Land unter im Getränkesumpf

Kabarettist Philipp Weber knöpft sich Flüssiges vor

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Chemiker und Kabarettist: Philipp Weber (41).

München - Philipp Weber (41) ist Chemiker. Und Kabarettist. Jetzt knöpft er sich die Welt der Getränke vor: das tz-Interview.

Manchmal wollen wir lieber gar nicht so recht wissen, was wir alles zu uns nehmen. Philipp Weber (41) kann nicht umhin, es zu wissen: Er ist Chemiker. Und Kabarettist, die Folge: Er kann uns die täglichen Horrornachrichten aus der Welt der Nahrung so lustig servieren, dass unser Bauchweh vom Lachen und nicht vom Lebensmittel herrührt. Jetzt hat er Getränke im Visier …

Herr Weber, was ist verseuchter: die feste oder die flüssige Nahrung?

Philipp Weber: Die feste! In vielen Flüssigkeiten ist ja gottlob genug Alkohol drin, um Verunreinigungen unschädlich zu machen. Wobei natürlich auch hier viel Unsinn verkauft wird, den es zu verurteilen gilt. Denken Sie allein an den ganzen Zucker, den der Deutsche in Form von Softdrinks reinschüttet. Da heißt es immer: Die Jugend bewegt sich nicht genug. Kein Wunder! Die sind durch die Cola von innen kandiert. Vom Geschmack ganz zu schweigen. Nehmen Sie so manchen Energy Drink: Das schmeckt wie der Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens.

Welches Getränk empfehlen Sie dann zum Beispiel zu Silvester-Mitternacht?

Weber: Klassisch wäre natürlich hier der Perlwein. Doch ich persönlich war nie ein Fan allzu sprudelnder Getränke. Ich stoße da lieber mit einem sehr jungen Riesling an. Der hat Stil und bitzelt auch verspielt auf der Zunge. Beim Trinken soll man sich nicht verbiegen. Ein Biertrinker ist ein Biertrinker. Warum sollte er das an Silvester verleugnen? Und warum sollte eine edle Hopfenkaltschale das neue Jahr profaner einläuten als ein Billig-Sekt vom Supermarkt?

Ist unser Verbraucherschutz überhaupt effektiv?

Weber: Das Problem ist, dass einer kleinen, oft schlecht finanzierten Gruppe von Verbraucherschützern eine riesige, milliardenschwere Industrie gegenübersteht. Und die Produzenten von Konsumgütern versuchen oft mit windigen Marketing-Tricks, den Verbraucher einzulullen oder sogar zu täuschen.

Ein Beispiel?

Weber: Das beginnt mit dem Bild der glücklichen Kuh auf der Milchtüte, die in ihrem wirklichen Leben nie in einen Grashalm gebissen hat, und endet bei aufwendig produzierten Umwelt-Image-Broschüren, in denen der größte Lifestyle-Müll als ökologisch völlig unbedenklich verkauft wird. Täglich werden wir mit Werbebotschaften bombardiert, die unsere Ängste und Sehnsüchte wecken und uns suggerieren, wir wären gesünder, erfolgreicher oder sicherer, wenn wir das oder jenes Produkt kaufen. Das ist ein Kampf David gegen Goliath. Deswegen steht am Anfang des Verbraucherschutzes natürlich die Aufklärung. Doch die kann auch sehr komisch sein. Was ich in meinen Programmen beweisen will.

Antonio Seidemann

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