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„Bad Boy Lemke“: die Abbrucharbeiten des deutschen Films

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Von: Michael Schleicher

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Szene mit Klaus Lemke aus seinem neuen Film „Bad Boy Lemke“.
„Jeder wäre gern jemand anderes“, sagt Klaus Lemke. „Ich wäre lieber der Film als der Regisseur des Films.“ © KLF

Mit Filmen wie „48 Stunden bis Acapulco“, „Rocker“, „Amore“ und „Dancing with Devils“ hat sich Klaus Lemke den Ruf als Kult-Regisseur erarbeitet. Lemke arbeitet maximal unabhängig – und bricht Filme kompromisslos ab, wenn sie ihm nicht taugen. Von gescheiterten Projekten erzählt er in „Bad Boy Lemke“.

Plötzlich ist er da, aufgetaucht aus dem Dunkel der Leinwand. Ein Film sollte schließlich nicht „irgendwie losgehen. Ein Film sollte explodieren“. Klaus Lemke, Regisseur, Legende, Straßen-Cowboy, redet in seinem neuen Werk das Publikum frontal an: „Ich dreh’ meine Filme für mich und freue mich, wenn jemand anderes findet, ich dreh’ sie für ihn. Denn Film sollte zunächst mal ein Grund zur Freude sein.“

Lemkes Langfilmdebüt war „48 Stunden bis Acapulco“

„Bad Boy Lemke“ feiert am Donnerstag, 5. August, im Theatiner-Film seine München-Premiere – es ist eine besondere Arbeit im Schaffen des 80-Jährigen. Lemke, der 1967 mit der Gangster-Ballade „48 Stunden bis Acapulco“ debütierte, war einst Teil des Filmgeschäfts mit all seinen Verpflichtungen und Abhängigkeiten. Bis er – pardon – die Schnauze voll hatte. Seitdem dreht er meist mit Laien, ohne fertiges Skript und ohne Fördergeld. Er finanziert den Dreh aus eigener Tasche, stellt den Film zur Hälfte fertig und versucht, ihn zu verkaufen – mit dem Erlös vollendet er ihn.

Klaus Lemke verachtet die staatliche Filmförderung

Das beschert dem Münchner eine enorme Freiheit, die oft einhergeht mit großer Kreativität. „Film muss raus aus dem Gefängnis der Filmförderung“, sagt Lemke. „Jede Subvention aus Steuermitteln macht aus Regisseuren und Produzenten Soft-Skills-Kastraten.“ Sprich: Um Fördergremien zu bezirzen, drehen weichgespülte Regisseure ebensolche Filme, um Geld für ihr nächstes weichgespültes Projekt lockerzumachen. Lemke lebt aber, was er predigt, und das lässt selbst seine schlechteren Produktionen herausstechen aus dem Brei der Massenunterhaltung.

Gegen Brigitte Bardot verlor Lemke beim Poker

„Unabhängigkeit gibt es beim Film nur so lange, wie das Geld, das auf dem Tisch liegt, das eigene ist“, weiß er. Das Arbeiten ohne Fördergelder als Sicherheitsnetz macht jedoch nicht nur unabhängig, sondern kann einen auch an den Rande des Ruins bringen. Kein anderer Regisseur bricht so konsequent Filme ab wie Lemke, wenn er mit deren Entwicklung nicht einverstanden ist. Genau davon erzählt „Bad Boy Lemke“. Der Film basiert – launig kommentiert vom Macher – vor allem auf jenen Projekten, die der Regisseur nicht fertigstellen konnte. Das Scheitern damals nutzt er nun freilich als Chance, um seine Art des Arbeitens vorzustellen – und um vogelwild zu erzählen, etwa wie er gegen die Bardot beim Poker 70 000 Dollar verlor („Niemand hatte uns vor ihr gewarnt!“) und warum der Film über Posträuber Ronnie Biggs nichts wurde. „Ich versuche, dem Leben eine Falle zu stellen“, sagt Lemke, „und hoffe, dass das Leben naiv genug ist, um hineinzutappen.“

Und noch ein abgebrochener Film:

Klaus Lemke hat gerade die Produktion „Gorilla Dreams“ abgebrochen. Aus dem Material, das er bislang gedreht hatte, hat er diesen neun Minuten langen Clip zusammengeschnitten:

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