Mittwoch Premiere im Lustspielhaus

Michael Altinger präsentiert sein neues Programm: Es werde „Hell“

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Ganz in Weiß: Michael ­Altingers neues Programm soll erhellend sein.

München - Am Mittwoch feiert Michael Altinger mit seinem neuen Progamm „Hell“ Premiere im Lustspielhaus. Wir fragten beim Kabarettisten nach, um was es darin geht.

Die Vorpremieren und Testläufe in der Provinz hat Michael Altinger (46) hinter sich gebracht, am Mittwoch feiert er mit seinem neuen Progamm „Hell“ Premiere im Lustspielhaus. Eine wahre Geschichte steckt wie so oft dahinter. Geht es um Helligkeit oder um die Hölle? Wir fragten beim Kabarettisten nach.

Sie haben Ihr Programm bereits in der Provinz getestet. Stimmten die Lacher?

Michi Altinger: Mir geht es eher um mein Spielgefühl. Kommt das an, was ich sagen möchte? Bleiben die Leute an der Geschichte, sodass die Auflösung am Ende funktioniert? Natürlich sind Lacher bei mir auch wichtig, aber ich habe ja eine Geschichte mit einem roten Faden – und der muss funktionieren.

Es ist also mehr Theaterstück als Stand-up?

Altinger: Es sind natürlich auch lockere Nummern drin, wo man die Leute am Alltag abholt, aber im Grunde ist es diesmal ein Kabarett-Theaterstück. Es ist mir dann auch wichtig, dass man den Leuten suggeriert, dass sie, wenn sie gut aufpassen, am Ende Dinge kapieren, die sie nur verstehen, wenn sie auch am Anfang aufgepasst haben.

Wird das Publikum abgefragt?

Altinger (lacht): Nee, es ist aber heute tatsächlich gar nicht so leicht, weil sich die Aufmerksamkeitsspanne der Leute aufgrund von Internet & Co. verkürzt hat. Die Spannung dann über zwei Stunden so aufrecht zu halten, dass die Leute wirklich bis zuletzt mitgehen: Das ist schon eine reizvolle Herausforderung.

Ist es also schwierig, junge Leute anzulocken?

Altinger: Interessanterweise kommen immer mehr junge Leute. Kann sein, dass die gerade wieder mehr Bock haben, längere Geschichten anzuhören.

Diesmal steckt eine wahre Geschichte dahinter, oder?

Altinger: Ja, darauf basiert das Stück. Ich war mit dem Auto unterwegs in der Schwanthalerstraße bei zähfließendem Verkehr. Und dann parkt vor mir einer rückwärts ein und zieht mir am Auto einen schönen Rallyestreifen rein. Das war ein ganz netter Typ, der gleich gesagt hat, das zahlt seine Versicherung. Eine Woche später kommt dann das Schreiben seiner Versicherung, dass ich schuld sei: Ich habe die vollen Kosten zu tragen. Ich bin an die Decke gegangen. Dann habe ich meinen Versicherungsvertreter angerufen. Der meinte, das sei doch völlig normal. Das macht man einfach heute so. Da habe ich mir gedacht, dass das eigentlich ein Programm ist. Diese Haltung: Man kann es ja mal probieren. Quasi Wahrheit als Option. Ich stelle mich im Programm selber als Schuldigen hin, liefere vor dem Publikum ein umfangreiches Schuldgeständnis ab, und dann erfahre ich, welche Kosten auf mich zukommen. Dann verkommt die Wahrheit immer mehr zur Option. Das wird dann immer böser, und am Schluss… Das sage ich nicht.

Was ärgert Sie besonders?

Altinger: Dies Haltung der Leute „Ich schaue, was ich da für mich raushole“. Und dabei lassen sie die Gemeinschaft völlig außer Acht. Es findet so eine Entsolidarisierung statt. Was ich mache, ist gut für alle, aber es kann den anderen scheißegal sein, was ich mache.

Fehlen aktuell moralische Instanzen?

Altinger: Ich glaube, dass die moralischen Instanzen immer mehr verschwunden sind. Die Leute orientieren sich nicht mehr nach einem Glauben. Auch Institutionen wie etwa die Gewerkschaften haben nicht mehr diese Tragweite in der Gesellschaft. Gleichzeitig aber suchen die Leute nach moralischen Instanzen. Ich bekomme das ja auch bei meinen eigenen Kindern mit. Die schauen sich oft deshalb gewisse YouTuber an, weil diese ihnen erzählen wollen, was richtig und was falsch ist. Unsere Generation hat sich darauf versteift, unsere eigenen Gesetzmäßigkeiten zu finden.

Ist es schwierig, diese an die Kinder weiterzugeben?

Altinger: Sehr schwierig sogar. Es gibt eben nicht mehr diesen einen Glauben, nach dem wir uns alle richten. Ich unterhalte mich sehr viel mit meinen Kindern und sage meine Meinung zu den Dingen, die sie sich im Internet ansehen. Zum Glück erreiche ich sie noch.

„Hell“ kann deutsch verstanden werden oder englisch als Hölle. Der Teufel war ja der Lichtbringer…

Altinger: Absolut. Ich stelle mich im Stück auch hin und sage, dass ich an Gott glaube mit einer total konservativen Haltung. Dann mutiert dieser Gott aber. Ich bekomme wahnsinnige Gewaltsfantasien. Und die Hölle male ich mir auch ganz genau aus als Ort, um andere hinzuschicken. (lacht diabolisch).

Antonio Seidemann

Am 1., 2. und 4. ­Februar, Lustspielhaus. Karten ab 24 Euro unter Telefon 089/344 974.

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