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Metal für die Massen: Metallica wird 40 Jahre alt

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Von: Dominik Göttler

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James Hetfield 2015 beim Metallica-Konzert im Münchner Olympiastadion.
James Hetfield 2015 beim Metallica-Konzert im Münchner Olympiastadion. © Martin Hangen

125 Millionen verkaufte Alben, neun Grammys, Rock and Roll Hall of Fame. Metallica, die größte Metal-Band der Welt, feiert heuer gleich doppelt Geburtstag.

Die Geschichte der größten Metal-Band aller Zeiten beginnt mit einer Zeitungsanzeige. „Schlagzeuger sucht andere Metal-Musiker zum Jammen. Einflüsse: Tygers of Pan Tang, Diamond Head, Iron Maiden“, annoncierte ein gewisser Lars Ulrich im Magazin „The Recycler“, nachdem er 1979 mit seinen Eltern aus Dänemark nach Kalifornien gezogen war. James Hetfield, wie Ulrich gerade 16 Jahre alt, lädt nach der Anzeige zum Vorspielen ein – und ist enttäuscht.

Ziemlich armselig sei das gewesen, erzählt er später. Doch mit seiner umfassenden Plattensammlung und der Zusage für einen Song auf einem Metal-Sampler ködert Ulrich den skeptischen Hetfield dann doch. Am 28. Oktober 1981 gründen die beiden die Band Metallica. Sie schreiben ihren ersten Song „Hit the Lights“. Die Lichter waren an. Und wie!

Metallica hat Heavy Metal massentauglich gemacht

40 Jahre nach den ersten Jams in der Garage liest sich die Bandbilanz so: Mehr als 125 Millionen verkaufte Alben, neun Grammy-Awards, Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame. Die erste Band der Welt, die in einem Jahr auf allen sieben Kontinenten (inklusive der Antarktis) aufgetreten ist. Und die Bandshirts hängen in sämtlichen Fußgängerzonen der westlichen Welt bei H&M im Schaufenster. Metallica hat Heavy Metal massentauglich gemacht. Und feiert heuer gleich doppelt Geburtstag.

40 Jahre Metallica ist der eine Grund für Konfetti. Der andere: Vor 30 Jahren erschien das Album „Metallica“, wegen seines Covers nur das „Schwarze Album“ genannt. Es wurde dreimal neu abgemischt, verschlang in der Produktion eine Million US-Dollar und beendete drei Ehen der Bandmitglieder. Während die Regierung Bush über das Ende des Kalten Krieges verhandelte, hatten sich Hetfield, Ulrich und Co. mit stapelweise Schmuddel-Heftchen im Studio verschanzt und eines der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte eingespielt. Bei den Powerballaden „Nothing else matters“ und „The Unforgiven“ war bei Metallica erstmals nicht mehr härter, schneller und lauter die oberste Maxime. Und trotzdem schaffte es Produzent Bob Rock das Album so wuchtig zu gestalten, dass auch die eingefleischten Thrash-Metal-Kuttenträger weiter mit dem Kopf nickten. Das war bei den späteren Alben meist nicht mehr so.

Am Erscheinungstag standen die Fans vor den Plattenläden Schlange wie heute für die neueste Playstation. 19 000 Metallica-Jünger kamen am 3. August 1991 in den New Yorker Madison Square Garden zur Hörpremiere. Wohlgemerkt kein Live-Auftritt, es gab lediglich die neue Scheibe vom Band. Mit dem „Schwarzen Album“ war Metallica plötzlich Mainstream.

Die größte Metallica-Krise ist auf Film festgehalten

Doch in vier Jahrzehnten Bandgeschichte bleiben Krisen nicht aus. Die größte davon – und das ist typisch für die Merchandise-Maschine Metallica – ist auf Film festgehalten. Bei den Aufnahmen zum neunten Studioalbum „St. Anger“ bricht die Band fast auseinander. Jason Newsted hatte nach 15 Jahren den Bass hingeschmissen. Weil er es im Gegensatz zum braven Leadgitarristen Kirk Hammett nicht mehr aushielt, dass in der Band ausschließlich Hetfield und Ulrich den Ton angaben. Hetfields Alkoholprobleme überschatteten die Aufnahmen. Und ein mit 40 000 US-Dollar pro Monat entlohnter Privattherapeut sollte den ewigen Kampf der beiden Alphamännchen Hetfield und Ulrich befrieden. Ohne diese Vorzeichen wäre die Dokumentation „Some Kind of Monster“ wohl beliebige Fan-Kost über die Zeit im Studio geworden. Doch so wurde dieser Kinofilm Zeugnis einer Band im Verfall, die sich mit professioneller Unterstützung wieder zusammenraufte. Das Monster Metallica ist nicht totzukriegen.

Das nächste Deutschlandkonzert steht schon im Kalender

Das gilt bis heute. Hetfield hat wieder einmal einen Entzug hinter sich. Und nach eineinhalb Jahren, in denen sich die Band fast nur via Zoom-Konferenz sah, spielen die mittlerweile etwas angegrauten Herren wieder ihre ersten Konzerte vor kleinem Publikum. Der nächste Deutschlandbesuch steht auch schon im Kalender: 24. Juni 2022, Hockenheimring. Wie berichtet, versucht sich das Downloadfestival erstmals in Deutschland. Da braucht es die größte Metal-Band der Welt als Zugpferd.

Gitarrist Kirk Hammett hat jedenfalls schon klargemacht, dass die Metallica-Maschine nicht länger stillstehen wird. „Ich sehe keine Anzeichen, warum wir einen Gang runterschalten sollten.“ Die Lichter brennen noch.

Kurzkritik: „The Metallica Blacklist“

Zum 30. Geburtstag des „Schwarzen Albums“ haben sich die Herren von Metallica üppig beschenken lassen. Und zwar in Form eines opulenten Cover-Albums, auf dem sich mehr als 50 Künstler aus aller Welt über die zwölf Stücke des erfolgreichsten Metallica-Albums hergemacht haben. Von Biffy Clyro über Pianist Igor Levit bis zum großen Sir Elton John. Ergibt 4 CDs mit 53 Songs, insgesamt rund vier Stunden Spielzeit. Viel auf die Ohren zum Doppelgeburtstag. Für einen kompletten Durchlauf auf einmal ist „The Metallica Blacklist“ (Universal) allerdings nicht gemacht. Denn allein von „Nothing else matters“ haben es zwölf verschiedene Versionen auf den Sampler geschafft. Das packt nur auf einmal, wer auch in Metallica-Bettwäsche schläft. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Ja sagen“, erklärte Drummer Lars Ulrich das Ausmaß des Projekts. Das hat zur Folge, dass auch der ein oder andere Titel in der Sammlung auftaucht, der definitiv keinen zweiten Durchlauf mehr bekommt. Aber es gibt eine Reihe von Perlen. Chris Stapletons düstere Country-Blues-Adaption von „Nothing else matters“ zum Beispiel. Ein von Kamasi Washington zum Jazzstück völlig dekonstruiertes „My Friend of Misery“. Oder das wahrlich würdige „Holier than thou“ von Corey Taylor, einer der mächtigsten Metal-Stimmen in diesen Tagen. „The Blacklist“ – ein netter Zeitvertreib auf dem Weg zur nächsten echten Metallica-Scheibe.

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