tz-Interview

Ute Lemper: Mit "Chicago" in Berlin - und bald in München

+
Ute Lemper hilft mit Rat und Tat bei der "Chicago"-Produktion.

München - Ute Lemper hat seit knapp 15 Jahren keine Musical-Rolle angenommen, gibt stattdessen Konzerte und macht Kino – doch als Beraterin ist sie gefragt, wie jetzt bei Chicago. Die Titelpartie der Velma hat sie lange am Broadway verkörpert. Wir waren im Berliner Theater des Westens und haben mit Lemper gesprochen. Im kommenden Jahr gastiert die Produktion im Deutschen Theater.

Kleiner Proberaum, große Anspannung. Doch dann: Erleichterung. Denn Ute Lemper (52) gefällt, was sie sieht – insbesondere die neue Chicago-Hauptdarstellerin Caroline Frank (38): „Du bist perfekt! Du bist sexy, klug und stark – eine echte Powerfrau eben“, schwärmt Lemper von ihrer Nachfolgerin.

Frau Lemper, Denken Sie oft an Ihre Zeit bei „Chicago“? 

Ute Lemper: Absolut. Ich liebe dieses Musical – die mitreißende Musik und vor allem die legendären Choreografien von Bob Fosse, bei denen jede noch so kleine Bewegung Bedeutung hat. Chicago ist wie ein Virus – es lässt einen nicht mehr los.

Wie fühlt es sich an, Botschafterin dieses Musicals zu sein? 

Lemper: Großartig. Für mich ist dieses Ehrenamt eine Art Reise in die Vergangenheit. Ich liebe es, meine Erlebnisse und Erfahrungen mit der nachfolgenden Generation zu teilen. Außerdem spreche ich sehr gerne über die Bedeutung des Stücks.

Die da wäre? 

Lemper: Chicago ist nicht nur ein unglaublich heißes und verführerisches Musical, sondern bietet zugleich auch eine Geschichte, die aktueller nicht sein könnte. Das Stück ist bissig, direkt und schonungslos. Es handelt von Liebe, Lüge, Eitelkeit und dem unermüdlichen Streben nach Berühmtheit – Showbusiness auf Teufel komm raus. Es ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der Leute wie Kim Kardashian alleine wegen ihres Hinterns berühmt sind.

Wie wichtig ist Ihnen öffentliche Anerkennung?

Lemper: Es war nie mein Ziel, berühmt zu werden. Ich habe meine Arbeit geliebt – insbesondere die eigenständige Interpretation meiner Rollen. Wenn dann nebenbei noch ein bisschen Ruhm angefallen ist, dann war das eine Begleiterscheinung, mehr nicht.

Gibt es trotzdem eine Verbindung zu Ihrer Paraderolle? 

Lemper: Ja, ich habe der Velma quasi ein Stück meiner verrückten und zugleich burschikosen Identität auferlegt. Außerdem verbindet uns unsere Direktheit. Die ist übrigens auch der Grund dafür, dass das Musical perfekt nach Berlin passt.

Inwiefern sind Sie burschikos? 

Lemper: Ich verkörpere nicht den typischen amerikanischen Perfektionismus. Chicago trägt das Berliner Kabarett, die alte Zeit in sich – da war auch nicht immer alles wunderschön. Solange etwas aus dem Bauch heraus kommt, kann es auch unperfekt sein – und dann ist es sogar fast noch besser. In dem Stück gibt es keine Ballerinen, sondern Powerfrauen, die aufstampfen und zugleich verführen können.

Wie kommt es, dass Sie seit „Chicago“ keine Musical- Rolle mehr angenommen haben? 

 Lemper: Weil ich in meinen eigenen Konzerten wesentlich glücklicher bin. In einem Musical singt man drei, maximal vier Lieder. In meinen eigenen Konzerten habe ich die Möglichkeit, bis zu 16 Lieder aus ganz unterschiedlichen Genres zu singen. Da ist die künstlerische Befriedigung einfach größer.

Sie sagten, dass die aktuelle „Chicago“- Produktion perfekt nach Berlin passen würde. Wird es das Musical in München schwerer haben?

Lemper: Das zu beurteilen, liegt leider nicht in meiner Macht. Aber auf der Bühne kann man in München natürlich alles machen. Man muss sich nur bewusst sein, dass die Produktion keine bayerische Mentalität, sondern eine ganz direkte, satirische Dimension besitzt.

Was ist Heimat für Sie?

Ich lebe nun seit 18 Jahren in New York. Die Stadt ist mein Zuhause, aber nicht meine Heimat – das sind zwei Paar Stiefel. Eigentlich bin ich heimatlos im positiven Sinn. Ich bin ein freier Mensch und liebe das Gefühl, entwurzelt zu sein.

Was sagen Ihre vier Kinder zur berühmten Mama? 

Die sind sehr stolz. In New York wirbt das Musical ja immer noch mit den alten Plakaten, auf denen mein Gesicht zu sehen ist. Mein Sohn meinte neulich: „Mama, ich hab dich gerade vorbeifahren sehen.“

Sarah Brenner 

Auch interessant

Meistgelesen

James Blunt in der Oly-Halle: Publikum flippt völlig aus
James Blunt in der Oly-Halle: Publikum flippt völlig aus
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Erstaunlich, nicht erwachsen: München feiert Elektropop-Sängerin Lorde 
Erstaunlich, nicht erwachsen: München feiert Elektropop-Sängerin Lorde 

Kommentare