Klage gegen Münchner Operninszenierung

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München - Wie weit darf die Inszenierung einer Oper vom Original abweichen? Darum streiten die Bayerische Staatsoper und die Erben des Komponisten Poulenc. Die Nachkommen bemängeln, dass die Münchner Aufführung das Werk entstelle.

Die Erben des französischen Komponisten Francis Poulenc (1899 - 1963) wollen die Wiederaufnahme seiner bekannten Oper „Dialogues des Carmélites“ an der Bayerischen Staatsoper gerichtlich untersagen lassen. Sie seien der Auffassung, dass die Schlussszene in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov das Werk abwandle und entstelle, teilte das Nationaltheater am Donnerstag in München mit. An der Klage, die vor einem französischen Gericht anhängig ist, sind nach Angaben der Oper auch die Nachkommen des Librettisten Georges Bernanos beteiligt. Die geplanten Aufführungen am Sonntag sowie am 1. und 4. November sollen aber wie geplant stattfinden.

Der Russe Tcherniakov hatte die 1957 uraufgeführte Oper im März 2010 für die Staatsoper als religiöses Psychodrama neu in Szene gesetzt. Das wohl bekannteste Werk Poulencs handelt von 16 Karmeliterinnen, die während der Französischen Revolution an ihren Ordensregeln festhalten und deshalb als Märtyrerinnen hingerichtet werden. Bei Tcherniakov stirbt dagegen nur die Hauptfigur Blanche de la Force, die im Kloster ihre neurotischen Ängste mit der Kraft des Glaubens überwinden will. Im Laufe der Geschichte planen die Nonnen zwar ihren kollektiven Selbstmord in einem Glaskasten, der erst als Kloster, später als Gaskammer fungiert. Doch Blanche rettet ihre Mitschwestern, bevor sie sich selbst in die Luft sprengt.

Nach Meinung der Erben eröffne der Schluss Deutungsmöglichkeiten, die der Kernaussage des Werkes nicht gerecht würden, heißt es in einer Mitteilung des Münchner Opernhauses. Mit einer Entscheidung in den kommenden Tagen wird nicht gerechnet. Daher sei die Wiederaufnahme nicht gefährdet, erläuterte das Nationaltheater. Die Zuschauer sollen aber mit Zetteln darauf hingewiesen werden, dass sich die Erben von dieser Inszenierung distanzieren.

dpa

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