Start am Mittwoch

Literaturfestival: Jede Menge Stars und Hirnfutter

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Rufus Beck ist beim Münchner Literaturfestival dabei.

München - Der Eber vor dem Jagdmuseum macht’s ganz klar: Wer liest, hat Schwein. Was jeder, der sich gerne in die Welt der Fantasie verkriecht, nur unterschreiben wird.

Wahre Bücherratten fiebern auf den heutigen Tag hin, denn heute beginnt das diesjährige ­Literaturfest München. Bis zum 7. Dezember haben sich jede Menge Stars angekündigt – die Nobelpreisträger Günter Grass und Hertha Müller etwa, dazu der Ex-Hanser-Chef und Lyriker Michael Krüger, der britische ­Skandalkünstler und Bayreuth-geschasste Jonathan Meese, Filmabende, Workshops und vieles mehr (siehe unten). Wir haben drei Mitwirkende des Festivals vier identische Fragen gestellt.

Hans Well

1. Ich hoffe es. Weil das Medium etwas hat, das unersetzbar ist. Beim Buch hat man was in der Hand, und es ist auch bei Stromausfall praktikabel. Zur Not bei Kerzenlicht.

2. Für mich schon. Ich kenne aber Leute, für die Schnaps oder Dahoam is dahoam wichtiger ist. Zwei tödliche Drogen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er braucht auch geistige Nahrung. Nicht gerade die ADAC-Zeitschrift. Lesen ist Abtauchen in eine andere Welt voller Facetten. Fernsehen kann nicht diese Bilder im Kopf erzeugen.

3. Ich hab schon immer wahnsinnig viel gelesen. Auf dem Weihnachtszettel stand regelmäßig Karl May. Der war für mich wichtiger als Adorno. Ich las alles von Bastei-Heimatromanen bis zu den russischen Erzählern – Tolstoi, Gogol, Dostojewski. Mit acht, neun Jahren. Verstanden habe ich natürlich nix, aber das war egal.

4. Ich lese so gut wie alles. Außer Mathematik-Bücher. Und: Man liest ein Buch jedes Mal wieder anders. Derzeit interessieren mich vor allem Geschichtsbücher, die Räterepublik in Bayern nach dem Ersten Weltkrieg. Ich halte es da wie Feuchtwanger: „Geschichte wird durch Geschichten lebendig.“ So, wie er es in Erfolg gemacht hat. Ein Buch muss für mich nicht aktuell sein – es muss akut sein.

Michael Lerchenberg liest aus Feuchtwangers „Erfolg“, Hans Well und seine Wellbappn musizieren dazu. 23 November, Literaturhaus, 11.30 Uhr.

Rufus Beck

1. Ja, es wird eine Vintage-Bewegung geben, und Bücher werden Luxus- und Lifestyle-Element sein. Es wird schick und hip sein, ein echtes Buch in die Hand zu nehmen. Der Slogan: „Nie wieder Datenverlust! Zurück zu den Roots!“

2. Lesen ist nicht wirklich lebenswichtig, auch als Analphabet kann man schlecht und recht überleben – aber es erleichtert ungemein unseren täglichen Informationsaustausch. Und es ist bereichernd für den, der die Muse und die Fähgikeit hat, sich mittels Literatur in eine andere Welt zu fantasieren.

3. Karl May – die Sommerferien waren für mich Karl-May-Festspiele.

4. Ich bin ja Profileser, und manchmal lässt sich mein Beruf mit dem privaten Vergnügen vereinbaren. Mein persönliches Buch braucht „Blood, Sweat und Tears“ (Blut, Schweiß und Tränen, d. Red.).

Rufus Beck, Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher, liest am 25. November Matt Haig (anwesend) im Gasteig, 19 Uhr.

Jule Ronstedt

1. Es ist für mich unvorstellbar, nicht mehr auf Papier zu lesen. Das Um- und Zurückblättern ist etwas ganz anderes als das zweidimensionale E-Book. In ein Buch kann man viel tiefer eintauchen als in ein digitales Medium.

2. Lesen ist Bildung, Weiterbildung, Input. Jeder weiß, wie wichtig das ist. Man kann sich selbst weiterdenken und an den Gedanken der anderen teilhaben.

3. Ich war als Kind totaler Fan von Christine Nöstlinger. Sie hat mir klargemacht, dass man mit Sprache spielen kann. Die Österreicher haben ohnehin den Hang dazu. Wolf Haas hat eine ganz ähnliche Lust an Worten und eben auch diese gute Portion Humor, die immer so mitschimmert.

4. Ich bin nicht so eine Romantante – was auch an meinem Beruf liegt, wo ich mich ja viel mit Geschichten auseinandersetze. Ich liebe auch Sachbücher, weil die Realität oft genug unfassbar ist.

Jule Ronstedt („Wer früher stirbt ist länger tot“) liest am 26. November im Literaturhaus aus Tom Rachmans „Aufstieg und Fall großer Mächte“. 20 Uhr, Rachman ist anwesend.

Alles Wesentliche zum diesjährigen Bücher-Festival

Das Literaturfest hat drei Schwerpunkte: Zum einen findet wieder das forum:autoren statt, das heuer vom Starautor Clemens Meyer kuratiert wird. Hier wird frisch mit den Genres gespielt – zur Literatur gesellen sich Bildende Kunst, Theater, Film, Musik und mehr. Die Bücherschau im Gasteig bietet an 18 Tagen jeweils 15 Stunden freien Eintritt in die Welt der Bücher. Mit Gästen wie Günter Grass, dazu Workshops und vieles mehr. Und das Literaturhaus setzt auf klassische Lesungen mit u. a. Martin Walser. Infos: www.literaturfest-muenchen.de

Matthias Bieber

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