Magnifico: Wunderwelt der Träume

München - Magnifico , André Hellers neueste Produktion, feierte in München Weltpremiere. Das sagt unser Kritiker zu der Show: 

Ja, es ist ein Balanceakt, den André Heller in seiner jüngsten Show Magnifico präsentiert, zelebriert – und der fasziniert. Ein Balanceakt zwischen klassischem Zirkus und Varieté, neuester Stand. Ein Balanceakt zwischen Traum und Realität – und ein Balanceakt zwischen Mensch und seinem – Hundeliebhaber weggelesen – treuesten Gefährten, dem Pferd. Fazit: Surreal ist super!

Magnifico ist dabei alles andere als „nur“eine Pferdeshow, wie man im Vorfeld der Münchner Welt­premiere vermuten konnte. So etwas kennt man ja von der Konkurrenz zur Genüge, und Heller ist schließlich der unbestrittene König der Fantasie für großen Bühnenzauber. Nein, die Pferde-Nummern nehmen nur etwa ein Viertel des gesamten Abends ein – doch die atmen Perfektion, die zum Glück alles andere als kalt ist. Sondern einen schnurstracks mitnimmt durch Raum und Zeit, die mit unserem schnöden Alltag rein gar nichts zu tun hat.

Magnifico: Die traumhafte Show von André Heller

Premiere: "Magnifico" von Andre Heller

Schließlich geht es ja auch um die bessere Welt, die Welt – ach was, den Kosmos – der Illusion. Was das Einhorn Magnifico, der titelgebende Held des Abends, träumt, das wird auf der Bühne umgesetzt. Man mag bemäkeln, dass im zweiten Teil des Abends dieser rote Faden so ziemlich verloren geht, dass die Story, die zu Beginn von einer weiblichen Stimme erzählt wird, ein bisserl dünn ist und nicht trägt. Aber wen stört das? Träume sind schließlich nicht steuerbar, und die Fülle an Farben, Emotionen, sinnlichen Sensationen – inklusive der abwechslungsreichen, bis ins Detail auf die Show abgestimmten Musik – ist einfach nur zum Wiehern, pardon: Jubeln.

Wie etwa die Nummer des Mobile-Mannes kurz vor der Pause. Der steht auf der Bühne, hat eine Stange quer über seinen Handrücken. Erinnert an einen Dinosaurierknochen. Und dann schichtet er eine Stange unter die nächste, bis ein meterlanges Skelett entsteht, das von ihm weg in den Raum wächst. Salvador Dalí, der große spanische surrealistische Maler, der einmal von der Videowand im Hintergrund dutzendfach grinste, zwinkerte, grimassierte, hätte seine Freude dran gehabt – das Publikum verabschiedete den kapitalen Knochenmann mit Ovationen.

Durchatmen? Das können Sie maximal nach der Show, wenn Sie von dem Land der tausend Abenteuer schwärmen, das Ihnen Hellers 150 Akrobaten und Traum-Tänzer kredenzen. Schwer zu entscheiden, das konnte man nach der Aufführung hören, was nun das absolute Highlight war. Die großartigen verschiedenen Scherenschnitte, von Menschenkörpern geformt? Die fulminanten Tanz-Einlagen? Die revolutionären Pferdenummern? Oder was dieser Chinese mit dem Geschirr alles anstellen kann? Nachahmung übrigens, wie bei allem, nicht empfohlen – und natürlich auch nicht möglich. Aber träumen, träumen kann man davon.

Übrigens: Damit man nicht endgültig in Tiefen-Trance fällt, gibt’s immer wieder witzige Erdungen. Dazu zählt die grüne Fliege Leopold, die den Ablauf gerne mal durcheinanderwirbelt – oder, Männer aufgepasst, eine riesige Hand mit mächtigem Ehering, die einen flüchtenden Ehemann verfolgt. Sie sehen: Aus Träumen können auch schnell Albträume werden. Strahlende Gesichter überall am Schluss – natürlich auch bei den Ehepaaren …

tz

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