Konzertkritik

Metal Assault: Überirdisch in Unterfranken

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Mühelos in höchste Höhen: Riot-Sänger Todd Michael Hall - im Hintergrund Gitarrist Mike Flyntz.

Würzburg - Riot zelebrieren beim vierten "Metal Assault"-Festival in der Würzburger Posthalle eine Sternstunde des US-Metal - die tz strahlte mit.

Fassungslos-glückliche Gesichter, ekstatische Jubelschreie und eine Band, die um ihr Leben spielte - was an diesem späten Samstagabend in der Würzburger Posthalle abging, lässt sich mit Worten nur unzureichend beschreiben. Der Gig der New Yorker US-Metal-Legende „Riot" war schlichtweg überirdisch. "Eines der fünf besten Metalkonzerte, das ich je gesehen habe“, fasste ein Szene-Urgestein das Erlebte später glückselig zusammen. Und Veranstalter Oliver Weinsheimer postete am Sonntag bei Facebook: „Ich glaube, wir sind uns einig, dass Mark Reale bei diesem Gig im Geiste bei uns war und ihn zu einer unglaublichen Erfahrung gemacht hat.“ Keiner der rund 1000 Augen- und Ohrenzeugen wird diesem Fazit ernsthaft widersprechen wollen.

Der am 25. Januar 2012 an Morbus Chron verstorbene Bandgründer und Meistergitarrist Reale wird auf seiner Wolke stolz gelächelt haben; 100 Minuten lieferte die Band um Bassist Don Van Stavern und Gitarrist Mike Flyntz einen Querschnitt aus dem 35-jährigen Schaffen Riots - angefangen bei „Narita" über "Johnny’s Back", "Fire Down Under", "Altar Of The King“ bis hin zu neueren Granaten wie „Wings Are For Angels“ und dem noch unveröffentlichten „Metal Warrior". 19 Songperlen insgesamt, abgeschlossen von den Zugaben „Warrior“ ("Shiiine, shine ooooon!") und „Thundersteel", bei denen Neu-Sänger Todd Michael Hall bewies, dass er zu den Allerbesten seiner Zunft gehört. Mühelos erklomm der 44-Jährige höchste Höhen, das Ganze mit einem Punch, der selbst seinen Vorgänger Tony Moore vergessen ließ. Bitte schleunigst wiederkommen die Herren!

Ein Satz, der für die andere US-Metal-Legende des Festivals leider nicht gilt. „Omen" wurden ihrem großen Namen beim "30 Jahre Battle Cry“-Gig nur in Ansätzen gerecht. Gitarrist Kenny Powell machte einen ziemlich derangierten Eindruck, entsprechend unsauber klangen seine Riffs. Neu-Sänger Matt Storey mühte sich zwar nach Kräften, an die Klasse eines George Call kam er allerdings nicht heran. Eine höchst mittelmäßige Darbietung einer einst legendären Band. Auch wenn’s hart klingt, aber in dieser Form kann man selbst als Metal-Traditionalist auf „Omen" gut verzichten.

Viel besser machten ihren Job die reformierten Thrasher von „Poltergeist". Für nicht wenige Fans, den Rezensenten eingeschlossen, war der einstündige Gig der Basler hinter „Riot" der zweite große Höhepunkt des Tages. Die perfekt sitzenden Riffs von V.O. Pulver und seiner extrem tighten Gang animierten zum Rauskramen der drei Studioscheiben von vor über 20 Jahren. Ein neues Album soll in Arbeit sein. Gut so!

Auch „Skyclad" und die NWOBHM-Veteranen von „Jaguar" blieben ihren Fans nichts schuldig. Spielfreude pur aus England, da war der uninspirierte Gig der US-Thrasher von „Funeral Nation“ schnell wieder vergessen. Dazu mit „Stallion" aus Ravensburg (geile Hose aber auch!) und den finnischen „Exciter"-Freaks von „Speedtrap" noch zwei hoffnungsvolle Newcomer, nicht zu vergessen die unterhaltsamen "Savage Grace"-Nachfolger "Masters Of Disguise“ (mit karnevalesken Cop-Auftritten) - das ist die Mischung, die stählerne Herzen glücklich macht. Ein ganz starkes Festival, das die Vorfreude aufs Keep It True Ende April nochmal gesteigert hat.

"Horns up!" für Oli Weinsheimer und sein fabulöses Team!

Ludwig Krammer

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