Auftritt in München

Konzert-Kritik: Tori Amos in der Philharmonie

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US-Sängerin und Songschreiberin Tori Amos.

München - Hier lesen Sie die Kritik zum Konzert von Tori Amos am Dienstag in der Münchner Philharmonie.

Das muss man sich erst einmal trauen: Anstatt einfach ihre neue Platte und ihre größten Hits zu präsentieren, stellt Tori Amos auf ihrer aktuellen Europatournee jeden Abend ein völlig neues Programm zusammen. Dabei erfüllt sie auch ausgefallene Fanwünsche und kann auf ein riesiges Repertoire aus Hunderten von eigenen Songs zurückgreifen, das sie fast täglich durch neue Coverversionen erweitert. So gab es nun bei ihrem außergewöhnlichen Auftritt in der Münchner Philharmonie etwa die Weltpremiere ihrer Interpretation des Liedes „Because the Night“, das Patti Smith einst mit Bruce Springsteen geschrieben hatte.

Ganz allein auf der Bühne beweist die 50-Jährige, dass sie noch immer die beste Pianistin im Popgeschäft ist. Dabei reizt sie die acht Oktaven ihres prächtig klingenden Bösendorfer-Flügels ebenso bis zum Anschlag aus wie die drei Oktaven ihrer Stimme. In München spielt sie nur zwei Songs ihres grandiosen neuen Albums „Unrepentant Geraldines“, dafür aber umso mehr bejubelte Raritäten wie „Flying Dutchman“ oder „Roosterspur Bridge“ – kunstvoll komponierte Minidramen, schmerzhaft intensiv und fernab vom Mainstream-Einerlei. Ein Fest für die Fans: Tori Amos führt sie auf High Heels schnurstracks in den Songwriter-Himmel.

Es ist schon eine Schau, wie sie da auf dem Klavierstuhl hockt – breitbeinig, in knallengen Lederjeans und goldenen Stöckelschuhen, den linken Fuß auf dem Bösendorfer-Pedal, den rechten auf dem E-Piano-Pedal. Ihre linke Hand wühlt in den Bässen des Flügels, die rechte lässt virtuose Doppelgriff-Kaskaden aus dem E-Piano perlen, und dazu haucht, singt, fleht, schluchzt, jault und schreit ihre Stimme ohne Rücksicht auf Verluste. Dass sie mit dieser Kompromisslosigkeit seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich ist, dass sie damit auch im Münchner Konzert für Jubelstürme und Standing Ovations sorgt, hat für junge Musiker etwas sehr Ermutigendes.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Von Marco Schmid

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