Kleine Panne zum Auftakt

Klassik am Odeonsplatz: Energie trifft Eleganz

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Jahr für Jahr ein Erfolg: Klassik am Odeonsplatz (Archivfoto)

München - Klassik am Odeonsplatz war auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg. Doch die Veranstaltung begann mit einer kleinen Panne.

Ronaldo statt Rolando? Am ersten Abend von Klassik am Odeonsplatz am Samstag verpasste Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) in seiner Begrüßung dem mexikanischen Startenor Villazón irrtümlich einen neuen Vornamen. Mit einem sollte er jedoch recht behalten: mit seiner Ankündigung, das Publikum könne sich auf „himmlische Töne und höllisch gute Interpreten“ freuen.

In gewohnt guter Form präsentierten sich Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die mit Ouvertüren und Chören aus Verdi- und Wagner-Opern bewiesen, dass auch bei Freiluft-Events differenziertes Musizieren möglich ist – nicht zuletzt dank hervorragender Tontechniker, die einen fein abgemischten Klang hinbekamen. Befeuert wurden die Musiker durch das engagierte Dirigat des 38-jährigen Yannick Nézet-Séguin: Der Kanadier sorgte mit dynamischen Akzentuierungen und klugen Tempovariationen für Spannung.

Glänzend aufgelegt auch das Solistenpaar Rolando Villazón und Thomas Hampson. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein: Der 58-jährige US-Amerikaner Hampson tritt kontrolliert und kultiviert auf; er singt nuancenreich und scheinbar mühelos; er steht souverän vor dem Mikrofon wie eine stattliche Statue und verlässt sich ganz auf seinen betörenden Bariton.

Villazón (41) hingegen wirkt mit slapstickhafter Mimik und opernhafter Gestik wie ein Zwillingsbruder von Mr. Bean; er reißt Augen und Arme auf, als wolle er alle 8000 Zuschauer auf einmal umarmen; er agiert aufgekratzt, als würde er am liebsten quer über die Bühne fegen; er singt mit glühender Leidenschaft und stimmlich stets am Anschlag , als wäre es sein letzter Auftritt auf Erden.

Anstatt konsequent auf die Jubilare Verdi und Wagner – beide feiern heuer 200. Geburtstag – zu setzen, leistet sich das krude Kraut-und-Rüben-Programm vor der Pause Abschweifungen zu Ravels La Valse und zu Massenet-Arien, die nicht recht zünden. So hält sich die Stimmung trotz des traumhaften Sommerwetters anfänglich in Grenzen .

Auch nach der Pause folgt zunächst arg viel Getragenes von Wagner (darunter immerhin Hampsons samtweiche Interpretation des Abendstern-Liedes aus dem Tannhäuser), ehe Villazón mit seiner feurigen Deutung des Verdi-Liedes L’esule die Temperatur steigen lässt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Im berühmten Freundschaftsduett aus Verdis Don Carlos animieren sich die beiden Sänger gegenseitig zu Höchstleistungen. Und in den Verdi-Zugaben geht es noch mal richtig ab: Mit der Rache-Arie des Seid aus Der Korsar zeigt sich Hampson plötzlich passioniert, in der Romanze des Riccardo aus Oberto schluchzt und schmachtet Villazón, was das Zeug hält, und mit dem feinsinnig dargebotenen Gefangenenchor aus Nabucco verwandelt sich die stimmungsvoll beleuchtete Kulisse endgültig in eine italienische Piazza. Ovationen.

Marco Schmidt

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