Zum letzten Mal in München?

Konzertkritik zu den Rolling Stones: Ein Meilenstein im Olympiastadion

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Lord Gaga und die Indianerin: Mick Jagger (links) und Keith Richards 

Sie können es noch! Die alterswilden Rolling Stones haben am Dienstagabend ein umjubeltes Konzert im ausverkauften Olympiastadion gespielt - hier lesen Sie unsere Kritik.

München - Mitte des Konzerts in München, und Mick Jagger singt „You can’t always get what you want“. Du kannst nicht immer kriegen, was du willst. Von wegen! Seit Dienstagabend darf diese Weisheit der Rolling Stones als überholt gelten. Denn was die größte Rockband der Welt im Olympiastadion auf die Bühne stellte – das war ganz genau das, was die Fans wollten. Und noch mehr! Das war überragend, sensationell, ein Meilenstein. 70.000 Stones-Süchtige feierten Mick, Keith und ihre Kapelle. Motto: „Mick, warum hast Du so einen großen Mund?“ „Damit ich besser für Euch singen kann!“ Beim zweiten Konzert der „No Filter“-Europatour wurde klar: Die Stones (im Schnitt resche 73) sind alterswild!

Horrende Ticketpreise: Kies für Kieth ist gut angelegt

Zumindest kurzfristig hat Mick Jaggers traditioneller Voodoo-Regentanz vor dem Konzert funktioniert. Kein Regen im Olympiastadion, als die Party um 20.32 Uhr ihren Lauf nimmt. Der Regen kommt erst später. Räudig, anarchisch und teuflisch legen die Stones los, getaucht in blutrotes Licht, mit „Sympathy for the Devil“. Huuuh huuuh! „Please allow me to introduce myself, I’m a man of wealth and taste“, so stellt sich Mick im Glitzersakko bei den Münchnern vor. Dass er Geschmack und Zaster ohne Ende hat, wissen wir aber eh. Und bei Kartenpreisen von bis zu 680 Euro ist er nach dieser Tour noch steinreicher. Doch den Stones sei das Geld gegönnt. Kies für Keith ist gut angelegt.

Mit „It’s only Rock ‘n’ Roll (But I like it)“ und „Tumbling Dice“ geht die Sause stürmisch weiter. Das Sensationelle an dieser Band ist ja: Es gibt mindestens so viel zu schauen wie zu hören. Mit freiem Auge erspäht man zwar nur vier kleine Mannschgerl, so ist das halt beim Stadionrock. Aber gottlob reichen die vier brillanten Videowände fast bis rauf zum Zeltdach, und zeigen jeden dieser herrlichen Kerle mit ihren herrlichen Falten in voller HD-Pracht.

Die Stones auf der Bühne: Immer noch ein Ereignis

Der Breitmaulmick gockelt wie eh und je, und kann als Diva locker mit Lady Gaga konkurrieren. Er ist Lord Gaga, und schäkert auf Deutsch mit den Münchnern: „Servus Minga, wir sind heute zum neunten Mal in diesem Stadion. Das ist olympischer Rekord.“ Keith Richards ist, nun ja, so bewegungsfreudig wie ein Stein, der nicht mehr rollen mag. Aber Gitarre spielt Keef gewohnt rotzig und klampfeslustig. Mit seinem Stirnband erinnert er an einen alten Hutzel-Indianer, vielleicht auch an eine Hutzel-Indianerin. Augen auf, und er schaut aus wie 80. Augen zu, und er klingt wie 20. Ein Ereignis ist beides. Dazu der distinguierte Schlagzeug-Sachbearbeiter Charlie Watts, der Prinz Philip des Trommelns, und „Neuzugang“ (hahaha) Ron Wood, mit gerade erst 70 das Küken. Was für ein Quartett!

Zusammen mit den bewährten Fachkräften Darryl Jones (Bass) und Chuck Leavell (Keyboards) servieren die Stones erdigen Sound, nicht so glattgebügelt wie vor zwanzig, dreißig Jahren, als sie einfach noch zu jung waren. Die Songauswahl ist famos, von „Miss you“ bis „Honky Tonk Woman“. Eines der absoluten Highlights: eine epische Version von „Paint it Black“ in aller psychedelischen Pracht und Schönheit.

Am Ende: Jubel – und ein wenig Wehmut. Die große Frage: „This could be the last time“, war’s wirklich das letzte Mal? Ach was! Wer mit einem Altersdurchschnitt von 73 so ein Spektakel hinlegt, der schafft das auch noch mit 78. Man will ja nicht schwarz malen.

Video: Wow! Die Rolling Stones live für 4 Euro - das gab es schon mal

Video: Glomex

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