Konzertkritik

BAP auf dem Tollwood: Unfassbar

München - „Im Kölschen gibt es kein G“, ruft Wolfgang Niedecken in die Menge. Und kurze Zeit später hinterher: „Unfassbar.“ Genau das ist es auch, wie text- und dialektsicher sich am Sonntagabend das Münchner Tollwood-Familien-Publikum zu BAPs Geburtstagsparty präsentiert.

„Unfassbar“ ist das Stichwort des ganzen Abends: Es ist unfassbar voll, unfassbar heiß – und unfassbar gut. Der 65-jährige Kölsch-Rocker und seine fünf Musiker, von denen jeder Raum bekommt (grandios: Gitarrist Ulrich Rode), bieten wieder einmal musikalischen Hochgenuss. Neues vom aktuellen Studioalbum „Lebenslänglich“ und von „Die beliebtesten Lieder“ aus 40 Jahren (absichtlich nicht Best-of genannt). Allen voran das allererste „Helfe kann dir keiner“, das 1976 in Niedeckens Küche aus Liebeskummer und zwei Akkorden entsteht.

Es sind diese Geschichten, die der „Kölner Bob Dylan“ zwischendurch unter seiner Schirmmütze und mit kratzig-sanfter Stimme feinhumorig zu erzählen weiß. Wie er etwa 1988 im roten Hemd „Fortsetzung folgt“ bei „Wetten dass…?“ vorstellte, in der Sendung mit der getürkten Buntstift-Wette. Oder wie Autogramme immer mehr zugunsten von Selfies verschwinden. Vor „Vision vun Europa“ weist der „Politiker“ Niedecken auf sein Projekt Rebound für ehemalige Kindersoldaten hin. Vor dem Naidoo-Cover „Was wir alleine nicht schaffen“ holt er den befreundeten Multiinstrumentalisten Martin Kälberer mit einer Art Blasharmonika und den in München lebenden brasilianischen Saxofonisten Marcio Tubino auf die Bühne – wie zum Danke-Konzert im Oktober 2015. Ein paar Liebeslieder spielt er höösch, also entspannt, und magisch im Sitzen („Ihr wolltet ja stehen“) mit der abschließenden Erkenntnis: „Ihr seid schon ein romantisches Völkchen.“ Spätestens beim Gassenhauer „Verdamp lang her“ zum Abschluss des offiziellen Teils kocht das Zelt über. Mit mehreren Zugabeblöcken machen BAP dann die drei Stunden locker voll. Unfassbar.

Marco Mach

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