Singer-Songwriter im tz-Gespräch

James Taylor - Eine Legende kommt nach München

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„Ich bin weniger Komponist, sondern eher derjenige, der einen Song als Erster hört“: James Taylor.

München - Folkrock-Legende James Taylor startet seine Europa-Tournee am 1. März in München. Die tz traf den bescheidenen und sympathischen Singer-Songwriter vorab und sprach mit ihm über Live-Auftritte und über das nahe Ende seiner Karriere.

"Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ – So beginnt unser Gespräch mit der US-amerikanischen Folkrock-Legende James Taylor. Der hochgewachsene 66-Jährige beweist zu Beginn gleich mal seine Deutschkenntnisse. Und freut sich sichtlich, dass ihm – bisher fünffacher Grammy-Gewinner und Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame – seine Überraschung gelungen ist.

Er spreche einigermaßen Französisch, sagt Taylor beim Treffen in Paris, aber wenn er auch nur ansatzweise einer weiteren Fremdsprache mächtig sei, dann sei das wohl Deutsch. „Die Sprache fasziniert mich“, sagt er fast akzentfrei. Kein Wunder: „Mein Vater, Isaac M. Taylor, war Mediziner, und die Sprache der Naturwissenschaft war zu seiner Studienzeit eben Deutsch.“

Er verweist auf Niels Bohr oder „Albert Einstein himself“ als prägende Köpfe ihrer Zeit. Ein bisserl was habe er wohl zu Hause aufgeschnappt, stapelt er tief. Doch klar: Bald wechselt der Star ins runde US-Englisch seiner Ostküsten-Heimat. Taylor ist in Boston geboren, und die Sprache des Folk ist immer noch Englisch.

Mehr als 100 Millionen (mit Platin und Gold veredelte) Platten hat er verkauft, dazu internationale Auszeichnungen, Ehrendoktorwürden – aber das merkt man diesem bescheidenen, sympathischen Typen nicht an.

Warum startet Taylor seine neue Europa-Tournee in München? „Das hat vor allem organisatorische Gründe, aber ich muss schon sagen, dass ich hier sehr gern spiele. Überhaupt bin ich gern in Deutschland, und im Süden ganz besonders gern. Wegen seiner – wie sagt man? – Gemütlichkeit.“

Eher ungemütlich war’s bisher auf der Tournee: 77 Konzerte in Nordamerika und Großbritannien vor 550.000 Zuhörern. Im März und April stehen 28 Termine an. „Für mich ist das Live-Spielen eine spirituelle Erfahrung. Es gibt nichts Vergleichbares“, betont Taylor. Besonders reizvoll ist es, mit so tollen Kollegen unterwegs zu sein. Dazu zählen etwa der Blues Brothers-Saxofonist Lou Martini, Schlagzeug-Ikone Steve Gadd – der u. a. mit Paul Simon, Eric Clapton, Frank Sinatra, Paul McCartney und Barbra Streisand gearbeitet hat – und Gitarren-Legende Michael Landau (u. a. mit Pink Floyd, Madonna, Seal, Chicago, Cher und Céline Dion). Mit diesen „hervorragenden Musikern“ (Taylor) habe sich eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Gespielt wird – quasi wie beim Jazz – ungefähr so: Taylor gibt die Themen vor, ein paar Kollegen machen sich Notizen, und jeder bringt seine eigene Note mit ein.

Kein Wunder, dass Taylor diese eingeschworene Gemeinschaft in seine Studio-Scheune in den Wäldern von Massachusetts bat, um 15 neue Songs aufzunehmen. Wochenweise hatte sich der Star zuvor „weggesperrt“, um zu schreiben. „Das Leben ist zu voll geworden. Ich brauche drei Tage völlige Stille, bis die Dinge anfangen, sich zu zeigen.“ Zehn Lieder haben’s aufs neue Album geschafft. Und dann wird der Singer-Songwriter ernst: „Alles geht irgendwann zu Ende – das hier könnte sehr gut mein letztes Bündel Songs gewesen sein.“

Über seine Zukunft habe er nie nachgedacht, bevor er Kinder bekam. „Es war bisher eine erstaunliche Reise, und ich muss auch von Glück sprechen, dass ich überhaupt noch am Leben bin.“ Taylor spielt auf ein Leben an, das von Depressionen und Drogensucht gezeichnet ist.

„Wissen Sie, ich denke oft darüber nach, ob es möglich ist, einen Song zu schreiben, der die Leute aufweckt, damit sie sich zum Wohle des Planeten einigen. Ich würde liebend gern so ein Werk schreiben können.“ Leider habe er aber den schöpferischen Prozess nicht wirklich in der Hand. „Es ist so ein unterbewusster Akt. Ich sage immer, dass ich weniger ein Komponist bin als eher derjenige, der einen Song als Erster hört.“

Christoph Ulrich

James Taylor singt am 1. März in der Philharmonie, Tel. 54 81 81 81.

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