Manchmal liegt auch er daneben

Konzertkritik: Kleine Sünden bei Jan Delay im Zenith

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Jan Delay.

München - Schon vor der Show von Jan Delay im proppenvollen Zenith war klar: Die neuen Werke füllen den Abend, die alten liefern die Stimmung - die Konzertkritik.

Manchmal liegt auch ein gefeiertes Pop-Chamäleon daneben. Wie Jan Delay mit seiner aktuellen Platte Hammer & Michel – der biedere Möchtegern-Rock überdeckt viel zu oft sein normalerweise so schön gepflegtes Faible für Groove, gute Harmonien und ideenreiche Texte. Und so war im proppenvollen Zenith schon vorab klar: Die neuen Werke füllen den Abend, die alten liefern die Stimmung.

Gerade beim aktuellen Fick klopften die Gitarren in ihrer Dramatik zu oft an die Kitsch-Grenze an, und bei Wacken hätte man am liebsten seine Siebensachen gepackt. Doch solche Freiräume für Experimentelles und kleine Sünden gehören im Delay-Universum dazu, und das weiß keiner besser als Oh Jonny, der von den Fans hörbar herbeigesehnt wurde.

Dann endlich sprangen, taumelten und johlten sie vor allem über die scharfen Bläser von Delays zwölfköpfiger Band Disko No. 1. Auch wenn sie oft vom Bass verschluckt wurden und wenn von Delays nasaler Stimme bei der Zenith-Akustik nur ein Quäken übrig blieb: Die Gassenhauer wie Türlich, Türlich wurden ihrer Funktion als Brandbeschleuniger gerecht. Und hätte Delay den Zugabenschlager Disko nicht ganz so zerstückelt, wäre das Fegefeuer ganz nah gewesen. Dem Genuss konnte man an diesem Abend trotz allem lange genug frönen.

A. Mayr

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

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