Filmfest startet am Freitag

Ein Leben für den Film: Diana Iljine im Interview

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Diana Iljine erinnert sich an ihre Filmfest-Zeit mit Audrey Hepburn im Jahr 1992.

München - Das dritte Jahr leitet Diana Iljine (49) das Filmfest München – und würde den Job am liebsten nie mehr hergeben, so viel Spaß und Befriedigung gibt er ihr.

Und der Erfolg gibt ihr recht: eine Mischung aus Stars, die für Aufmerksamkeit sorgen, und einem Publikums-Festival für alle – das ist das Konzept. Mit Berlin kann München natürlich nicht konkurrieren, die Berliner haben ein x-Faches an Budget – aber gleich danach folgt die bayerische Landeshauptstadt in puncto Filmfestivals in Deutschland.

Iljine hat sich mit Leib und Seele dem Film verschrieben. Die Initialzündung kam mit 17 Jahren, als sie mit ihrem damaligen Freund im Kino saß. Doch lesen Sie selbst:

Frau Iljine, was war das Erweckungserlebnis? Wie kamen Sie zu Ihrer Film-Leidenschaft?

Diana Iljine: Ich war 17 Jahre jung, sehr verliebt und saß mit meinem damaligen Freund im Kino. Ich weiß noch: Es war Wim Wenders’ Der Stand der Dinge. Mein Freund war damals schon ein ausgesprochener Filmfreak, und ich empfand ganz plötzlich diese Spannung, diese Schönheit, dass ich ab diesem Zeitpunkt wusste: Später werde ich einmal etwas mit Film machen.

Noch schöner ist es, wenn man mit seinem Partner in einem Film unausgesprochen dasselbe fühlt …

Diana Iljine: Das ist natürlich das Höchste. Aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass man mit so einem Menschen auch leben kann (lacht).

Warum sind Sie vom Film mehr fasziniert als von jedem anderen Genre?

Diana Iljine: Es ist zunächst einmal ein schönes Gemeinschaftserlebnis im Dunkeln. Noch schöner, wie gesagt, wenn man verliebt ist. Und mir geht diese Kombination aus Licht und Bild und Ton direkter ins Herz als alles andere. Für klassische Musik muss ich beispielsweise noch entspannter sein, um das richtig zu genießen. Bei Film geht das viel schneller und unmittelbarer.

Apropos Klassik: Sie zeigen eine sehr unkritische Dokumentation über Valery Gergiev. Der künftige Chef der Münchner Philharmoniker ist ausgesprochener Putin-Freund und keiner, dem eine intensive Probenzeit mit seinen Orchestern nachgesagt wird. Sorgt das nicht auch für Dissonanzen?

Diana Iljine: Ich sag Ihnen was: Mir ist die politische Diskussion um den Menschen Gergiev als Festival-Chefin egal. Die Hauptsache ist für mich, dass der Film gut ist, das ist mein ästhetischer Anspruch. Und dieser Film ist richtig gut geworden.

Wenn Sie einen schönen Film gesehen haben – wollen Sie sich dann gleich darüber austauschen?

Diana Iljine: Nein, im Gegenteil: Ich hasse es, wenn die Leute sofort loslegen, wenn das Licht angeht, und den Film auseinandernehmen. Ich will das nachwirken lassen.

Im langen Gang des Filmfest-Büros in der Sonnenstraße hängen etliche Fotos von Stars, die im Laufe der Jahrzehnte schon auf dem Filmfest waren. Etwa auch eines von Audrey Hepburn mit ihrem damaligen Mann …

Diana Iljine: … und dieses Erlebnis war für mich ganz besonders. Ich war damals freiberuflich mit dabei und hatte das Glück, Audrey Hepburn betreuen zu dürfen. Sie war ein so feiner Mensch, die aus ihrem Ruhm das Bestmögliche gemacht hat: Sie hat viel Geld an Unicef gespendet und war auch Unicef-Botschafterin. Und: Sie war wirklich interessiert an mir, sah mich nicht als irgendeine zugeteilte Studentin – und gab auch selbst etwas von sich preis.

Nämlich?

Diana Iljine: Sie erzählte mir, dass sie nach all den Jahrzehnten im Jahr 1992 das erste Mal wieder in Deutschland war. Sie war Britin, die in Belgien geboren wurde und während des Zweiten Weltkriegs großes Leid in den Niederlanden erleben musste. Audrey Hepburn hat meine Erfahrungen bestätigt: Je größer ein Star ist, desto bescheidener ist er.

Wie lange wollen Sie – ganz unbescheiden gefragt – das Filmfest noch leiten?

Diana Iljine: Ganz unbescheiden: Ich hoffe, so lange es geht. Das ist wirklich ein Traumjob. Und ein großer Luxus, in dem künstlerischen Metier arbeiten zu dürfen, das ich am meisten liebe.

Nochmals ganz unbescheiden: Welchen Star möchten Sie gerne auf dem Filmfest München begrüßen?

Diana Iljine: Ich träume von Christopher Walken. Ich träume von Uma Thurman. Und ich bin froh, dass ein Traum nun in Erfüllung geht: Isabelle Huppert. Endlich!

Interview: Matthias Bieber

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