Hollywood-Star

Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

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„Die Fahrten des Odysseus“, 1954. Damals teuerster Farbfilm, Kosten: 10 Millionen Dollar. Douglas spielte Odysseus.

Los Angeles – Wie ein Rammbock bahnte sich Kirk Douglas seinen Weg zum Erfolg. Filme wie „Wege zum Ruhm“ und „Spartacus“ machten ihn unsterblich. Im hohen Alter beschloss er, auch noch ein guter Mensch zu werden. Heute wird er 100 – und ist braver denn je. Meistens jedenfalls.

Da haben sie sich aber geschnitten damals in Hollywood, als sie Kirk Douglas 1996 verschämt noch schnell einen Ehren-Oscar in die Hand drückten. Aus schlechtem Gewissen, aus purer Angst, denn im Jahr zuvor war Douglas dem Tod nach einem schweren Schlaganfall im letzten Moment von der Schippe gesprungen. Und Douglas, einer der größten Stars, die Hollywood je hervorgebracht hat, ist bis dahin beim wichtigsten Filmpreis der Welt immer übergangen worden.

Douglas freilich, dieser zähe Hund, denkt gar nicht daran zu sterben. Er tut das, was er sein Leben lang getan hatte – er kämpft eisern und dreht sogar noch Filme, auch wenn ihm das Sprechen schwer fällt. Erst 2008, mit 92, zieht er sich zurück. 2011 steht er dann noch mal bei den Oscars auf der Bühne, um eine kleine Statue zu überreichen und macht mit charmantem Witz daraus eine große Show. Die Genugtuung, noch da zu sein und im Mittelpunkt zu stehen, ist Douglas anzumerken. Und nun feiert der Titan, die letzte Kino-Ikone seiner Art, seinen 100. Geburtstag und 70-jähriges Leinwandjubiläum. Einzigartig, selbst im Land der Superlative.

Diese Karriere, dieses Leben war nicht vorherzusehen. Hätte ihm jemand seine Lebensgeschichte als Drehbuch angeboten, hätte er es abgelehnt, sagte Douglas einmal. „Das ist zu kitschig.“

Der größte Erfolg: 1960 spielte Kirk Douglas den Sklaven und Gladiator Spartacus. Stanley Kubrick führte Regie. 

Douglas kommt als Sohn einer bettelarmen russisch-jüdischen Familie bei New York zur Welt, der Vater ist Lumpensammler. Viel weiter unten geht nicht. Douglas schlägt sich buchstäblich durch, unter anderem als Boxer und Wrestler. Grundlage seiner athletischen Erscheinung, die neben dem markanten Kinn zu seinem Markenzeichen wird. Nach dem Kriegsdienst legt er seinen Geburtsnamen Issur Demsky ab, weil der Antisemitismus auch in der vermeintlich liberalen Filmmetropole weit- verbreitet ist, und zieht 1946 nach Testaufnahmen sofort eine Hauptrolle in „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ an Land. Damit hat er seine Nische gefunden als Darsteller von oft zwiespältigen, mitunter dubiosen Charakteren.

Douglas ist kein Virtuose und weiß das auch, deswegen setzt er auf Kraft und Charisma. Der Mann weiß, wie man die Blicke auf sich zieht, und er nimmt keinerlei Rücksicht auf seinem Weg nach oben. Als er 1949 für die Darstellung eines Boxers in dem Film „Champion“ nominiert und endgültig zum Star wird, erscheint ein denkwürdiges Interview. Die berüchtigte Klatschreporterin Hedda Hopper fragt ihn da, ob der Erfolg Douglas verdorben habe. Und Douglas antwortet ungerührt: „Nein, ich war immer schon ein Arschloch. Nur kannte mich früher niemand.“

Verschont vom Douglas-Furor wird lediglich Vielfach-Filmpartner Burt Lancaster, den er aufrichtig bewundert. Vielleicht weil der ein noch größeres Aas sein kann. Für viele andere ist es nicht immer ein Spaß, mit Douglas zu arbeiten. Nicht zuletzt, weil Douglas nie zufrieden ist. Es reicht ihm nicht, berühmt zu sein und reich. Er will die Kontrolle über seine Filme, und er wird tatsächlich der erste unabhängige Starproduzent Hollywoods, das bis dahin fest in den Händen der Studios ist. Er produziert unbequeme Filme wie den Kriegsfilm „Wege zum Ruhm“, 1956 in Schloss Schleißheim gedreht, den er bis heute für sein bestes Werk hält. Er zähmt dabei auch das exorbitante Ego von Regisseur Stanley Kubrick und feiert mit ihm 1960 seinen größten Triumph: „Spartacus“.

Fam ilienausflug zum Tennis: Kirk mit Ehefrau Anne, Schwiegertochter Catherine Zeta-Jones und Sohn Michael.

Für den Film legt sich Douglas unerschrocken mit der Politik an, indem er den Drehbuchautor Dalton Trumbo engagiert, der wegen angeblich unamerikanischer Umtriebe auf einer schwarzen Liste steht. Auch privat ist Douglas unerbittlich und überwirft sich mit Sohn Michael wegen der Filmrechte zu „Einer flog über das Kuckucksnest“. Jahrelang wechseln die Sturköpfe kein Wort. Später wird Douglas das sehr leidtun: seine Härte gegenüber sich selber und anderen, seine Affären, sein arrogantes Auftreten.

Spendabler Spaßvogel auf der Rutsche: Douglas investiert sein Vermögen gerade in Spielplätze.  

Ein Hubschrauberabsturz 1991 und besagter Schlaganfall helfen Douglas dabei, seine größte Herausforderung zu meistern – ein besserer Mensch zu werden. Fast scheint es, als würde er deswegen so lange leben wollen, um möglichst viel gutzumachen. Er findet zurück zum Glauben seiner Vorfahren, steckt sehr viel Geld in wohltätige Projekte und ist ein freundlicher und gut gelaunter älterer Herr geworden, der über viel Selbstironie verfügt. Zu seinem 90. stellte er sich auf seiner Homepage als Schwiegervater von Catherine Zeta-Jones vor, der früher mal ein Star war. „Sie können es googeln.“

Vor einem Jahr hat Douglas beschlossen, sein ganzes Vermögen, rund 80 Millionen Dollar, zu verschenken. Er baut Spielplätze in Gegenden, in denen es sonst niemand tut, zahlt in eine Stiftung ein, die sich um mittellose alte Filmschaffende kümmert, von denen es in Los Angeles sehr, sehr viele gibt. Er hat ein Heim für obdachlose Frauen gebaut sowie öffentlichen Krankenhäusern teure Apparaturen besorgt.

Heute wird Douglas im Kreis seiner Familie und mit seiner deutschen Frau Anne, mit der seit 62 Jahren verheiratet ist und deretwegen er sich ein ziemlich passables Deutsch angeeignet hat, seinen 100. Geburtstag feiern. Erst wenn Douglas von uns geht, ist das 20. Jahrhundert wirklich vorbei. Der Mann hat keine Film-Ära geprägt – er ist eine.

Zoran Gojic

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