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Panne bei Lindenberg-Konzert in München: Alt-Rocker reagiert lässig - „Kommt man sich wieder näher“

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Von: Katja Kraft

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Panikrocker Udo Lindenberg in der Münchner Olympiahalle
Der liebenswerteste König von Scheißegalien: Udo Lindenberg! © Martin Hangen

Udo Lindenberg rockte die ausverkaufte Münchner Olympiahalle - und blieb auch locker, als die Technik versagte. Unsere Konzertkritik.

München - Udo, du bist der Knaller. Dass Lindenberg den Titel Panik-Rocker nicht nur so zur Gaudi trägt, beweist er am Dienstagabend in der ausverkauften (!) Münchner Olympiahalle. Bei „Kompass“ macht das Mikro schlapp. Als der Techniker auf die Bühne kommt, meint Udo trocken: „Hannes, was los? Störaktion, irgendwelche bekloppten Hacker - die wollen, dass die Nachtigall die Schnauze hält!“ Alle anderen Megastars wären nach ein paar Minuten entnervt ausgeflippt. Doch Udo, die lässige Nachtigall? Schlägt vor, sich auszuziehen. „Ach nee, erst später!“ Fängt dann an, „für euch zu tanzen“.

Kleine Panne bei Lindenberg-Konzert im Olympiastadion: Keine Panik

Und als alles wieder zu gehen scheint, meint er beschwichtigend: „Ist doch schön, kommt man sich mal wieder ein bisschen näher. Habt ihr die Zeit genutzt?“ Es dauert eine knappe Viertelstunde, bis die Mängel zuverlässig behoben sind, doch Udo und seine obercoole Panik-Crew behelfen sich mit a capella, Tanz und dann - Gänsehautmoment - „Horizont“ gemeinsam mit dem Publikum. Er ist und bleibt einfach der liebenswerte König von Scheißegalien!

Udo Lindenberg in der Münchner Olympiahalle
Gelandet in der Münchner Olympiahalle: Udo Lindenberg. © Martin Hangen

Wenn man also trotz Krieg, trotz treibender Inflation, trotz Corona-Sommerwelle und Klimawandel für ein paar Stunden Leichtigkeit spürt, dann muss es ein Konzert von Udo Lindenberg sein. Trotz allem: Keine Panik!

Obwohl für einen Moment in der ersten Hälfte der Show Ernüchterung aufblitzte. Seit 1981 – mehr als 40 Jahre! – fragt er im gleichnamigen Song „Wozu sind Kriege da?“. Mit Nachdruck und mit Pascal. Der war zehn Jahre alt, als er die Nummer erstmals mit dem heute 76-Jährigen sang. Am Dienstagabend sitzt Pascal wieder am Klavier - und kann sich‘s noch immer nicht erklären: „Wofür wird mein Leben aufs Spiel gesetzt?“ Und als man so mit leuchtendem Feuerzeug in der Hand die Arme bei Udos Antikriegs-Lied schlechthin schwenkt, wird einem kurz schwer ums Herz. Hier in der Halle sind sich doch alle einig, dass Kriege sinnlos und nichts anderes als schrecklich sind. Und trotzdem fallen in Europa wieder Bomben, rollen weltweit Panzer, werden Menschen ermordet, Frauen und Kinder vergewaltigt. Was bringt ein Lied, wenn auch der Pazifist Udo Lindenberg die Schlachtfelder dieser Welt nicht mit Flower Power kunterbunt überpflanzen kann?

Konzert in München: Udo Lindenberg inspiriert zu einer friedlicheren Welt

Diese Fragen gehen einem durch den Kopf, als am Ende ein kleines Mädchen auf der Bühne mit den Worten schließt: „Wozu Kriege nötig sind? Ich bin wohl noch zu klein / Ich bin ja noch ein Kind.“ Dann bricht der Jubel aus. Und inmitten der Gruppe von Fans wird einem klar: Man selbst kann vielleicht nicht die ganze Welt retten – aber dieses Gemeinschaftsgefühl im eigenen kleinen Kosmos weitertragen. Sich davon inspirieren lassen zu guten Taten. Aufmucken, wenn Unrecht geschieht. Keine Angst haben vor Autoritäten. Damit eine friedvollere Zukunft für alle keine Udopie bleibt, sondern die Menschheit sich wirklich bessert.

Panik-Rocker Udo Lindenberg beim Konzertbeginn in der Münchner Olympiahalle.
Keine Panik! Udo Lindenberg beim Konzertbeginn in der Münchner Olympiahalle. © Martin Hangen

Wie gut das tut, nach „drei Jahren härtestem Entzug“. Während Corona hat sich der kleine Udo im menschenleeren Hotel Atlantic gefühlt wie in einer Mischung aus „Shining“ und „Kevin allein zu Haus“. Aber seine Fans haben ihm geschrieben, „Von euch kamen immer Rauchzeichen. Ich brauche euch ja auch - zusammen kriegen wir das hin! Der Clan der Lindianer!“ Gemeinsam durch die schweren Zeiten. Denn Mitmenschlichkeit ist ein Verstärker, der nie ausfallen kann.

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