Philippe Jordan mit Philharmonikern

Konzertkritik: Lichtblick im Dunkel

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Dirigent Philippe Jordan enttäuschte.

München - Was assoziieren Sie zuerst mit einem Schweizer? Ruhe, Zuverlässigkeit, Bankgeheimnis? Der Dirigent Philippe Jordan erfüllt sämtliche Klischees, und man muss sagen: leider.

Ruhe in dem Sinne, dass sein Abend in der Philharmonie mit den Münchner Philharmonikern alles andere als aufregend war. Zuverlässigkeit in dem Sinn, dass man sich auf die immerselbe, einseitige Zeichengebung verlassen konnte. Da schwebt nichts, da wirkt nichts inspiriert, sondern abgezirkelt und trotz Ruderbewegungen steif. Die Klangergebnisse (fatal Beginn und Schluss des Lohengrin-Vorspiels zum ersten Akt – Beileid für die Musiker, die damit das Konzert beginnen müssen mit noch ungeübten Fingern) sind entsprechend. Man möchte allerdings am liebsten von Block I auf die Bühne stürmen, um die Hornisten zu herzen: Die haben bei ihrem ersten Wagner-Einsatz unfassbar schön und rund phrasiert.

Fehlt noch das Geheimnis: das Geheimnis, warum Jordan so hoch gehandelt wird. Das ätherische Lohengrin-A-Dur klingt maximal routiniert biedermeierlich, in Ligetis kniffligem Violinkonzert kann man froh sein, dass das Orchester trotz einiger rhythmischer Unschärfen passabel durchkommt, und Schumanns Zweite: Kann man wirklich über so viele Feinheiten hinwegwischen? Kein Zauber, keine Abgründe, nicht mal die trotzigen Jubelpassagen reißen mit. Einzig im Adagio, nach der ersten (an Bruckner weisende) melodisch aufsteigende Himmelsleiter und den anschließenden Trillerketten, gelingt ein schöner, schlanker und intensiver Übergang.

Doch es gibt einen Lichtblick in all der Dunkelheit. Der heißt Christian Tetzlaff und brilliert mit Feuer, Feinheit und Fantasie als Solist beim Ligeti. Hoffen wir, dass Philippe Jordan und die Philharmoniker nur einen schlechten (schlecht geprobten?) Tag hatten. Noch haben sie zwei Chancen.

Matthias Bieber

Noch Sa. und So., Tel. 54 81 81 81.

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