Eine Pop-Diva wird erwachsen

Konzert-Kritik: Sarah Connor im Deutschen Theater

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Sarah Connor macht Musik statt Schlagzeilen. Gut so.

München - Sarah Connor ist mittlerweile 35 Jahre jung und davon 15 Jahre im großen Musikgeschäft. Aber so was hat sie „noch nie erlebt“, sagt sie am Samstag im ausverkauften Deutschen Theater.

Nach "Kommst du mit ihr", einem groovenden Wutlied einer Verlassenen, fordern die Fans eine Wiederholung – bis die Sängerin schließlich den gleichen Song als Zugabe mittendrin gleich noch mal spielt. Alles steht und feiert trotz der engen Stuhlreihen: „Ihr seid ja völlig wahnsinnig!“

Wahnsinnig gut präsentiert sich auch Sarah Connor – neuerdings von einer stilleren, gar nicht mehr peinlichen Seite. Zugegeben: Diesen Wandel haben viele der Hamburgerin nicht zugetraut. Schließlich nervte sie im Laufe ihrer Karriere zunehmend mit ihrem massentauglichen, anzüglichen Pop-Soul. Und als sie ihre Liebe in einer Dokusoap ausbreitete. Zudem als Castingshow-Jurorin. Letztlich verbrühte sie sich bei der deutschen National­hymne.

Und nun? Steht Sarah Connor gut behütet auf der Bühne. Singt ihre neuen, selbst geschriebenen, meist nachdenklichen und, ja, sogar Botschaften vermittelnden Lieder auf Deutsch ("Wie schön du bist"). Die 1500 bunt gemischten Zuschauer erleben eine Dreifachmutter, die ihre Tiefs offensichtlich verarbeitet hat und etwas erwachsen geworden ist. Nur eines hat sich nicht verändert – ihre samtig-soulige Powerstimme.

Die ersten sechs Lieder kommen von ihrem jüngsten Erfolgs-Album Muttersprache. Dann wechselt Connor in ihre „Vatersprache“ Englisch (ihr Vater stammt aus New Orleans), die Leder- mit einer roten Joggingjacke, bringt ihre frühen Tanz-Hits wie "Let’s Get Back To Bed", Boy, handelt sie jedoch – zum Bedauern der begeisterten Menge – ziemlich schnell in einem Retro-Medley ab. Fast so, als ob sie sich dafür schämt.

„Manche Lieder werden nie erwachsen. Aber dieses hier wächst mit mir“, sagt Sarah, nimmt einen Schluck Tee aus ihrem Warmhaltebecher und singt ihre Ballade "From Sarah With Love" im Bossa-Nova-Gewand – ein Höhepunkt. Ein weiterer: Das Leben ist schön. In diesem emotionalen Lied beschreibt sie, dass die Gäste ihrer Beerdigung tanzen statt trauern sollen. Nach knapp zwei Stunden noch eine Botschaft zur Flüchtlingswelle: Augen auf. Dafür erntet sie Zwischen­applaus. Weiter so!

Marco Mach

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