Das fand ich wahnsinnig lustig zu spielen, weil er mal aus einer anderen Sicht gezeigt wurde.

Haben Sie in der Hinsicht Spielraum für Ihre Rolle?

Christian Tramitz: Wir haben schon Spielraum. Mal einen Gag einbauen, der so nicht im Buch steht. Auch da ist es hilfreich, dass wir uns schon alle ewig kennen.

Jetzt drehen Sie schon eine Weile ohne Staller – vermissen Sie ihn?

Christian Tramitz: Ja. Das war ein grober Einschnitt. Und ich wusste nicht, ob es noch funktioniert. Aber dann hat die Besetzung wieder gewechselt, was auch eine Weiterentwicklung war. Ich möchte nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter ist, aber es war wichtig, dass sich was getan hat.

Christian Tramitz (li.) und Helmfried von Lüttichau mit Regisseur Sebastian Sorger
Etablierten den Erfolg: Christian Tramitz (li.) und Helmfried von Lüttichau mit Regisseur Sebastian Sorger © ARD/TMG/Marco Mehnen

Und es funktioniert...

Christian Tramitz: Es war eine tolle Idee von der Redaktion, dass sie mir den Girwidz, den größten Feind, ins Auto gesetzt haben. Da besteht eine emotionale Grundspannung – die sind komplett konträr. Aber im entscheidenden Moment halten sie zusammen. Der Weggang von Helmfried war ein arger Einschnitt, aber ich finde, dass Michi Brandner den mehr als gut aufgefüllt hat.

Sie spielen einen Wolfratshauser Polizisten – hatten Sie für Ihre Rolle auch mal mit „den echten“ Kontakt?

Christian Tramitz: Ja, die schauen sich die Serie auch an. Ich hab’ sie gefragt, wie das für sie ist, und sie meinten, dass wir an der Realität manchmal näher dran wären als so mancher „Tatort“. Die sind super.

Was ist denn Ihre erste persönliche Erfahrung mit der Polizei gewesen?

Christian Tramitz: Das war recht harmlos: Schwarzfahren mit Helmfried von Lüttichau. Eigentlich bin ich nicht schwarzgefahren, aber mein Geldbeutel war in das Innenfutter vom Mantel gerutscht. Und weil ich keinen Ausweis und keine Karte hatte und wir so dermaßen lachen mussten, haben die uns mit dem Bus direkt vor das Polizeirevier in Pasing gefahren. Dann wurden wir verhört und ich musste das Geburtsjahr von meinem Vater angeben, das ich nicht wusste. Da meinte der Polizist: „Is scho traurig, wenn man das Geburtsjahr vom Vater ned woas!“

Jetzt haben Sie schon 164 Folgen lang Mordfälle aufgeklärt – haben Sie einen Lieblingsfall?

Christian Tramitz: Es gibt zwei: Eine Folge, die spielt zehn Jahre in der Zukunft, das ist eine abgedrehte Episode mit dem Titel „Alles wird gut“. Und dann noch „Nonnenlos“. Da gibt’s keine Leiche, und wir ermitteln im Kloster, die finde ich lustig.

Eigentlich zwei Folgen, die aus der Reihe fallen...

Christian Tramitz: Genau. Wenn man selber beteiligt ist, liebt man natürlich die schrägen Dinger, die ein bisschen anders sind.

Was wünschen Sie sich zum zehnten Jubiläum?

Christian Tramitz: Mit unserem Team kann man immer noch Blödsinn machen. Mit allen Reibereien, Streitereien, Schwierigkeiten – wenn’s so bleibt, fände ich es toll.

Das Gespräch führte Leoni Billina.

„Hubert ohne Staller“ läuft mittwochs um 18.50 Uhr im Ersten.

Paul Sedlmeir, Katharina Müller-Elmau, Michael Brandner, Christian Tramitz und Mitsou Jung
Von links: Paul Sedlmeir, Katharina Müller-Elmau, Michael Brandner, Christian Tramitz und Mitsou Jung ©  ARD/TMG/Jenrick Mielke

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