Konzertkritik

Kadavar im Backstage: Ausverkaufte Zeitreise

München - Die Berliner 70er-Jahre-Freaks "Kadaver" lassen im Backstage Club die (Bart)Haare fliegen. Die tz waberte mit.

Ist es die Sehnsucht nach der verlorenen Zeit? Das Verlangen nach ironiefreien Räumen in einer Welt des permanenten Augenzwinkerns? Oder einfach nur die Promotion eines trendsicheren Szenelabels aus dem schwäbischen Donzdorf? Sei's drum. Die Musik des Berliner Trios "Kadavar" verdient jede Aufmerksamkeit. Dieser Mischung aus psychedelischem Proto Hardrock à la Black Sabbath, Pentagram oder Hawkwind kann sich kein Mensch ernsthaft entziehen, der nur ansatzweise auf härtere Gitarren steht. "Abra Kadavar" in den Charts? Wen juckt schon die Hype-Polizei?

Ein "Ausverkauft"-Zettel pappt auf dem Tourposter am Eingang des Backstage-Geländes. Der Club ist zu klein, ein Umzug nicht möglich. Schließlich rödeln nebenan in der Halle die US-Düstermetaller von Agalloch. Hilft nix.

Wer drin ist, darf sich zunächst an den Norwegern "Spirits of the Dead" erfreuen. Späte Led Zeppelin treffen auf frühe King Crimson. Ein bisserl langatmig das Ganze, aber als Vorspeise gerade recht.

Dann abar: Kadavar.

Alleine Schlagzeuger "Tiger" ist den Eintritt wert. Mit welcher Hingabe er seine Schießbude bearbeitet, dazu permanent die Matte und den Rauschebart fliegen lässt, weckt Erinnerungen an das "Tier" aus der Muppet Show. Dazu die hypnotischen Riffs von Sänger und Gitarrist "Wolf" und der wummernde Bass des kaum minderbehaarten Herrn "Mammut", alles in Songs gegossen, die zügig auf den Punkt kommen, ohne auch nur ansatzweise platt zu sein. Großer Musikspaß! Schade nur, dass nach zehn Liedern schon Feierabend ist. Das grandiose "Goddess of Dawn" vom ersten Album beschließt einen Gig, der alle Vorschusslorbeeren rechtfertigt. Bleibt als Fazit nur der Wunsch: Langsam riffen, schnell wiederkommen!

Ludwig Krammer

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