Konzertkritik

Willkommen im Dschungel! Guns N‘ Roses rocken das Olympiastadion

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Axl Rose.

Nach 20 Jahren Abstinenz kehren Guns N‘ Roses auf die Bühne zurück. Axl Rose und Co. gaben sich Dienstagabend im Münchner Olympiastadion die Ehre - unser Redakteur war dabei!

Fünf Minuten zu früh! Bereits um zehn nach acht stürmt Axl Rose, zähnefletschend, silberbehangen und erstaunlich bauchfrei die Bühne. Überpünktlich, das ist für Guns-N'-Roses-Verhältnisse eine kleine Sensation. Mit "It's so Easy" und "Mr. Brownstone" eröffnen die Rock-Legenden den Abend - und zünden gleich beim ersten Song die Pyrotechnik.

Der Sound kommt etwas breiig daher, doch der Applaus der 67500 Fans im Münchner Olympiastadion kann sich hören lassen. Wer sich durch das vorabendliche Vekehrschaos und die strengen Sicherheitskontrollen manövriert hat, hebt nun den Bierbecher zum Gruß. Es ist angerichtet für einen Abend voller Klassiker.

Und der erste lässt nicht lang auf sich warten. Unter Guns-N'-Roses-Sprechchören stimmt Slash die Töne an, auf die jeder im Stadion gewartet hat. "You know where you are", rasselt Rose wie in besten Zeiten ins rote Mikro. "You're in the jungle, baby". Der Rest ist Ekstase.

Zwei Jahrzehnte Funkstille

Mit ihrer "Not in this Lifetime"-Tour machen die Gunners Halt in München für eines von zwei Konzerten in Deutschland. Der Tournee-Titel ist ein Axl-Rose-Zitat, eine überholte Antwort auf die Wiedervereinigungs-Frage. Viele Fans hätten ihren Zylinder darauf verwettet, dass die Streithähne Rose und Slash in diesem Leben nicht mehr gemeinsam auf dieselbe Bühne steigen.

Mehr als zwei Jahrzehnte herrschte mehr oder minder Funkstille zwischen den beiden stilprägenden Bandmitgliedern - unterbrochen von ein paar Giftpfeilen über Namensrechte und Tantieme aus den Zeiten, in denen Guns N' Roses mit ihrem ungezügelten Hard Rock die angesagteste Rockband des Planeten war.

Das war Anfang der 90er. Mit ihrer "Use Your Illusion"-Tour brachen die Rockstars alle Rekorde und wohl auch das Nervenkostüm ihres Tourmanagers. Doch danach eskalierte der Streit zwischen Rose und Slash, der Drogenkonsum nahm bedrohliche Ausmaße an und die Band zerbröckelte. Rose setzte sich beleidigt im Baukastenprinzip eine neue Truppe zusammen, die sich nach dem Album "Chinese Democracy" und der anschließenden Tour bald wieder in alle Himmelsrichtungen verteilte.

Slash produzierte mit verschiedenen Formationen schnörkellosen Hard Rock und tourte durch die Hallen der Welt. Doch auch wenn er mit Velvet Revolver oder Myles Kennedy fleißig frisches und gutes Material lieferte, so warteten die Fans bei den Konzerten meist auf die magischen ersten Töne von Sweet Child O' Mine oder Paradise City. Der Geist der Gunners - er ließ ihn nicht los.

Guns N' Roses ganz ohne Drama? Gibt‘s nicht!

Deshalb verbreitete sich die Nachricht vom Comeback im vergangenen Jahr wie ein Lauffeuer. Slash und Rose wieder auf einer Bühne, dazu der Original-Basser Duff McKagan. Und sogar Drummer-Urgestein Steven Adler schaute bei einigen Auftritten vorbei. Nur Mitgründer Izzy Stradlin fehlt weiterhin - angeblich weil ihm seine Bandkollegen nicht genug vom üppigen Gagen-Kuchen abgeben wollten. Guns N' Roses ganz ohne Drama? Gibt's nicht.

Aber man ist ja schon froh, wenigstens das Trio wieder gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Routiniert spielt sich die Truppe durch ihr Repertoire - weil es kein neues Album gibt, sind das fast ausnahmslos Stücke, die ihre Live-Schlagkraft oft genug bewiesen haben. Und immer wenn die Körperspannung gerade etwas nachlässt, kommen Motivationshilfen wie "Live and let die", "Rocket Queen" oder "Civil War" und schütteln die Glieder.

Auch wenn Axl Rose nicht mehr so irrwitzig über die Bühne jagt wie früher, seine Stimme hört sich gut an wie lange nicht. Die Stimmgewalt braucht Rose allderdings auch, um neben den übertönenden Instrumenten im Ohr der Besucher anzukommen. Mr. Zylinder Slash schwurbelt sich derweil lässig wie eh und je durch die Pentatonik - egal, ob an seiner Paula oder der Doppel-Klampfe. Und je länger der Abend dauert, desto mehr verfestigt sich der Wunsch, dass der Burgfrieden zwischen den beiden Rockstars noch für die ein oder andere Tour halten möge.

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