30 Jahre im Business

Interview mit Erasure: „Wollten einfach mal keine Pop-Musik machen“

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Erasure bei einem Auftritt 2011 in Budapest.

Seit drei Jahrzehnten kümmern sich Erasure um die Ohren ihrer Fans. Die Briten Andy Bell und Vince Clarke bringen ein neues Album heraus. Wir sprachen mit den Musikern.

München - Wer sich mit international erfolgreicher Pop-Musik der letzten drei Jahrzehnte beschäftigt, der trifft unweigerlich auf die Band Erasure. Die Briten Andy Bell und Vince Clarke verkauften Millionen Platten und begeisterten die Pop-Fans mit ihren Dancefloor-Tracks wie „Sometimes“, „Ship Of Fools“ und „Drama!“. Rund dreißig Jahre später sind Erasure immer noch dabei und sind mit den Songs ihres neuen Studioalbums „World Be Gone“ auf Tour. Die Pop-Welt ist gespannt. Wir sprachen mit Sänger Andy Bell über Schubladendenken, 30 Jahre im Business und neue Sounds.

Ihr habt einen wichtigen Meilenstein in Eurer Karriere beschritten: Ihr feiert Euer 30-jähriges Jubiläum als Pop-Duo. Wie fühlt sich das an? Habt Ihr noch Wünsche?

Erasure: Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass wir so lange Musik machen würden. Ich habe aber auch nie darüber nachgedacht, wie lange wir wohl dabei sein werden. Vince und ich lieben es einfach, Musik zusammen zu machen und Songs aus dem Nichts zu kreieren. Ich denke, dass wir möglicherweise auch noch die kommenden 30 Jahre so weitermachen können. Und was unsere Wünsche anbelangt: Es wäre schön, wenn wir in diesen Tagen ein bisschen mehr Anerkennung hätten. Aber heutzutage dreht sich leider alles um Geld und Klatschmagazine.

Manchmal werdet Ihr als typische 80s-Band angesehen, obwohl Eure bisher größte Zeit in den 90ern und Nuller Jahren war und Ihr bis heute im Musikgeschäft sehr präsent seid. Wie geht Ihr damit um?

Erasure: Ich denke, Radio-Formate sind zum Teil sehr engstirnig und versuchen, Musik und Musiker in Schubladen zu sortieren. Das macht es für uns natürlich schwierig. Denn nur weil unsere Karriere in den 80ern begonnen hat, wird uns das Image der 80er-Band auferlegt. In meinen Augen ist es eine bequeme Beschreibung. Wenn Du ein dauerhafter Superstar bist wie Madonna oder Beyoncé, haftet Dir dieses Jahrzehnt-Image nicht so schnell an. Ich bin gespannt, wie die beiden in Zukunft genannt werden… die Queen of Pop oder R&B und so weiter. Das ist alles etwas vorhersagbar und langweilig, finde ich.

Euer neues Album beinhaltet vorrangig eher balladen- und gospelartigere Sounds als Techno- und Disco-Tracks und die Stimmung ist recht ruhig. Deine souligere und erbaulichere Stimme zu Vince’s vintage-analogen Synths passen gut zusammen. Was ist der Grund für dieses ruhigere Album anstelle von Dance Tunes und NRG-Party-Music?

Erasure: Diese Stimmung ist derzeit tief in uns drin. Das ist, was wir aktuell fühlen. Demnach wollte ich einfach mal keine „Pop“-Musik machen, weil es mir zu trivial erschien. Und Vince sagte: „Dann lass uns einfach ein ganz anderes Album machen.“ Und das taten wir dann auch! Es ist schwer, ein neues Publikum zu erreichen. Das liegt vor allem daran, dass sich das Hörverhalten geändert hat. Junge Menschen wollen vor allem die neusten Sachen hören – und eben nicht ein Duo - bestehend aus zwei mittelalten Männern. (lacht)

Einige Eurer neuen Songs wie “Still It`s Not Over”, “Oh What A World” oder “Lousy Sum Of Nothing” handeln von aktuellen politischen Themen und Nachrichten. Hattet Ihr das Gefühl, nun vermehrt Stellung beziehen zu wollen?

Erasure: Manchmal bleibt Dir nichts anderes übrig als den Bullen bei den Hörnern zu packen und Deine Wut und Deinen Frust in die Musik zu packen. Das ist eine gute Therapie.

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