Folgen des Skandals um Kollegah und Farid Bang

Nach dem Aus für den Echo: Darum muss ein neuer Preis her

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Sie waren der Anfang vom Ende für den Echo: Die Rapper Kollegah (l.) und Farid Bang wurden für ihren antisemitischen Song ausgezeichnet.

Der Echo hat wegen der Preisverleihung für die Rapper Kollegah und Farid Bang schweren Schaden genommen. Jetzt wird der Award eingestampft. Doch das kann nicht der letzte Schritt gewesen sein.

München - Rums! Aus! Kein „Hallo, Echo!“ mehr! Nach dem faustdicken Skandal um die Preisverleihung der Deutschen Phono-Akademie an die beiden deutschen Rapper Kollegah und Farid Bang ist die Glamour-Gala beendet. Der Bundesverband Musikindustrie teilte am Mittwoch mit: Der Musikpreis wird abgeschafft!

Zahlreiche Künstler haben ihren Preis oder ihre Preise schon aus vergangenen Jahren zurückgegeben, als das Rap-Duo vor ein paar Wochen geehrt worden war. Kollegah und Farid Bang wurden für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ geehrt, in dem es Textzeilen gab wie: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ oder „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm an mit dem Molotow“.

Campino sieht Grenze überschritten

Es war der Hosen-Frontmann Campino, der als erster protestierte - noch auf der Echo-Gala kritisierte er die Texte und sagte, dass eine Grenze überschritten worden sei. Mehr und mehr Kollegen aus Pop und Klassik schlossen sich an. Ein Echo-Sponsor sprang ab.

Nun gibt sich der Bundesverband Musikindustrie zerknirscht - spät genug: Die Marke Echo, so heißt es in einer Verlautbarung, sei „so stark beschädigt“, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei. Auch der Echo Klassik und der Echo Jazz sind davon betroffen. Man werde dafür sorgen, so der Verband, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole. Und so werden die „bisher involvierten Gremien ihre Tätigkeit einstellen“. Im Klartext: Wie bei Echo Klassik und Echo Jazz sollen auch im Pop-Bereich nicht mehr die Verkaufszahlen gelten, sondern eine Jury die Beiträge stärker bewerten.

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Bertelsmann Music Group BMG lässt Rap-Duo fallen

Die Bertelsmann Music Group BMG hat sich inzwischen von Kollegah und Farid Bang getrennt, heißt es in einer Stellungnahme.

Für das Duo wird es auch juristisch ein Nachspiel geben: Ihnen droht laut Westfalen-Blatt ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Ein Mann aus Hamburg habe bei der Polizei Gütersloh Strafanzeige gegen die Musiker gestellt - und auch gegen den Vorstandschef der BMG, Hartwig Masuch.

Wir sprachen mit Andi Hofmeir, dem Ausnahme-Tubisten und Ex-Brass-Banda-Musiker. Er sagt: „Ich hoffe, dass sich der Echo Pop von den Verkaufszahlen löst und eine kompetente Fachjury installiert. Dann würde sich endlich Helene Fischers Stauraum-Problem lösen. Das bietet dann auch die Chance, eine schöne Skulptur zu entwerfen statt diesem Türstopper.“

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Kommentar: Späte Reißleine

Ist es ein Verlust, dass es den Echo nicht mehr gibt? Nein. Diejenigen Stars (vor allem aus dem Popbereich), die ausgezeichnet wurden, haben den Preis so wenig nötig wie ein Rapstar ein Radl. Und die alljährliche Gala war eine fade Ich-feier-mich-selbst der Phono-Industrie.

Muss dennoch ein neuer Preis her? Ja - schon allein, weil der Skandal sonst nicht aus den Köpfen der Menschen geht, und das wäre Gift für die Branche. Jetzt in die Offensive zu gehen und sich zerknirscht zu geben, ist zwar spät und dem Druck der Künstler geschuldet, die ihre Preise zurückgegeben haben - aber besser spät als nie.

Fordert eine Nachfolge-Preis für den Echo: tz-Redakteur Matthias Bieber kommentiert die Situation nach dem Ende des Awards.

Matthias Bieber

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