Konzert in Freiheiz-Halle

Die fünf Schnapsideen von Get Well Soon

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Skurril und genial: Konstantin Gropper.

München - „A special night with Get Well Soon“ war angekündigt in der ausverkauften Freiheiz-Halle. Tatsächlich entpuppte sich der Münchner Auftritt des Sextetts als sehr speziell, geprägt von fünf veritablen Schnapsideen.

Die erste: Man hatte die Halle zur Hälfte bestuhlen lassen – eine geradezu absurde, höchst stimmungsfeindliche Entscheidung. Die zweite: Zu Beginn, bei der Vorstellung der College-Rock-EP The Lufthansa Heist, erklangen vier E-Gitarren simultan – das führt meist zu nichts Gutem. Die dritte: Schon nach 25 Minuten, als das Publikum gerade warm wurde, gab es die erste Pause – todesmutig. Die vierte: Bei den anschließend präsentierten Songs des Konzeptalbums Henry kamen ein weißer Helmut-Berger-Gedächtnis-Anzug und drei Keyboards gleichzeitig zum Einsatz – schon fast ein Einweisungsgrund. Und die fünfte: Im dritten Teil des Konzerts fungierte die Band als Karaoke-Kapelle für eine Zuschauerin namens Anna, die den Get-Well-Soon-Klassiker Werner Herzog Gets Shot singen durfte, obwohl sie laut eigenem Bekunden über „keine Engelsstimme“ verfügte – das hätte desaströs enden können.

Tat es aber nicht. Anna schlug sich wacker. Und trotz (oder gerade wegen) der Schnapsideen wurde es ein grandioser Abend abseits aller Normen. Das liegt vor allem am begnadeten Sänger, Songschreiber und Multi-Instrumentalisten Konstantin Gropper: Der Kerl kann komponieren. Er kombiniert Babyface und Bariton-Power, melancholische Melodien und pompöses Pathos zu intelligentem Breitwand-Pop, irgendwo zwischen Musik-Hochleistungskurs und ganz großem Drama. Ein Tanz am Abgrund mit Pauken und Trompete, Geige und Glockenspiel: In der Apocalypso-Beat-Hymne Roland, I Feel You huldigt die Band etwa dem Endzeit-Spezialisten Emmerich. Die Fans gehen sowohl bei Get-Well-Soon-Hits wie If That Hat Is Missing… als auch bei gecoverten Songs (darunter Disco 2000 von Pulp) ab wie auf einer Semesterabschluss-Party. Die Bestuhlung ist da längst Makulatur – sie dient nur noch als Running Gag für Konstantin Groppers launige Ansagen. Und dank des an diesem Abend kreierten neuen Albumtitels Bestuhlung Sucks dürfte es auch mit dem längst verdienten internationalen Durchbruch von Get Well Soon klappen.

Marco Schmidt

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