Konzertkritik

Lenny Kravitz in der Olympiahalle - das coole Cleverle

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Lenny Kravitz (50) lässt’s krachen.

München - Lenny Kravitz legt in der ausverkauften Olympiahalle einen grandiosen Abend hin. Er weiß eben einfach, wie er's machen muss - die Konzertkritik:

Am Anfang denkt man sich: Oh oh, das Licht geht nicht. Dirty White Boots wird fast im kompletten Dunkel gespielt. Mit viel Fantasie kann man zumindest einen nicht besonders großen Mann in einem langen dunklen Ledermantel vorne am Bühnenrand erahnen. Das muss ja dann Lenny Kravitz sein. Und schon mit der ersten Gesangszeile ist es klar: Das ist Lenny!

Der Schlingel hat übrigens an diesem grandiosen Abend noch ein paar andere Tricks auf Lager. Der beste: Mit seinem eher betulichen vorletzten Album hat er eine komplett falsche Fährte gelegt. Im Konzert zeigt er die echten Farben. Kurz gesagt: Es rockt. Und zwar gewaltig (Olympiahalle, voll).

Die Fans sind begeistert.

Das coole Cleverle Kravitz weiß schon, wie man’s machen muss. Er hat eine Bande erstklassiger Musiker engagiert, die dem Chef ein gewaltiges Brett aus Gitarrenriffs, rollendem Bass und vor allem atemloser Schlagzeug-Akkordarbeit hinlegen. Cindy Blackman spielt mit der akuraten Härte einer Münzprägemaschine und treibt den Rest resolut vor sich her. Die Frau ist sensationell. Aber wer ist das schon nicht in dieser Band? Das zeigen sie, vom Trompeter bis zum Keyboarder, in einer wüsten Jazzorgie, in die das eher harmlose Mama Said rauscht: Wie eine Herde Elefanten brettern Lenny und seine Gang fast zehn Minuten lang durch die Ohren. Schöne Grüße von Prince. Spätestens dann sind alle wach in der Oly.

Das ist vielleicht der Hauptunterschied zu Lenny von früher: mehr Musik, weniger Sex. Es gab ja mal ein Konzert von ihm in München, da war die Atmosphäre so erotisch, dass einem wegen 15 Minuten Rausgehens zum Bierholen von den Mädels nebendran nachher unterstellt wurde, man hätte unten in den Katakomben einen Quickie geschoben. Andererseits kommt in den zwei Stunden auch nie das vorher sorgfältig gepflegte Gefühl auf, man könnte ein neueres Kravitz-Album auch als Hintergrundmusik in der Cafeteria einer Seniorenresidenz laufen lassen, während die Herrschaften ihre Petit fours schnabulieren. Die schon erwähnte falsche Fährte. Live ist eben Live.

Schon bald knallt American Woman aus den Boxen, ein Lichtgewitter begleitet das und weitere alte Bekannte, die so frisch wie eh und je klingen. Die Lautstärke steigt, kaum einer sitzt mehr im anfangs eher zurückhaltenden Publikum. Dancing Till Dawn ist angesagt. Die Fäuste fliegen hoch, die Refrains werden tausendstimmig mitgesungen. Mit dem wunderbaren Fly Away und dem furiosen Finale Are You Gonna Go My Way verabschiedet sich Lenny Kravitz.

Er hat’s mal wieder geschafft, eine Marke zu setzen. Es hilft eben schon, wenn einer ein richtiger Musiker ist.

lux

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