„Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ bei Amazon Prime Video

Joseph Vilsmaiers letzter Film: Die Botschaft des Boandlkramers

Michael „Bully“ Herbig als Boandlkramer in Joseph Vilsmaiers letztem Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“.
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„Nimm dein Leben in die Hand“: Michael „Bully“ Herbig als Boandlkramer in Joseph Vilsmaiers letztem Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“.

„Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ ist der letzte Film des Regisseurs Joseph Vilsmaier (1939-2020). Jetzt ist die Komödie mit Michael „Bully“ Herbig und Hape Kerkeling bei Amazon Prime Video gestartet.

  • Joseph Vilsmaier ist im Februar 2020 mit 81 Jahren an Krebs gestorben.
  • Vor seinem Tod vollendete er „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“.
  • Wegen Corona startet sein letzter Film nun digital bei Amazon Prime Video.

Keine Angst vor großen Worten – daher also: Ja, dieser Film ist sein Vermächtnis. Es ist der letzte, den Joseph Vilsmaier (1939-2020) vollenden konnte, und wir dürfen davon ausgehen, dass ihm das bei den Dreharbeiten im Jahr 2019 sehr bewusst war. „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ war auch ein Wettlauf des Regisseurs und gelernten Kameramanns gegen den Krebs: Wer weiß, wie der „Sepp“, wie ihn jene riefen, die ihn kannten, tickte, dem ist klar, wie gern er zur Premiere begrüßt hätte.

Joseph Vilsmaier wollte unbedingt zur Kino-Premiere laden

Es hat nicht sollen sein und zur tieftraurigen Nachricht vom Tod kam obendrein die Pandemie, sodass Vilsmaiers herrliche, liebenswerte und lustige Komödie nach vielen Monaten des Wartens auf den Kinostart nun vorerst nur beim Streamingdienst Amazon Prime Video läuft.

Das mag nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen nachvollziehbar sein, schade ist’s dennoch. Denn diese letzte Arbeit gehört auf die große Leinwand – Vilsmaier selbst zeigt im Film, wie wichtig ihm das Kino war: Da gibt es diese eine Szene, die im Wirtshaus von Waldkirchen spielt, jenem Dorf, in dem der Boandlkramer beinahe die Welt aus den Angeln hebt. Dicht an dicht sitzen die Leut’, ratschen. Dann wird’s dunkel, hinten rattert der Projektor und vorne auf der Leinwand tratzen „Dick und Doof“ einander – im Saal haben alle eine Mordsgaudi. Film als gemeinsames Erleben, auch als Gemeinschaft stiftendes Erlebnis – das war Vilsmaier wichtig. Schöner kann man’s kaum inszenieren.

Michael „Bully“ Herbig, Marcus H. Rosenmüller und Ulrich Limmer schrieben das Drehbuch

Die Geschichte von „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ ist rasch erzählt: In einem bayerischen Dorf, irgendwann in den Fünfzigern, wartet der kleine Maxl dringend auf die Rückkehr seines Papas aus russischer Gefangenschaft, denn seine Mutter Gefi will sich mit dem Sohn des Bürgermeisters neu verheiraten. Nach einem Unfall schwebt der Bub zwischen Leben und Tod; der Boandlkramer sitzt schon in der Zimmerecke, um ihn mitzunehmen – doch lässt er sich von Maxls Mama und ihrer Sorge ums Kind so tief anrühren, dass er von dannen zieht: „Das muss ein Missverständnis sein. Der Bua war einfach müde.“ Diese Eigenmächtigkeit des Gevatters bringt freilich Himmel und Hölle sauber durcheinander; der Teufel sieht gar seine Chance, den Weltenlauf ins Chaos zu stürzen. Wo es zunächst nur um den verliebten Boandlkramer geht, droht plötzlich die Apokalypse: Wenn kein Wunder glückt –das der Fürst der Finsternis dann als „Wettbewerbsverzerrung“ schmäht.

Das Team verneigt sich vor Joseph Vilsmaier

Das Drehbuch von Michael „Bully“ Herbig, Marcus H. Rosenmüller und Ulrich Limmer mag erwartbar sein, doch hat es Tempo und Witz. Das gilt zudem für Vilsmaiers Inszenierung. Der Regisseur hat in diesen rund 90 Minuten nochmals jene Themen versammelt, die ihm wichtig waren und sein Schaffen prägten: Da ist natürlich die große Liebe zu seiner Heimat, zu den Bergen, Landschaften, vor allem zu den Menschen und ihrem Dialekt. „Leben und leben lassen“ war seine Devise: Im Film kommen daher auch Schwaben und Sachsen in den Himmel; ein Erzengel babbelt gar Hessisch. Da ist aber auch das gemeinsame Lachen und eine tiefe, ehrliche (Mit-)Menschlichkeit. Die erscheint umso mächtiger, da der Zivilisationsbruch des Weltkriegs den Hintergrund vieler Vilsmaier-Filme bildet, so auch hier. Und nicht zuletzt gibt es das Team hinter und vor der Kamera, mit dem der Regisseur immer wieder gerne gearbeitet hat.

Eine Entdeckung: Josef „Seppi“ Staber.

In „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ wirken viele nochmals mit, verneigen sich vor Vilsmaier – und sei es in kleinsten Nebenrollen: Götz Otto etwa, mit dem er „Marlene“ drehte; Florian Stetter und Markus Krojer, die er in „Nanga Parbat“ besetzte. Aus dem ersten „Boandlkramer“-Film sind neben Herbig in der Titelrolle wieder Jürgen Tonkel und Sebastian Bezzel dabei. Letzterer gibt – einmal mehr – den Schlawiner, dem man nichts krummnehmen kann.

Ein großer Spaß: Hape Kerkeling als Teufel.

Die Coolness von Model Nadja Auermann als Pförtnerin der Hölle lässt diese beinahe zufrieren. Dagegen hat Hape Kerkeling als Teufel (mit blondierter Tolle, Revue-Gesang und Modelleisenbahn im Keller – „kleines Hobby von mir“) sichtlich Freude am Zocken und Zerstören: ein Spaß, ihm zuzuschauen. Josef „Seppi“ Staber ist als Max eine Entdeckung – und Michael „Bully“ Herbigs Boandlkramer ein derart anständiger, liebenswerter Kerl, dass wir uns alle nur wünschen können, eines Tages von ihm geholt zu werden.

Bis dahin jedoch ist noch Zeit. Denn es lohnt sich zu leben. Das wusste der Sepp.

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