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“Absolut brutale Leistungsgesellschaft“

Kabarettistin Luise Kinseher: „Versuchen, es nicht persönlich zu nehmen“

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Übt Kritik an der brutalen Leistungsgesellschaft – klare Worte von Kabarettistin Luise Kinseher.

Luise Kinseher spricht über die Unterschiede innerhalb des weiblichen Geschlechts und den Gegenwind, den sie bei der Übernahme des Nockherberges erhalten hat.

Die Schauspielerin Luise Kinseher ist seit 1998 auch auf den deutschen Kabarettbühnen unterwegs. Für ihre Bühnenprogramme erhielt sie mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Bayerischen Kabarettpreis. Von 2010 bis 2018 trat sie als Mama Bavaria beim jährlichen Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg auf – und wurde zum ersten Mal mit Frauenfeindlichkeit konfrontiert.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Emanzipation in den vergangenen 25 Jahren entwickelt? 

Luise Kinseher: Wir haben ja immer noch ein Ungleichgewicht. Es ist zwar so, dass viele Frauen beruflich gut aufgestellt sind, gleichzeitig aber Familie wollen und dann diesen Spagat hinlegen zwischen Familie und Beruf. Selbst wenn ich so in meinen Bekanntenkreis schaue... Wir sind alle wirklich emanzipierte Frauen, sind in den 70er Jahren geprägt worden. Wir sind die erste Frauengeneration, die alle Möglichkeiten hatte, um sich entwickeln zu können. Und das ist aber auch genau die Generation, die es zwischen diesen beiden Polen – Familie und Beruf – zerreißt.

Sind das die negativen Auswirkungen der Emanzipation? 

Kinseher: Das ist keine negative Auswirkung der Emanzipation, sondern unserer absolut brutalen Leistungsgesellschaft! Dass Frauen in Berufe gehen können, kommt nicht so sehr daher, dass sich das Gesellschaftsbild oder das Frauenbild geändert hat. Sondern das ist ganz klar der wirtschaftliche Druck! Du kannst in der heutigen Zeit die Talente, die du brauchst, nicht einfach brach liegen lassen. Das hat sich in den letzten 20, 30 Jahren, als die Frauen in die guten Jobs kamen, rasant entwickelt. Aber gleichzeitig ist es eine absolute Zerreißprobe. Wir Frauen sind noch nicht da angekommen, wo wir hin sollen.

Auf Ihrer Website steht: Wenn ich blond wäre, wäre alles einfacher. Steckt da ein Funken Wahrheit drin? 

Kinseher (überlegt): Das hat damit zu tun, dass es schöne Frauen gibt, die von Kindheit an lernen, dass sie nichts machen müssen, weil sie so schön und so zart und so liebreizend sind. Wenn man aber selber eine Frau ist, die, ich sag mal, im Kampfmodus ist und sich permanent herausfordert für die nächste Aufgabe und immer sagt: Ich muss noch dieses und jenes machen, hier noch üben, da noch lernen, dort noch etwas verbessern – da denk ich mir schon manchmal: Mensch, jetzt einfach mal nur als hübsches, blondes, weibliches Wesen im Café sitzen und seinen Chihuahua streicheln und vom Mann versorgt werden – das wäre auch mal ganz schön. Aber diesen Gedanken hab ich höchstens drei Sekunden (lacht). Das ist dann eher die Aufforderung an mich selbst, auch mal ruhiger zu werden und weniger zu machen und sich nicht gleich wieder das nächste an Arbeit aufzubürden. Aber das ist eben mein Charakter.

Nach Aus auf dem Nockherberg: „Mama Bavaria“ bekommt eigene TV-Show

Luise Kinseher: „...in einer Zeit, in der keiner mehr weiß, was richtig ist“

Kommen wir zum Kabarett. Ist die Szene immer noch von Männern dominiert? 

Kinseher: Absolut! Bis heute! Es gibt jetzt Gott sei Dank schon mehr Frauen. Gerade in Bayern haben wir eine ganze Riege an erfolgreichen Frauen-Kabarettistinnen. Aber wenn Sie zum Beispiel ans Fernsehen denken – da ist das Kabarett ganz klar von Männern dominiert. Und die Emails, die ich bekommen habe, als ich den Nockherberg übernommen habe, die möchten Sie nicht lesen! Das hat mich so erschüttert! Auch, weil ich das Frauen-Thema bis dato gar nicht so auf der Pfanne hatte. Ich habe mir nie Gedanken über die Rolle der Weiblichkeit auf der Bühne gemacht, ich hab halt Meins gemacht, als Künstlerin, fertig. Ich wollte gar nicht als Frau definiert werden, ich wollte als Luise Kinseher gesehen werden. Erst als dieser kalte Wind am Nockherberg mir entgegen wehte, mit einer Frauenfeindlichkeit sondergleichen... Das musste ich erst mal verkraften und versuchen, es nicht persönlich zu nehmen. Wenn man das geschafft hat, muss man drüber stehen, und dann kann man weitermachen. Aber sensibel darf man da nicht sein.

Als Mama Bavaria haben Sie sich intensiv mit der bayerischen Politik beschäftigt und viele Politiker und Politikerinnen persönlich kennengelernt. Sind Frauen die besseren Politiker? 

Kinseher: Ich glaube, dass Frauen aufgrund ihrer Intuition in der Politik sehr wichtig sind. Es gibt aber auch Männer, die eine gute Intuition haben. Und das wird immer wichtiger, in einer Zeit, in der keiner mehr weiß, was richtig ist. Wie soll ich denn noch entscheiden, wenn es auf der einen Seite 7 000 Argumente gibt und auf der anderen Seite ebenso? Dann musst du die Entscheidung am Ende intuitiv treffen. Es gibt aber auch Frauen in der Politik, die brutal sind. Deshalb ist es schwierig zu sagen, dass das Weibliche mehr einfließen muss. Aber Empathie und Intuition wären sicherlich hilfreich – und das sind weibliche Eigenschaften.

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