Interview zu „Just call me God“

„Gott ist tot“: John Malkovich zu seinem Gastspiel in München

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Ein Theaterabend, ganz auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten: John Malkovich spielt in „Just call me God“ den Diktator eines Schurkenstaates, den die westliche Staatengemeinschaft beseitigen will.

Der große John Malkovich spielt in München einen manipulativen Gewaltherrscher, der Journalisten verachtet. Parallelen zu aktuellen Ereignissen? Iwo! Wie er seine Sicht erklärt. 

München - Zunächst macht man sich leichte Sorgen. Denn John Malkovich nimmt zu Beginn des Pressetermins am Samstag im Bayerischen Hof in München demonstrativ keine Notiz von den Journalisten, sondern starrt ins Nichts.

Sobald aber die erste Frage gestellt wird, ist der 63-Jährige hellwach, antwortet konzentriert und prägnant. Wenn man so will, beginnt damit eine Art Performance. Und offenkundig hat der Schauspieler nicht die geringste Lust, erwartbare Antworten zu geben. Etwa auf die Frage, ob es etwas für ihn ändere, im einstigen „Führerbau“ einen Diktator zu spielen. „Ich kenne natürlich die Geschichte des Gebäudes“, sagt er. „Aber für mich ändert das nicht viel. Für das Publikum möglicherweise schon.“ Malkovich ist Hauptdarsteller der Inszenierung „Just call me God“, die auf Einladung des Residenztheaters in der Musikhochschule an der Arcisstraße gezeigt wird.

„Ich sage: Gott ist tot.“

„Ich habe viel Zeit in Deutschland verbracht und viele Freundschaften geschlossen. Deswegen habe ich eine leise Ahnung, was die Geschichte dieses Landes für die Menschen bedeutet. Nur: Ich kann mich bei meiner Arbeit nicht weiter damit befassen“, sagt Malkovich. Auch die Weltpolitik hat angeblich keinen Einfluss auf seine Darstellung eines manipulativen Gewaltherrschers, der Journalisten verachtet. „Die aktuellen Ereignisse interessieren mich nicht. Aber sie haben Einfluss auf das Stück, denn es reflektiert, was gerade vor sich geht. Das Stück ändert sich bei jeder Probe und bei jeder Aufführung.“ 

Dennoch wehrt sich Malkovich ausdrücklich gegen die Bezeichnung „Politisches Theater“. „Ich glaube nicht an Politik. Politik ist die Religion unserer Zeit, und ich glaube nicht daran. Ich sage: Gott ist tot. Ich sehe mir im Fernsehen nicht mal Nachrichten an.“ Und von Belehrung, gar Bekehrung der Zuschauer will der US-Amerikaner natürlich erst recht nichts wissen. „Ich glaube nicht, dass Theater einen Menschen ändern kann – jedenfalls bestimmt nicht seine politische Überzeugung. Was wir vielleicht können: eine Art emotionale Erfahrung schaffen, die zum Nachdenken anregen kann.“

Malkovich tourt mit „Just call me God“ derzeit durch Europa

Bei der Europa-Tour mit „Just call me God“ sei ihm aufgefallen, dass der Abend überall anders wahrgenommen werde. „Ich frage mich, wie die Reaktionen auf das Stück angesichts der Ereignisse in Syrien heute in Moskau wären – im Unterschied zu vergangener Woche.“ Sein vorgebliches Desinteresse an Politik passt natürlich nicht so recht zu dieser Aussage, aber Malkovich sieht auch das anders. „Ich halte es für eine Form von Wahnsinn, über Dinge nachzudenken und zu sprechen, deren Wahrheitsgehalt ich nicht überprüfen kann. Der Angriff auf Syrien liegt außerhalb meiner Kontrolle, weshalb sollte ich mich damit befassen? Anscheinend gab es einen Vorfall mit chemischen Waffen. Anscheinend weiß man, wer dafür verantwortlich war. Aber gibt es einen belastbaren Beweis, was genau geschehen ist? Auf welcher Grundlage sollte ich da Entscheidungen treffen?“

Eine Kritik zur Vorstellung am Sonntag lesen Sie hier. 

Zoran Gojic

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