Konzertkritik

„Video Game Music“ in Concert: Wo die „Angry Birds“ zwitschern

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Das Münchner Rundfunkorchester lockte die „Generation PlayStation“ ins Konzert.

Bei diesem Konzert wurde der Taktstock zum Spiele-Controller. Und die „Generation PlayStation“ entdeckte klassische Musik. Das Münchner Rundfunkorchester lockte mit „Video Game Music in Concert“ eine ganz neue Zielgruppe ins Prinzregententheater.

München - Kinder, Wollmützenträger, jede Menge Tattoos, nerdiges Volk mit Geldstück-großen Tunnels in den Ohren – Maestro Everding wäre hingerissen gewesen, wie kunterbunt es plötzlich in seinem Theater zuging. Frei von Schnickschnack, ohne Spiele-Projektionen, standen die Werke legendärer Komponisten wie Nobuo Uematsu oder Chris Hülsbeck im Mittelpunkt.

Die Titelmusik von „Angry Birds“, die sonst nur blechern aus dem Handylautsprecher scheppert, klang wie ein fideles Volkslied aus den finnischen Wäldern. Hier hatten die Musiker sichtlich Spaß am Albern, am lustigen Geflöte. Und bei jedem Klopfen auf Celli und Kontrabässe hatte man vor Augen, wie im Spiel gerade wieder eines der diebischen Schweinchen erlegt wurde.

Aus einer völlig anderen Welt kommen die Symphonien des japanischen Großmeisters Uematsu. Seine Musik aus dem Rollenspiel „Final Fantasy VI“ war die Krönung des Abends. 18 Minuten lang erzählte das Orchester die Geschichte der jungen Magierin Terra Branford, von ihrem Kampf gegen Imperator Gestahl. Die Handlung wogte hin und her, und man mochte kaum glauben, wie grandios Uematsus Musik dieses Märchen nachzeichnet. Ein Maler statt Mahler – auch für Dirigent Eckehard Stier war es ein ungewöhnlicher Abend. „Ich bin ergriffen“, gestand er dem fachkundigen Moderator Nino Kerl. Und dass sich ein Dirigent bei seinem Orchester erkundigt, „Macht Ihnen das Spaß?“, erlebt man auch nicht alle Tage. Oh ja, alle Beteiligten und Zuhörer hatten großen Spaß. Obwohl das Nintendo-Maskottchen im Programm wegblieb, war die Begeisterung riesig. Dieses Konzert war auch ohne Mario super.

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