Abriss-Party in der Tonhalle

Konzert-Kritik zu K.I.Z: "Hitlers" und "Hurensöhne" auf Koks

+
Wie neu geboren: Maxim von K.I.Z.

München - Wenn 2400 Münchner inbrünstig „Wir sind Adolf Hitler“ singen, sind die Rapper von K.I.Z. am Start. Am Samstag und Sonntag begeisterten die Vier in der ausverkauften Tonhalle.

Zwischen K.I.Z und -ihren Fans gibt’s seit zehn Jahren eine Vereinbarung, an die sich alle halten: ein K.I.Z-Konzert bedeutet Abriss. Dafür bekamen sie heuer die 1Live-Krone als bester Liveact aufgesetzt. Für ihre intelligent überspitzten Texte, in denen ausnahmslos jeder beleidigt wird, werden sie gefeiert.

Auf der Bühne stehen sie als überlebensgroße Militärdiktatorenstatuen. Sie inszenieren sich wie nach 100 Gramm Koks als gottgleich, probieren bei "Wir" Herrscherposen durch. Beim "Abteilungsleiter der Liebe" stehen K.I.Z auf einer Kanzel im Publikum. Maxim, Politiker bei der Satire-Partei "Die Partei", demagogiert: „Hier weiß ich, dass ich unter meinesgleichen bin, weil hier nur stinkreiche Schweine wohnen“, und zitiert John Lennon „Ich höre keinen Applaus, nur das Klackern eures Schmuckes“. Die Ideen für die "Hurra die Welt geht unter"-Tour sind simpel und funktionieren. Bei "Käfigbett" leisten die Kollegen dem blutverschmierten Maxim Geburtshilfe aus dem Schoße einer Dame, die an die Reeperbahnkneipe „Die Ritze“ erinnert - weit gespreizte Damenhaxn.

Im wilden Pogorausch kommt es zu gefährlichen Situationen, als Fans fallen. Nico schreitet charmant ein: „Passt aufeinander auf, ihr seid unser Kapital. Wer tot ist, kann am 30. März nicht zu unserem Konzert ins Zenith kommen.“

Als Nico zu Klavierbegleitung singt „Ich komm rein, wo ich will, als wär mein Penis ein Rammbock“, da stellen sich die Armhärchen auf. "Hurensohn" singen die Buben mit Klavierbegleitung auf "We are the World". Als die Fans wie ein Gospelchor „Du Hurensohn, ihr Hurensöhne“ singen, glitzern in den K.I.Z-Augen Tränen der Rührung.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Deep Purple in München: Alte Knacker, ganz schön knackig
Deep Purple in München: Alte Knacker, ganz schön knackig
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
KISS in der Olympiahalle: Mehr Rumpelrock geht nicht
KISS in der Olympiahalle: Mehr Rumpelrock geht nicht
Digitalisierte Zeitungen: Stabi baut Angebot aus
Digitalisierte Zeitungen: Stabi baut Angebot aus

Kommentare