Konzertkritik

Adel Tawil strapaziert Zuhörer in der Olyhalle

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Adel Tawil (Archivfoto).

München - Adel Tawil begann seine Solo-Tour in der nicht ganz gefüllten Olympiahalle. Dabei stellte sich allerdings schnell heraus: Er ist ein guter Sänger und fraglos ein Showtalent, aber das allein reicht nicht.

Der neue Adel ist angetreten, um an die Stelle des alten zu treten und sein Reich zu verwalten. An sich schlüssig, denn schon als Sänger von Ich + Ich stand Adel Tawil schließlich alleine im Scheinwerferlicht, weil Komplizin Annette Humpe keine rechte Lust auf öffentliche Auftritte hatte.

Nach dem Ende der Zusammenarbeit liegt es nahe, so einfach weiterzumachen, nur eben mit anderem Material. Beim Auftakt der Solo-Tour in der nicht ganz gefüllten Olympiahalle stellt sich allerdings schnell heraus: Tawil ist ein guter Sänger und fraglos ein Showtalent, aber das allein reicht nicht.

Die erste Stunde stellt er die Lieder seines ersten Solo-Albums vor und strapaziert damit auch langmütige Zuhörer. Musikalisch und textlich tendiert das eher in Richtung Helene Fischer oder Andrea Berg als zu Ich + Ich oder neuen deutschen Soul. Da hilft auch eine ambitionierte Band nicht. Der gebürtige Berliner, Jahrgang 1978, verschenkt seine Stimme und seine Bühnenpräsenz an mitunter wirklich sehr schwer erträgliches Schlagersurrogat.

Erst mit altem Liedgut stellt sich endlich so etwas wie Konzertatmosphäre ein: Stadt bricht das Eis – und dann ist da plötzlich wieder der alte Adel auf der Bühne. Der Charmebolzen, der die Lieder lebt, die er singt. Es müssen halt die richtigen sein, und Annette Humpe hat ihm bei Ich + Ich mit ihrem süffigen Deutsch-Pop und den bittersüßen Lebensratgeber-Texten offensichtlich die perfekten Songs auf den Leib geschrieben.

Und so ist es auch ein Lied von Humpe, mit dem Tawil den Auftritt in ein versöhnliches Finale münden lässt. Schnee hat Humpe für Tawils Solo-­Album geschrieben – und Tawil singt es mit Seele von einem Zuschauerplatz aus auf den Rängen. Unprätentiös, zwischen zwei Fans, die nach einem kurzen Augenblick des ungläubigen Staunens einfach mitsingen. Adel Tawil wirkt da im hautnahen Kontakt mit den Menschen sehr sympathisch und bei sich.

Fazit: Der Junge ist gut, er braucht einfach nur die richtigen Komponisten.

Zoran Gojic

Am Dienstag ist Tawil in der Stuttgarter Porsche Arena zu hören.

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